AT: Schmerzen im Alter: Expertengruppe veröffentlicht Empfehlungen zur Behandlung älterer und hochbetagter Menschen

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Die Schmerzen älterer und hochbetagter Menschen werden häufig unterschätzt. Mit aktuellen Empfehlungen zeigt eine österreichische Expertengruppe, wie Schmerzen bei älteren und hochbetagten Menschen diagnostiziert und optimal behandelt werden können.

Wien, 22. Jänner 2021 – Schmerzen bei älteren und hochbetagten Menschen sind weit verbreitet, aber oft unterbehandelt. Häufig herrscht Unsicherheit, welche Schmerztherapie für multimorbide Patientinnen und Patienten passend ist. „Schmerzen sind aber kein unbehandelbares Schicksal, auch im hohen Alter nicht. Es gibt viele Möglichkeiten, um den Betroffenen zu helfen – selbst dann, wenn sie ihre Beschwerden nicht mehr selbst artikulieren können“, unterstreicht Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar, MSc (Klagenfurt), Generalsekretär der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), anlässlich der Österreichischen Schmerzwochen der ÖSG. Seit nunmehr 20 Jahre informiert die Fachgesellschaft anlässlich der Schmerzwochen über die neuesten Entwicklungen in der Schmerzmedizin.

Fachgesellschaften liefern Empfehlungen

Expertinnen und Experten aus drei medizinischen Fachgesellschaften (Österreichische Schmerzgesellschaft, Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin und Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie) haben sich zusammengetan, um die Situation von älteren Schmerzpatienten zu verbessern. In einem Positionspapier, das auch in Form von zwei Arbeiten publiziert wurde, beschreiben sie bestehende Defizite und geben auf Basis aktueller Forschung und langjähriger Erfahrung Empfehlungen für ein optimales Schmerzmanagement.

Schmerzen bei älteren Menschen erkennen

Prof. Likar, einer der Ko-Autoren der Empfehlungen, sieht in der Schmerzerkennung den unverzichtbaren ersten Schritt: „Oft sprechen ältere Menschen ihre Schmerzen gar nicht an. Sie sind der Ansicht, ihre gesundheitlichen Probleme seien im Alter unvermeidlich. Vielfach leiden geriatrische Patienten auch an Demenz oder können aus anderen Gründen ihre Schmerzen nicht in Worte fassen.“ Eine standardisierte Schmerzerfassung muss daher ein integraler Bestandteil der Behandlung und Betreuung geriatrischer Patientinnen und Patienten sowie für Menschen mit Demenz sein. „Für beide Gruppen sind geeignete Instrumente zur Schmerzmessung vorhanden. Sie müssen aber auch im täglichen klinischen Alltag und in Pflegeheimen eingesetzt werden. Gerade in turbulenten Zeiten wie diesen besteht die Gefahr, das stille Leiden einer besonders verletzlichen Personengruppe zu übersehen“, betont Prof. Likar.

Individuelle Therapien, mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität

Die Expertengruppe liefert allgemein beachtenswerte Grundregeln zur Behandlung von Älteren und Hochbetagten und geht auf verschiedene Therapieverfahren ein. „Besonders die pharmazeutische Behandlung ist eine Herausforderung. Welche Schmerzmedikamente kommen zum Beispiel noch in Fragen, wenn Organe wie Leber oder Niere nicht mehr richtig funktionieren? Welche Substanzgruppen sind für multimorbide geriatrische Patienten geeignet, die bereits eine Vielzahl an Medikamenten nehmen? Wie können wir Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten vermeiden? Zu solchen Fragen bieten unsere Empfehlungen nun eine Orientierung“, so ÖSG-Vizepräsidentin OÄ Dr. Waltraud Stromer (Horn). In jedem Fall ist eine gut abgestimmte und umfassende Behandlung erforderlich, die bestmögliche Schmerzlinderung bei möglichst wenigen Nebenwirkungen garantiert. Die optimale Schmerztherapie muss individuell abgestimmt sein. „Das bedeutet, bei jedem einzelnen Patienten zu fragen: Was ist die geeignete Therapie? Der konkrete Nutzen sowie mögliche Nachteile und Nebenwirkungen der medikamentösen und nichtmedikamentösen Verfahren müssen für jede Patientin oder jeden Patienten abgewogen werden“, erklärt OÄ Stromer.

Ein erfolgreiches Schmerzmanagement erreicht nicht nur Schmerzlinderung, sondern gibt den Betroffenen auch wieder ein Stück Beweglichkeit und Mobilität zurück und trägt dazu bei, die Selbstständigkeit und Autonomie der älteren Patientinnen und Patienten zu erhalten. „Den älteren Menschen soziale Teilhabe zu ermöglichen und ihre Lebensqualität zu verbessern, sind zentrale Ziele, die es zu erreichen gilt“, sagt Prof. OÄ Stromer.

Quellen:

Empfehlungen der Expertengruppe: https://www.pains.at/sonderpublikationen/sn-1b-2020-schmerzen-und-schmerztherapie-im-alter-besonderheiten-und-empfehlungen/

Georg Pinter, Waltraud Stromer, Josef Donnerer, Svetlana Geyrhofer, Burkhard Leeb, Nenad Mitrovic, Katharina Pils, Rudolf Likar: Schmerzen und Schmerzerfassung im Alter: Besonderheiten und Empfehlungen. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 2020: 272; Georg Pinter, Waltraud Stromer, Josef Donnerer, Svetlana Geyrhofer, Burkhard Leeb, Nenad Mitrovic, Katharina Pils, Rudolf Likar: Schmerztherapie im Alter: Besonderheiten und Empfehlungen. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 2020:188​

Markus Golla
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Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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