AT: SARS-CoV-2: Deutliche Steigerung der Quantität und Qualität bei Testungen

(C) Gorodenkoff

Österreichische Diagnostika-Industrie leistet enormen Beitrag zur Eindämmung des Coronavirus

AUSTROMED warnt vor Eigenbefundung durch Patienten: Antikörper-Tests müssen in den Händen von Medizinern bleiben

Die Labordiagnostik spielt eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung der Verbreitung von SARS-CoV-2 in Österreich. Die Zahl der insgesamt hierzulande durchgeführten Testungen liegt nun bereits bei mehr als 400.000. Dank einer enormen gemeinsamen Kraftanstrengung von Politik, Industrie, Medizin und Forschungseinrichtungen konnten die Test-Kapazitäten seit dem Ausbruch von SARS-CoV-2 in Österreich deutlich gesteigert werden. Sie liegen aktuell signifikant über den 15.000 Tests pro Tag, die von der Bundesregierung Ende März gewünscht wurden.

„Die vergangenen Wochen haben einmal mehr deutlich gemacht, dass moderne und rasch verfügbare Labordiagnostik ein essenzieller Bestandteil unseres Gesundheitssystems ist, insbesondere bei der Bekämpfung von Pandemien“, betont Peter Bottig, Sprecher der Branchengruppe In-vitro-Diagnostik der AUSTROMED, der Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen. „Erstens ist es der Industrie in den vergangenen Wochen und Monaten gelungen, die PCR-Tests, mit denen eine COVID-19-Erkrankung durch direkten Virusnachweis diagnostiziert wird, zu automatisieren und in großer Zahl zur Verfügung zu stellen. Und zweitens konnte die Qualität der Antikörpertests – bzw. auch der auf der Antikörperbestimmung basierenden Schnelltests –, mit denen die Immunreaktion der Patienten auf eine vergangene Infektion mit SARS-CoV-2 überprüft wird, deutlich gesteigert werden.“

Antikörper-Tests: Komplexe Diagnose

Waren zu Beginn der Krise noch viele Antikörpertests am Markt, deren Ergebnisse teils sehr unzuverlässig waren, werden diese Tests nun zunehmend nach definierten Testprotokollen in enger Zusammenarbeit von Virologen, Labormedizinern und der Industrie evaluiert und empfohlen – vorausgesetzt, dass sie bereits die erforderliche hohe Genauigkeit aufweisen. In der Zukunft sollten sie im Idealfall auch zeigen, ob und wie lange die Person gegen eine neuerliche Infektion mit diesem Virus immun ist. „Aktuell gibt es jedoch noch zu wenige Daten, um darüber eine Aussage treffen zu können“, weiß Bottig.

Die Interpretation von Antikörpertests sollte aber jedenfalls einem Mediziner vorbehalten bleiben und nicht etwa von den Patienten selbst vorgenommen werden. Bottig erklärt: „COVID-19-Erkrankte weisen unterschiedliche Typen von Antikörpern auf, die in verschiedenen Phasen der Krankheit auftreten. Das Testergebnis, meistens eine Kombination des Nachweises von zweien dieser Antikörper, ist also nicht beispielsweise mit einem Schwangerschaftsergebnis vergleichbar, dessen Ergebnis entweder positiv oder negativ ist. Das Ergebnis eines Antikörpertests muss professionell analysiert werden, um falsch-positive Befunde zu vermeiden, die die Betroffenen und ihr Umfeld in vermeintlicher Sicherheit wiegen.“ Darüber hinaus muss beachtet werden, dass eine COVID-19 Infektion eine meldepflichtige Erkrankung ist.

Insgesamt müsse die von der Bundesregierung ausgegebene Devise „testen, testen, testen“ auch weiterhin gelten, betont Bottig: „So lange es keine Impfung gegen SARS-CoV-2 gibt, bleibt dies unsere beste Chance, eine zweite Welle von Erkrankungen zu verhindern.“

Optimierte Behandlung durch Labordiagnostik

Auch abseits von SARS-CoV-2 erfordern viele therapeutische Entscheidungen professionelle Labormedizin. Diese umfasst neben dem fundamentalen Beitrag zur Diagnostik auch die Verlaufs- und Therapiekontrolle sowie die Aufbereitung von Daten zur Prognose von Krankheitsentwicklungen. Durch sichere und effiziente Diagnostik werden zu verhältnismäßig geringen Kosten rasche Entscheidungen und gezielte Behandlungen ermöglicht. Dies bedeutet für die Patienten einen optimierten Behandlungsverlauf und damit mehr Lebensqualität. Medizinische Leistungserbringer profitieren von einer vertieften Entscheidungsbasis, verbunden mit Einsparungen im Gesundheitswesen. 60 bis 80 Prozent der Therapieentscheidungen und des -erfolges basieren auf einer korrekten hochqualitativen Labordiagnostik, wobei diese im europäischen Schnitt nur 0,8 Prozent der Gesundheitsausgaben verursacht.

Service: Broschüre für Patienten

Die AUSTROMED hat eine Broschüre aufgelegt, mit der sich Patienten über die Bedeutung und die Anwendungsbereiche von Labordiagnostik informieren können. Diese ist auf https://austromed.org/ueber-uns/publikationen/ zum Download verfügbar.

Markus Golla
Über Markus Golla 6823 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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