AT: Samariterbund zur Senkung der Tauglichkeitskriterien

„Zivildiener im Rettungsdienst müssen volltauglich sein“

Samariterbund

Hundsmüller: Es darf zu keiner Leistungseinschränkung kommen

Wien (OTS) – Die Anzahl der als untauglich eingestuften Stellungspflichtigen in Österreich wächst in den letzten Jahren stetig an. Mittlerweile wird fast ein Viertel der Stellungspflichtigen als untauglich zur Ableistung des Präsenzdienstes eingestuft, und sind somit auch nicht für den Zivildienst verfügbar. Diese Tatsache in der Kombination mit der ohnehin angespannten Lage durch die geburtenschwachen Jahrgänge verschärft die Situation der Trägerorganisationen des Zivildienstes im Rettungs- und Krankentransportdienst noch zusätzlich. Aber deswegen die Tauglichkeitskriterien für junge Männer beim Heer und im Zivildienst zu senken, um Engpässe zu vermeiden, stößt beim Samariterbund auf Unverständnis.

„Gerade bei der Tätigkeit im Rettungsdienst ist die gute physische und psychische Belastbarkeit der SanitäterInnen unabdinglich. Der Zivildienst im Rettungs- und Krankentransportdienst ist mit einem Anteil von rund 45 Prozent an Zivildienststellen die tragende Säule im österreichischen Gesundheits- und Rettungssystem – wenn man hier versuchen will, Tauglichkeitskriterien zu senken, um sich der demografischen Entwicklung der jungen männlichen Bevölkerung entgegenzustemmen, ist das nicht zielführend! An den Qualitätsstandards im Zivildienst darf keinesfalls gerüttelt werden!“, mahnt ASBÖ-Bundesgeschäftsführer Reinhard Hundsmüller. Statt Symptome zu bekämpfen, müssten die Ursachen gelöst werden. „Hier sind Bund und Länder in Zusammenarbeit gefordert, um ein ausreichend finanziertes Rettungswesen zu gewährleisten“, so Hundsmüller.

Ein Herabsetzen der Tauglichkeitskriterien könnte nur in ganz bestimmten Fällen sinnvoll sein. So könnten etwa Kurz- oder Weitsichtige und gut eingestellte Diabetiker auch im Rettungs- und Krankentransportdienst eine wichtige Unterstützung leisten. Eine weit höhere Anzahl der Untauglichen gibt es jedoch aufgrund anderer Diagnosen: So sind es knapp 30 Prozent, die psychische Störungen und Verhaltensstörungen und rund 17 Prozent, die Erkrankungen des Bewegungsapparates aufweisen.

Es darf zu keiner Leistungseinschränkung kommen

Hundsmüller stellt klar, dass der Rückgang an Zivildienern der letzten Jahre für den Rettungsdienst in Österreich ein massives Problem darstellt. Weniger Zivildiener bedeuten unweigerlich Leistungseinschränkungen – mit mehr Geld für den Ersatz durch Hauptamtliche könne man dieser Problematik entgegenwirken: „Wir brauchen im Sinne der Hauptamtlichen eine Professionalisierung des Rettungsdienstes. Derzeit ist das System eindeutig unterfinanziert. In weiten Teilen Österreichs fehlt es im Rettungsdienst an Personal und wir laufen Gefahr, dass wir das bis dato gute System gegen die Wand fahren. Für den Zivildienst benötigt es jedenfalls junge Männer, die über eine volle körperliche und geistige Tauglichkeit verfügen, da sie unmittelbar am Menschen arbeiten und eine staatlich anerkannte Prüfung zum Rettungssanitäter ablegen müssen. Hierfür trägt eine Herabsetzung der Tauglichkeitskriterien überhaupt nichts zur Problemlösung bei“, so Hundsmüller.

Im Falle der Senkung der Tauglichkeitskriterien sieht der Samariterbund in anderen Bereichen als dem Rettungs- und Krankentransportdienst die Möglichkeit, Zivildienstleistende mit reduzierter Tauglichkeit einzusetzen. „Mit unserer Expertise stehen wir jederzeit gerne für Gespräche zur Verfügung“, so Reinhard Hundsmüller abschließend.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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