AT: Samariterbund setzt sich für mehr Herzsicherheit ein

Samariterbund

„Tag der Wiederbelebung“ am 16. Oktober soll Öffentlichkeit sensibilisieren

Wien (OTS) – Pro Jahr erleiden ungefähr 12.000 Menschen in Österreich einen akuten Kreislaufstillstand außerhalb eines Krankenhauses (Out-of-Hospital Cardiac Arrest – OHCA), davon mehr als 3.500 in Wien. Diesem wichtigen Thema soll am „European Restart a Heart Day“ (dem Europäischen Tag der Wiederbelebung) am 16. Oktober 2018 mehr öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt werden. Mit Unterstützung des Europäischen Parlaments sollen unterschiedliche Kampagnen darauf aufmerksam machen, dass man die Herz-Lungen-Wiederbelebung und somit die Lebensrettung ganz einfach lernen kann. Der Samariterbund unterstützt ein großes Angebot entsprechender Reanimationskurse in öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen und Schulen.

Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache in Österreich. Ausgelöst wird er durch eine Fehlfunktion des Herzens – das Herz flimmert und kann den Kreislauf nicht mehr aufrechterhalten. In diesem Zustand benötigt das Herz eine Herzdruckmassage und – bei Verfügbarkeit eines Defibrillators – einen Elektro-Impuls, um wieder in den normalen Takt zu finden. Derzeit sind in Wien rund 900 solcher Geräte öffentlich zugänglich – Tendenz steigend.

Dazu Prof. Harry Kopietz, Präsident von PULS (Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes) und Samariterbund-Vorstandsmitglied: „Es kann jede und jeden treffen, jederzeit und überall. Unsere Projekte und Kampagnen haben schon bisher dazu beigetragen, dass in Wien innerhalb der letzten drei Jahre hunderte Menschenleben gerettet werden konnten. Die Überlebensrate bei plötzlichem Herzstillstand konnte in Wien von 10 Prozent auf mehr als 20 Prozent gesteigert werden.“

Bei einer Pressepräsentation der Kampagne „Wien ist sicher“ im Rahmen des „European Restart a Heart Day“ in der Hauptfeuerwache Floridsdorf stehen drei medizinische Säulen der Ersten Hilfe im Fokus.

„Ich kann Leben retten – Leben retten macht Schule“: Alle Kinder der dritten Schulstufe in Wien lernen die Notwendigkeit von lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Theoretische und praktische Unterrichtsinhalte sollen bei Notfällen zu selbstbewusstem Verhalten führen und mögliche Ängste vor der Wiederbelebung und dem Defibrillator gar nicht erst aufkommen lassen.

„First Responder – Ersthelfer“: Bei einem Kreislaufstillstand wird nach Absetzen eines Notrufs die Rettung oder ein Notarzt losgeschickt. Um die Eintreffzeit dieser Einsatzmittel zu überbrücken, kommen z. B. ein Samariterbund-Krankentransportwagen sowie Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr oder der Polizei zu Hilfe, weil sie über Defibrillatoren verfügen – und mittlerweile ist auch die Fahrradpolizei damit ausgestattet worden. „Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, dass unsere Dienstwagen mit Defis ausgestattet sind, und haben daher auch Fahrradstreifen damit ausgerüstet”, erklärt Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl. „Bisher konnten von unseren ersteintreffenden Beamten, die als ‚First Responder‘ mit der Wiederbelebung begonnen haben, mehr als 300 Menschenleben gerettet werden.“

Lebensretter-App: Registrierte Ersthelfer werden via Smartphone über einen Notfall in ihrer Nähe informiert. Die App führt sie direkt zum Betroffenen. Der Verein Lebensretter, der eigens für die Umsetzung und den Betrieb der App gegründet wurde, arbeitet dabei u. a. auch eng mit dem Samariterbund zusammen.

Elisabeth Zwingraf, Leiterin der Landesschulung beim Samariterbund Wien, findet alle drei Projekte großartig: „Man kann nicht früh genug mit der Bewusstseinsbildung zum Thema Erste Hilfe beginnen. Kinder sind wissbegierig und machen mit Begeisterung dabei mit. Auch die Lebensretter-App ist ein sehr wichtiges Tool, weil dadurch die Zeit bis zum Eintreffen der Rettung mit qualifiziertem Personal überbrückt wird. Allein der Samariterbund hat (Stand 9.10.2018) 622 gemeldete SanitäterInnen, die in ihrer Freizeit bereit sind, zu Reanimationen geschickt zu werden, um dort die Wiederbelebung vor Eintreffen des Rettungsdienstes zu beginnen und somit die Überlebenschancen für die Patienten erheblich zu steigern.“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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