AT: Rückenschmerz-Rehabilitation: Soziale Situation beeinflusst Wirksamkeit ​

(C) Jennifer Braun /FPZ

Rehabilitationsmaßnahmen sind bei chronischem Rückenschmerz schlechter wirksam, wenn die Betroffenen einen prekären sozialen Status haben. Um das zu verbessern, sollte die Gesundheitskompetenz erhöht und die Reha-Nachsorge an die Lebenswelt der Patientinnen und Patienten angepasst werden, fordern Expertinnen und Experten anlässlich der 20. Österreichischen Schmerzwochen.

Wien/Villach, 8. Februar 2021 Wie gut eine Rehabilitation bei Rückenschmerzen funktioniert, hängt auch davon ab, unter welchen sozialen Bedingungen man lebt. Zu diesem Schluss kommt eine deutsche Studie mit 394 Patientinnen und Patienten mit unspezifischen chronischen Rückenschmerzen. Laut Studiendaten bringt bei Menschen mit einem prekären Sozialstatus eine Rückenschmerz-Reha weniger Erfolg. Wer also finanziell zu kämpfen und einen niedrigen Berufs- und Bildungsstatus hat, kann sich hinsichtlich Depression, körperlicher Funktion und Arbeitsfähigkeit bei weitem nicht so gut verbessern wie Patientinnen und Patienten mit besseren Voraussetzungen, was ihren Sozialstatus betrifft. Außerdem können Patientinnen und Patienten der sogenannten „Mittel- und Oberschicht“ langfristig durch die Rehabilitation profitierten – bei sozial schwächeren Betroffenen bleiben der positiven Langzeiteffekte eher aus.

„Diese Studie belegt einmal mehr den Einfluss der sozialen Lage auf die körperliche und psychische Gesundheit“, sagt Prof. Dr. Michael Ausserwinkler (Villach), Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), anlässlich der ÖSG-Schmerzwochen. Im Rahmen ihrer jährlichen Schmerzwochen klärt die Fachgesellschaft heuer bereits zum 20. Mal darüber auf, wie vor allem chronische Schmerzen bestmöglich vermieden und gelindert werden können. Heuer widmen sich die Schmerzwochen schwerpunktmäßig dem Thema Rückenschmerz.

Geringe Gesundheitskompetenz, große körperliche Belastung

Die Studienergebnisse legen nahe, dass Patientinnen und Patienten mit niedrigerem Sozialstatus häufig geringe Gesundheitskompetenz aufweisen und relevante Gesundheitsinformationen nicht so gut verstehen, beurteilen und anwenden können. „Für die medizinische Rehabilitation bei chronischen Rückenschmerzen bedeutet das, dass die unterschiedlichen Niveaus bereits in der Konzeption und insbesondere bei der Durchführung von Maßnahmen berücksichtigt werden müssen, etwa bei psychologischen Gruppentrainings“, erklärt Prof. Ausserwinkler. Um die schichtspezifischen Unterschiede im Rehabilitationsergebnis zu verringern, wäre zudem eine Reha-Nachsorge notwendig, die nahe an der Lebenswelt der Betroffenen ist und die Gesundheitskompetenz kontinuierlich fördert. „Das ist schon deshalb sehr wichtig, weil schlecht bezahlte Menschen häufig körperlich schwer belastende Berufe ausüben, etwa in Fabriken oder am Bau, in der Gastronomie oder im Transportgewerbe, und besonders oft große Probleme mit dem Rücken haben. Da braucht es mehr als ein paar Wochen Reha-Aufenthalt“, betont Prof. Ausserwinkler.

Quellen:

Anne Köpnick, Petra Hampel: Der Einfluss der sozialen Lage auf den Rehabilitationserfolg von Rehabilitanden mit chronischem Rückenschmerz. Rehabilitation (Stuttg) 2020; 59(06): 348-356

Arbeitsgesundheitsmonitor – Die Berufe mit den geringsten und höchsten Belastungen
https://www.ifes.at/aktuelles/arbeitsgesundheitsmonitor-berufe-mit-geringsten-hoechsten-belastungen

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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