AT: Rotes Kreuz weist auf Herausforderungen bei Implementierung der Pflegelehre hin

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Expertin fordert Politik: Fachliche Expertise aus der Praxis darf im Implementierungsprozess nicht fehlen

Dass die Pflegelehre nun ab dem Jahr 2023 als Pilotversuch in mehreren Bundesländern starten soll, ist ein weiterer Schritt, um den akuten Fachkräftemangel im Pflegebereich zu entschärfen. Doch die Implementierung steht noch vor einigen Herausforderungen, die Fachexpertise erfordern.
„Aufgrund des aktuellen und des sich in Zukunft noch weiter verschärfenden Personalmangels sehen wir einen dringenden Bedarf an unterschiedlichen Ausbildungswegen für Gesundheits- und Sozialberufe. Bei der Umsetzung der Pflegelehre ist es wichtig, Rahmenbedingungen zur Qualitätssicherung und insbesondere zur Unterstützung und Begleitung der Lehrlinge zu implementieren. Das Österreichische Rote Kreuz wirkt gerne an der Entwicklung dieser Rahmenbedingungen mit“, betont Petra Schmidt, Leiterin Gesundheits- und Soziale Dienste des Österreichischen Roten Kreuzes.

So sind Fachkräfte in Pflegeberufen vermehrt körperlichen und psychischen Belastung ausgesetzt. „Das kann für besonders junge Auszubildende zur Herausforderung werden und auch die Verweildauer in der Ausbildung negativ beeinflussen“, so Schmidt. Weiters muss genau geklärt werden, wie die praktische Ausbildung aussehen kann. Besonders im Bereich der mobilen Langzeitpflege sind der Einsatz und die Betreuung von Lehrlingen mit logistischen Herausforderungen verbunden, da sie erst mit dem 17. Geburtstag patientennahe Tätigkeiten ausüben dürfen. Wird das Modell primär in stationären Pflegeeinrichtungen umgesetzt, könnte die mobile Pflege und Betreuung als Arbeitsplatz wiederum noch mehr an Attraktivität verlieren.
„Ich sehe durchaus die Gefahr, dass wenige der neu ausgebildeten Fachkräfte nach ihrem Abschluss den Weg in die Langzeitpflege finden, wo aber händeringend qualifiziertes Personal gesucht wird“, erklärt Petra Schmidt.

Fakt ist: Eine zusätzliche Ausbildungsform kann den bestehenden Fachkräftemangel entschärfen, doch um dieses Ziel zu erreichen, muss die Implementierung der Lehre mit Hilfe von Experten aus dem Gesundheits- und Pflegebereich stattfinden.

Erleichterungen für Pflegekräfte
Dass Fachkräften aus Drittstaaten, die im Gesundheits- und Pflegebereich tätig sind, künftig der Zugang zur Rot-Weiß-Rot-Card vereinfacht werden soll, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, begrüßt Petra Schmidt: „Die Möglichkeit, dass Personal auch ohne Aufsicht in entsprechenden Bereichen arbeiten darf und notwendige Ergänzungskurse innerhalb einer festgelegten Zeitspanne absolviert, bringt eine große Erleichterung für die alltägliche Praxis in Pflegeeinrichtungen mit sich.“

Einen weiteren Anreiz für zukünftige Fachkräfte stellt der angekündigte Ausbildungsbonus dar. „Der Zuschuss zur Ausbildung ist eine großartige Sache, sowohl für Berufseinsteiger:innen als auch für Wiedereinsteiger:innen. Doch es auch für die Träger der Ausbildung eine Möglichkeit geben, dass die Betreuung und Anleitung in der Praxis abgegolten wird, vor allem wenn zukünftig mit einer größeren Anzahl von Praktikant:innen zu rechnen ist“, merkt Petra Schmidt an.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)