AT: Rotes Kreuz: Gewalt gegen Frauen immer noch Tabuthema

Romeo Bissuti (Leitung MEN Männergesundheitszentrum):."Männer zu erreichen spielt eine sehr wichtige Rolle im Einsatz gegen FGM. Wir freuen uns dass wir diesen Aspekt in der Koordinationsstelle von Beginn an mit dabei haben und mit männlichen Multiplikatoren zusammenarbeiten.".

Anlässlich der Protestaktion von „One Billion Rising“ am 5. Mai und des Internationalen Welttages für genitale Unabhängigkeit am 7. Mai weist das Rote Kreuz erneut auf die Problematik hin.

Speziell Gewalt gegen ältere Frauen und weibliche Genitalverstümmelung sind in Österreich immer noch Tabuthemen. Das Rote Kreuz setzt sich vor allem in der Aufklärung und Präventionsarbeit ein. Ziel ist es, Betroffenen zu helfen und ein erhöhtes Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

Häusliche Gewalt gegen ältere Frauen

Jede fünfte Frau erlebt ab ihrem 15. Lebensjahr physische und/oder sexuelle Gewalt, und nicht immer ist diese zu erkennen. Gewalt kennt auch keine Altersgrenzen und die Dunkelziffer vor allem bei älteren Frauen ist sehr hoch. „Hier geschieht Gewalt sehr oft im Verborgenen, im Kreise der eigenen Familie, und sie ist vielfältig“, so Petra Schmidt, die Leiterin Gesundheits- und Soziale Dienste des Österreichischen Roten Kreuzes. „Körperliche oder sexuelle Übergriffe, emotionale oder psychische Gewalt, verbale Herabwürdigung, finanzielle Ausbeutung, Vernachlässigung, Einschränkung des freien Willens – all das sind Formen von Gewalt“. Ein großer Teil der Betroffenen melde den Missbrauch nicht, aus Scham, Angst oder aufgrund von Abhängigkeitsverhältnissen, so Schmidt.

Zur aktiven Gewaltprävention in der Bevölkerung bietet das Rote Kreuz nach einmaliger Registrierung einen kostenlosen Online-Kurs an: Gewalt gegen ältere Frauen: Gewalt gegen ältere Frauen erkennen – das Recht älterer Frauen auf Würde und Wohlbefinden schützen (roteskreuz.at). Das Thema ist auch Teil des Fortbildungsprogramms für Mitarbeiter:innen und Freiwillige des Roten Kreuzes, um Gewalt in der Praxis frühzeitig erkennen und die richtigen Schritte setzen zu können.

Informationen unter: Gewalt gegen Frauen: erkennen und handeln – Rotes Kreuz

FGM/C Weibliche Genitalverstümmelung

Im Zusammenhang mit der Arbeit im Migrations- und Integrationsbereich setzt sich das Rote Kreuz auch gegen weibliche Genitalverstümmelung ein. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind jährlich rund drei Millionen Mädchen dem Risiko von FGM/C ausgesetzt, weltweit gibt es über 200 Millionen Betroffene. Auch in Österreich ist die Anzahl der von FGM/C betroffenen oder gefährdeten Mädchen und Frauen in den vergangenen Jahren angestiegen. „Schätzungen zufolge leben ca. 6.000 bis 8.000 von FGM/C betroffene Frauen in Österreich, die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen“, so Petra Schmidt. Weibliche Genitalverstümmelung ist in Österreich gesetzlich verboten, sie erfüllt den Tatbestand der schweren Körperverletzung und gilt als grobe Menschenrechtsverletzung.

Seit Herbst 2021 betreut das Rote Kreuz gemeinsam mit dem Gesundheitszentrum FEM Süd und anderen Projektpartnern eine Koordinierungsstelle für betroffene Frauen und Berufsgruppen, die seit Jänner 2022 durch das Bundeskanzleramt vollfinanziert wird. Ziel ist es, eine Anlaufstelle für Hilfesuchende, Expert:innen, Fachkräfte und Communities zu sein und alle Akteur:innen miteinander zu vernetzen.

Neben dem allgemeinen Infotelefon +43 1 267 7 267 bietet die FGM-Koordinationsstelle auch persönliche Beratung in Wien, Graz, Innsbruck, Linz und Salzburg anDa sich Betroffene oft an allgemeine Beratungsstellen oder medizinische oder pädagogische Einrichtungen wenden, veranstaltet die FGM-Koordinationsstelle zusätzlich Schulungen für Fachkräfte an. Essenzieller Bestandteil der Arbeit sind auch Workshops für Betroffene und für Männer aus Communities mit hohem Vorkommen von FGM/C in den Herkunftsländern. Sie tragen präventiv zur Sensibilisierung, Aufklärung und Enttabuisierung des Themas bei.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)