AT: Rotes Kreuz: Angekündigte Pflegereform richtiger Schritt

Generalsekretär Michael Opriesnig erfreut über die Pläne der Bundesregierung für eine umfassende Pflegereform

Als „erfreulichen Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet Rot-Kreuz-Generalsekretär Michael Opriesnig die am Donnerstag von Sozialminister Johannes Rauch, ÖVP-Klubobmann August Wöginger und Grünen-Klubobfrau Sigi Maurer verkündeten Pläne für ein umfassendes Pflegepaket. „Langjährige Forderungen werden nun aufgegriffen und umgesetzt“, so Opriesnig. Vor allem die Pläne zur Aus- und Weiterbildung und die Attraktivierung der Pflegeberufe seien Meilensteine. Manches bliebe noch offen, wie die Zielsteuerung und eine umfassende Reform des Pflegegelds.

Arbeitsbedingungen

Die angekündigte „Pflegemilliarde“ für zwei Jahre wird vom Roten Kreuz ausdrücklich begrüßt. „Wir fordern ja schon lange bessere Rahmenbedingungen für die Berufsgruppe. Die angedachten 520 Mio. Euro als Gehaltsbonus für die nächsten zwei Jahre sind ein guter und wichtiger Schritt, es muss aber im Sinne der Nachhaltigkeit auch darüber hinaus die zukünftige Finanzierung sichergestellt werden“, so Opriesnig. Pflegekräfte bräuchten eine dauerhafte Verankerung eines angemessenen Gehalts. Das sei ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung ihrer Arbeit. Opriesnig fordert aber ergänzend, die Unterschiede zwischen der Pflege zu Hause und dem stationären Bereich zu verringern.

Große Freude herrscht über die „Entlastungswoche“, also die 6. Urlaubwoche ab dem 43. Lebensjahr, unabhängig von Dienstgeber und Vordienstzeiten. Das sei sehr wichtig im Sinne einer bundesweiten Vereinheitlichung der Regelungen. „Unsere Systemerhalter:innen brauchen dringend Entlastung und Erholung, gerade jetzt nach der sehr fordernden Zeit der Pandemie. Allerdings gilt diese Regelung laut den Plänen nur für Pflegepersonen, hier ist noch zu klären, was mit den Sozialbetreuungsberufen ist“, so Opriesnig.

Die geplanten Kompetenzerweiterungen werden vom Roten Kreuz begrüßt. Opriesnig: „Wir haben uns schon länger dafür eingesetzt.“
Der Rot-Kreuz-Generalsekretär weiter: „Weil wir wissen, dass sich die angespannte Situation trotz Maßnahmen in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird, begrüßen wir auch die Erleichterungen für Pflegekräfte aus dem Ausland – Stichwort Rot-Weiß-Rot Card. Dies ist das ein ganz konkreter Abbau von Hürden für Pflegekräfte aus anderen Ländern.“

Ausbildung

Erfreut registriert das Rote Kreuz die Neuerungen im Bereich der Ausbildung. Opriesnig: „Wie wir wissen, fehlen im Jahr 2030 an die 100.000 Personen in der Pflege und Betreuung. Wir begrüßen daher diesen Schritt, weil das endlich realisierbare Lösungen für Einsteiger:innen, aber auch für Um- und Wiedereinsteiger:innen sind und eine Weiterqualifizierung von bestehenden Kräften ermöglicht, ohne sich vorher arbeitslos melden zu müssen“.

Wir begrüßen alle Maßnahmen, die dazu dienen, Menschen für Pflege- und Betreuungsberufe zu gewinnen, auch wenn im Bereich der Pflegelehre noch einige Fragen offenbleiben. Wir bieten der Regierung an, hier jederzeit aktiv bei der konkreten Umsetzung zu unterstützen, vor allem in der mobilen Langzeitpflege“, so Opriesnig.

Angehörige, Pflegegeld

Teilweise zufrieden ist der Generalsekretär beim Thema Pflegegeld. „Schließlich werden von den 460.000 Pflegegeldbeziehern aktuell 79 Prozent zu Hause betreut.“ Die Erhöhung des gesetzlichen Anspruchs auf Pflegekarenz auf drei Monate sei sehr begrüßenswert. „Die Berücksichtigung der Demenz ist wichtig, aber auch andere Faktoren, wie Prävention und psychosoziale Gesundheit wären mitzudenken. Bei der Pflegegeldeinstufung sollte die Kompetenz des diplomierten Pflegepersonals berücksichtigt werden und bei der Möglichkeit der Weiterverordnung von Medizinprodukten durch den gehobenen Dienst braucht es nur eine Umsetzung der bestehenden gesetzlichen Regelungen.“

Opriesnig wünscht sich eine weitere Entlastung der Angehörigen durch etwa die Reduktion des Selbstbehalts und die Valorisierung des Zuschusses für die 24 Stunden-Betreuung. Zu den angekündigten Verbesserungen bei der 24h Pflege meint Opriesnig: „Der Qualitätsstandard muss jedenfalls gesichert werden und bleiben.“

Insgesamt freut sich das Rote Kreuz über das ambitionierte Paket und hofft auf eine gute Umsetzung. Opriesnig: „Wir erwarten mit Spannung den angekündigten Gesetzesentwurf zu den heutigen Ankündigungen, der laut BM Rauch bereits vor dem Sommer beschlossen werden soll. Hier ist eine ausreichend lange Begutachtungsfrist dringend erforderlich, um diesen Meilensteil für die Pflege und Betreuung in Österreich gut abzusichern.“

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)