AT: „Projekte mit so großen Zielen, wie das Verhindern von Brustkrebs kann man nur gemeinsam schaffen“

150 internationale Wissenschaftler diskutierten an der Tiroler Privatuniversität UMIT

(v.l.) Landesrat Bernhard Tilg, Prof. Peter Devilee (Leiden University), Prof. Henricus J De Koning (Erasmus University Rotterdam), Prof. Martin Widschwendter (University College London) Prof. Marjanka Schmidt Nederlands Cancer Institute), Dr. Suzette Delaloge (Breast Cancer Institute Gustave Roussy), UMIT-Rektorin Sabine Schindler, Prof. Jack Cuzick (University of London). Foto Land Tirol/Schwarz

Im Rahmen der ersten ENVISION Konferenz diskutierten am Universitätscampus der Privatuniversität UMIT in Hall vor kurzem 150 Top-Wissenschaftler aus Europa, USA, Kanada und Australien die in zehn europäischen Forschungskonsortien arbeiten, über den aktuellen Stand der Forschung bei der individuellen Früherkennung und Vorbeugung von Brustkrebs.

Zum Abschluss der Konferenz zog Organisator Univ.-Prof. Dr. Martin Widschwendter, der am University College in London tätig ist und dort das Forschungskonsortium FORCEE (4c) leitet zufrieden Bilanz. „Wir haben die europäischen Spitzenwissenschaftler, die im Bereich Früherkennung und Vorbeugung von Brustkrebs und anderen Krebsarten forschen, in Tirol erstmals sozusagen an einen Tisch gebracht und konnten auf höchstem Niveau über den aktuellen Stand der Forschung diskutieren“, sagte Widschwenter.

Immerhin lag das Forschungsvolumen dieser Forschungsgruppen in den vergangenen vier Jahren bei mehr als 60 Millionen Euro. Zum Großteil werden die Forschungsvorhaben über das EU-Programm Horizon 2020 und vom European Research Council (ERC) finanziert.

Ins selbe Horn blies Univ.-Prof. Dr. Kristina Gemzell Daniellson, die Leiterin des Departments Frauen- und Kindergesundheit am Karolinska Institut in Stockholm und Direktorin des WHO Centres for Research in Human Reproduction, die überzeugt ist, dass internationale Vernetzung und Zusammenarbeit mehr denn je essentiell ist. „Projekte mit so großen Zielen, wie das Verhindern von Brustkrebs kann man nur gemeinsam schaffen“, sagte die Wissenschaftlerin.

In einem vielbeachteten Gastvortrag skizzierte der ehemalige EU-Kommissar Dr. Franz Fischler „Europa`s Herausforderungen und Wege zu ihrer Bewältigung“. Dabei stellte Fischler fest, dass die EU im neuen Forschungsrahmenprogramm „Horizon Europe“ die Krebsforschung weiterhin besonders fördern wird. “Als Tiroler und Europäer freut es mich auch besonders, dass sich die internationale Forschungsgemeinschaft hier in Tirol trifft und sich dem so wichtigen Thema der individuellen Krebsvorbeugung widmet“, sagte Fischler.

Bei der Eröffnung der ENVISION-Konferenz an der Landesuniversität UMIT in Hall fand Gesundheits- und Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg klare Worte: „Diese von der EU geförderte und von hervorragenden Experten aus dem In- und Ausland getragene Forschungsinitiative lässt die Hoffnung zu, dass die Erkrankung des Brustkrebses weiter an Schrecken verliert. Die neuen Erkenntnisse für die Früherkennung und die gezielte Vorbeugung ermöglichen eine noch bessere, auf die Einzelpatientin genau zugeschnittene Behandlung von Brustkrebs, sagte Tilg.

Der Direktor der Tiroler Gebietskrankenkasse Dr. Arno Melitopulos verfolgt die Forschungsarbeit in diesem Bereich sehr genau und meint: „Wir haben in Tirol ein sehr gut etabliertes Mammographie-screening Programm, welches allen Frauen ab 40 Jahren zur Verfügung steht. Zukünftige Möglichkeiten welche sich aus den aktuellen europäischen Forschungsprogrammen ergeben, Bruskrebs-Früherkennung gezielt bei Frauen mit hohem Risiko anzubieten, um dadurch falschen Alarm und Überdiagnosen zu vermeiden und vor allem aggressive Brustkrebsformen noch früher zu erkennen, würden wir sehr begrüßen“.

In Tirol erkranken pro Jahr rund 550 Frauen an Brustkrebs und jeden dritten Tag verstirbt eine Tirolerin an dieser Erkrankung. Das durchschnittliche Alter der Patientinnen liegt bei 61 Jahren, ein Viertel dieser Frauen war jünger als 50. Das Mammakarzinom ist heute in den meisten Fällen eine heilbare Erkrankung. Durch die Verbesserung von Vorsorge und Behandlung durch das Tiroler Brustkrebsvorsorge – Programm konnte die Sterblichkeit bei der häufigsten Krebserkrankung von Frauen bereits signifikant gesenkt werden.

Die Rektorin der Tiroler Privatuniversität, Univ.-Prof. Dr. Sabine Schindler freute sich sehr, dass sich die europäische Forschungselite im Bereich der individuellen Früherkennung und Vorbeugung von Brustkrebs am Universitätscampus in Hall getroffen hat. „In ihrer Forschungsarbeit arbeiten unsere Wissenschaftler an zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsprojekten mit. Unter anderem bringt das UMIT-Department für Public Health, Versorgungswissenschaften und HTA unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Uwe Siebert auch seine Expertise beim Projekt FORCEE ein“, sagte Schindler.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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