AT: Projekt Zeitreise – Eine (Zwischen-) Bilanz

(C) Raphael Schönborn

Anlässlich des dreijährigen Bestehens des Projekts „Zeitreise“ der Caritas Wien und Niederösterreich wurde am 11.06.2018 zu einer feierlichen Veranstaltung in die Casa Sonnwendviertel geladen. Eröffnet wurde das Event von Regina Ertl im Namen der Caritas-Leitung. Zu den Ehrengästen der Feierlichkeiten zählten u.a. Elisabeth Seidl (Pflegewissenschaftlerin), Birgit Meinhard-Schiebel (Präsidentin-IG Pflege), Reingard Lange (PROMENZ) und Barbara Hinterschuster (KH Göttlicher Heiland). Anwesend waren außerdem zahlreiche am Projekt mitwirkende MitarbeiterInnen, ehrenamtlich Tätige, An-/Zugehörige und ganz besonders zu erwähnen: Personen mit demenziellen Beeinträchtigungen, deren großes Engagement für die gemeinsame Aufgabe bei der Festlichkeit deutlich spürbar wurde.

Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt seit seinen Anfängen von Katharina Heimerl und Barbara Egger (IFF, Alpen-Adria Universität), die anlässlich der Veranstaltung unter dem Motto „Fantasien und Fakten“ Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Evaluation präsentierten. Den Wissenschaftlerinnen zufolge ist das Projekt ein großer Erfolg – nicht zuletzt, weil das Ziel, 150 Personen innerhalb von drei Jahren zu erreichen, bei weitem übertroffen wurde. Das Projekt sei ein Beitrag zur Inklusion und Partizipation von Betroffenen und liefere darüber hinaus wichtige Erkenntnisse für die Caritas interne Demenzstrategie, die sich nun aufgrund dieser Erkenntnisse vermehrt um die Unterstützung von betreuenden und pflegenden An-/Zugehörigen bemüht.

Beim Projekt „Zeitreise“ handelt es sich um ein Entlastungsangebot für An- und Zugehörige von Menschen mit Demenz, welches von Norbert Partl, Alexandra Propst, Ute Ötsch und zahlreichen weiteren MitarbeiterInnen und Ehrenamtlichen der Caritas Wien und Niederösterreich geleistet wird. Ziel des Projektes sind psychosoziale Unterstützung sowie zeitliche Entlastung der Angehörigen, wofür spezielle Nachmittagsprogramme für Menschen mit Demenz sowie deren Nahestehende angeboten werden. Damit wurde die Empfehlung umgesetzt, Gesprächsrunden für Angehörige durch parallel stattfindende Gruppen für die betreuungs- und pflegebedürftigen Personen anzubieten – denn ohne das begleitende Angebot für die Menschen mit Demenz könnten viele Angehörige das Gesprächsangebot nicht in Anspruch nehmen, oder müssten einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand in Kauf nehmen, um eine Ersatzbetreuung zu organisieren.

Beim professionell unterstützen Zeitreise-Treffpunkt haben Angehörige die Möglichkeit, über ihren Betreuungsalltag zu sprechen und hilfreiche Erfahrungen und Tipps auszutauschen. Da solche Formate die Selbsthilfefähigkeit der Nahestehenden steigern, sind sie ein wichtiges Instrument für die Bewältigung des Betreuungsalltages. Parallel dazu erhalten die Menschen mit Demenz in der „Aktivierungsgruppe“ Unterstützungsangebote, die zur Verbesserung der kognitiven Leistung beitragen sollen, oder eine lustvolle Beschäftigung in der Gemeinschaft fördern.

Innovativ ist das Projekt auch, da aus den Erfahrungen und dem erkannten Bedarf bei den Angehörigen weitere Projektideen abgeleitet und umsetzt werden konnten. So wurde auch das Angebot „Café Zeitreise“ ins Leben gerufen, welches Angehörige für Nachmittage entlasten soll, indem die Personen mit Demenz in dieser Zeit von speziell geschulten MitarbeiterInnen und ehrenamtlich Tätigen betreut werden. So können die Angehörigen in dieser Zeit Freizeitaktivitäten, Erledigungen usw. nachgehen.

Des Weiteren gibt es auch die Möglichkeit, Hausbesuche von geschulten freiwilligen MitarbeiterInnen zu beziehen, die ebenfalls der Entlastung der Angehörigen dienen und auch für längere Einsätze zu erschwinglichen Kosten zu beziehen sind. Darüber hinaus werden Kurse und Einzelberatungsgespräche für An- und Zugehörige angeboten. Im Rahmen von diesen werden grundlegende Informationen zum Thema Demenz vermittelt, die Methode der Validation nähergebracht, und die Selbstpflege von Angehörigen ermutigt

Als Herausforderung für das Projekt wurde die Rekrutierung von freiwilligen UnterstützerInnen genannt – denn diese tragen wesentlich zum Erhalt und Ausbau der Angebote bei. Das Projekt wird nämlich nur teilweise durch öffentliche Förderungen getragen und ist daher überwiegend auf Spenden und ehrenamtliches Engagement angewiesen. Abschließend wurde von den MitarbeiterInnen ein selbst gedichtetes Lied zu einer Österreichischen Hymne von Wolfgang Ambros zum Besten gegeben.

Autor:in

  • schönborn

    Sozialwirtschaft und Soz. Arbeit, BA Erziehungs- und Bildungswissenschaften, DPGKP, Sonderausbildung für Lehrtätigkeit § 65b GuKG; Lehrgangsleiter Dementia Care (Kardinal König Haus, Wien), Projektleitung ABDem (BMASK, VAEB), langjährige Praxis in der Begleitung und Beratung von Menschen mit Demenz und deren Nahestehenden (raphael-schoenborn.at), Fort- und Weiterbildungstätigkeiten, Leiter der Gesprächsgruppe „Meine Frau hat Demenz.“ (Caritas, Wien)

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