AT: Politik lässt bei Coronamaßnahmen in der 24-Stunden-Betreuung an Hausverstand missen

Maßnahmen, die am Ziel vorbeischießen

V.l.n.r. Mag. Pozdena (Cura Domo), Natalie Lottersberger (Care-Ring GmbH), Ulrike Werhonnig (Wintersonne GmbH), Karin Hamminger (Verein Pflegegruppe Wien), Mag. Dr. Manfred Mayrbäurl (Unterstützer, Wirtschaftstreuhänder und Steuerberater des Verbandes) Dagmar Scheibz, MBA (Verein Pflegegruppe Vorarlberg, Anette Glössl (RMC GmbH) (C) Goran Andric

Ab. 15.11.2021 muss gem. § 23 Abs. 11 iVm § 9 Abs. 2 3.-Covid-19-MV ein 2G-Nachweis vorgewiesen und in geschlossenen Räumen bei Kundenkontakt ein MNS getragen werden. Kann ein 2G-Nachweis nicht vorgewiesen werden, dann muss zumindest ein PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf vorgewiesen werden und bei unmittelbarem Kundenkontakt ist eine FFP2-Maske zu tragen. Diese Nachweispflicht gilt nicht nur bei Turnusantritt, sondern auch während des gesamten Dienstes, da das Betreten auch das Verweilen gilt.“

Offensichtlich haben Legist*innen des Covid-19 Krisenstabs entschieden, Personenbetreuer*innen erstmals offiziell zu den mobilen Pflege- und Betreuungsdienstleistungen zu subsumieren und diese Maßnahmen anzuwenden.

„Niemand“ denkt darüber nach, wie Betreuungskräfte – die nicht in städtischen Gebieten, sondern im ländlichen Raum tätig sind – teilweise sogar in kaum besiedelten Regionen – einer 72-stündigen PCR-Pflicht nachkommen können, erklärt Karin Hamminger von der ÖBAP, die selbst Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin ist.

„Niemand“ denkt darüber nach, wie Betreuungskräfte – die ihre Ihnen anvertrauten Klient*innen aufgrund besonderer Erkrankungen nicht allein lassen können und keine Angehörigen zur Verfügung stehen –einer 72-stündigen PCR-Pflicht nachkommen können.

„Niemand denkt darüber nach, dass 24-Stunden-Betreuer*innen von ihrer Leistungserbringung „Pflegenden Angehörigen“ gleichzusetzen sind und daher nicht unter diese Verordnung fallen sollten.

„Niemand“ denkt darüber nach, dass sich durch die nach dem Meldegesetz vorgeschriebene Nebenwohnsitzmeldung beim Klienten, für die Betreuer*innen ein Wohnverhältnis ergibt. Wohnstätten sind von dieser Covid-19-MV ausgenommen.

Um diese Betreuer*innen – wovon einige seit Jahren in diesen Familien fest verankert sind – nicht zu verlieren, bzw. nicht wieder in die Illegalität zu treiben, ist nun die Politik gefordert – praktikable und umsetzbare Lösungen anzubieten. Wir Agenturen unterstützen jede Maßnahme, die der Bekämpfung der Pandemie dient und sind uns unserer Verantwortung deutlich bewusst. Das haben wir bereits im ersten Lockdown unter Beweis gestellt. Es gab damals trotz geschlossener Grenzen kaum Betreuungslücken oder Versorgungsengpässe und durch die 1:1 Betreuung zu Hause in den eigenen vier Wänden kam es auch zu keinen Covid-19-Infektionen, sind sich die Agenturbetreiber*innen einig.

Viele Maßnahmen der Regierung seien derzeit „gut gemeint, aber nicht durchführbar“, fasst Hamminger zusammen.

Eine Beibehaltung dieser 2G-Regelung bzw. eine angedachte Impfpflicht bei den Personenbetreuer*innen, würde eine weitere Versorgungskrise hervorrufen, warnen alle Branchenkenner.

Auf die ungelöste Frage, wie die Branche in Zukunft ihren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten kann, erklärt Hamminger: Unsere Betreuungskräfte reisen entweder geimpft und mit einem negativen PCR-Test, genesen und mit einem negativen PCR-Test oder nur getestet nach Österreich ein. Für jene die nur negativ getestet – jedoch ungeimpft sind, versuchen wir im Rahmen von Aufklärungsgesprächen durch unsere Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte, die Impfbereitschaft zu erhöhen.

Forderung nach Unterstützung durch die WKO

Weiters hofft der Vorstand der ÖBAP auf eine tatkräftige Unterstützung durch unseren WKO-Fachverband für Personenbetreuung. Eine erste, wichtige Maßnahme wäre ein Review von Expert*innen, welcher der Feststellung von Mängeln, Fehlern und Inkonsistenzen dieser Covid19- MV für den Bereich der Personenbetreuung dient. Außerdem ist es höchst an der Zeit, nicht über die Personenbetreuung, sondern mit Expert*innen der Personenbetreuung zu reden.

Sollte die Bundesregierung daher an der 2G-Regelung für Personenbetreuer*innen festhalten, dann sind für diese Gruppe mobile Test- und Impfmöglichkeit zu schaffen, um auch diejenigen zu erreichen, die keinen Zugang zu Test- bzw. Impfmöglichkeiten haben, fordert Hamminger.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)