AT: Pflegereform: „Aus Luftschlössern folgen überraschend umfangreiche Maßnahmen“

41 Karitative Arbeitgeber*innen sind einig: „Reform ist ein wichtiger Schritt. Zu allererst für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen, aber natürlich auch für die Pflegekräfte“

„Seit Wolfgang Schüssel wurde eine große Pflegereform angekündigt. Lange haben die Pfleger*innen und Sozialbetreuer*innen warten müssen. Die vergangenen zwei Jahre Pandemie hatten die Situation für sie zusätzlich verschärft. Als Verein karitativer Arbeitgeber*innen begrüßen wir es daher besonders, dass nun umfangreiche und sehr konkrete Maßnahmen in der Pflege von der Bundesregierung heute präsentiert wurden und dass auch die Finanzierung gesichert zu sein scheint“, sagt Alex Bodmann, Vorsitzender des Vereins, der österreichweit die kollektivvertraglichen Interessen von 41 Mitgliederorganisationen (darunter maßgeblich die Caritasorganisationen) und damit von über 16.000 Beschäftigten im Sozial- und Pflegebereich vertritt. „Aus Luftschlössern, die jahrelang versprochen wurden, folgen nun überraschend umfangreiche Maßnahmen. Das ist ein Gewinn für alle, die in diesem Bereich tätig sind und mit größtem Einsatz Tag für Tag unter teils fordernden Bedingungen arbeiten.“

Gehaltserhöhungen müssen fixer Bestandteil des Finanzausgleichs bleiben

Für die Jahre 2023 und 2024 stellt der Bund 520 Millionen Euro für höhere Gehälter für das Pflegepersonal zur Verfügung. Die Auszahlung erfolgt voraussichtlich als monatlicher Gehaltsbonus. „Die genauen Auszahlungsmodi werden den Verhandlungen der Bundesländer und der Sozialpartner*innen überlassen. Die Umsetzung wird noch eine Herausforderung. Wir appellieren ganz klar dafür, dass die Mittel für die Langzeitpflege und die Sozialbetreuung verwendet werden, da dort der größte Handlungsbedarf besteht. 50.000 Pflege- und Betreuungspersonen sind zurzeit in Österreich im Langzeitpflege- und betreuungsbereich beschäftigt. Für diese Menschen soll es ab 2023 eine deutliche Verbesserung geben“, so Edith Pfeiffer, Geschäftsführerin des Vereins. Wichtig sei es – im Blick nach vorne – außerdem, dass die Gehaltserhöhungen und die entsprechenden Zuschüsse auch in den Jahren danach ein fixer Bestandteil des Finanzausgleichs sind und insbesondere, dass diese auch inflationsangepasst sind und für alle Mitarbeiter*innen zur Verfügung stehen, die in der Pflege tätig sind, also auch etwa für Mitarbeiter*innen die mit Menschen mit Behinderungen arbeiten.

So viele Menschen wie noch nie zuvor haben sich erfreulicherweise in den vergangenen paar Jahren für den Beruf der Pfleger*innen und Sozialbetreuer*innen entschieden und gehen ihren Berufen, die insbesondere in den letzten beiden Jahren auch sehr belastend waren, mit Freude und großem Engagement nach. Gleichzeitig werden in Anbetracht der demographischen Entwicklung und der bevorstehenden Pensionierungen zehntausende weitere Personen bis 2030 in der Pflege und Betreuung benötigt. „Um diese Lücke zu schließen, braucht es langfristige Sicherheit für all jene, die sich für den Beruf entscheiden. Die Rahmenbedingungen für das Pflegepersonal müssen sich dringend weiter verbessern. Der Pflegebereich ist in den vergangenen Jahren längst selbst zum Pflegefall geworden. Daher ist der heutige Schritt umso bedeutender“, so Bodmann abschließend.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)