DE: Pflege von Hitzewellen besonders betroffen

Markus Mai

Rekordtemperaturen von bis zu 38 Grad – Belastung der Pflegeempfänger und des Pflegepersonals durch nachhaltige Hitzemaßnahmen reduzieren

„Auch in diesem Sommer werden Pflegefachpersonen durch Rekordtemperaturen vor große Herausforderungen gestellt. Zum Schutz der Patienten und des Pflegepersonals, ist es erforderlich, dass die Hitzemaßnahmen in allen Einrichtungen und Krankenhäusern konsequent durchgesetzt werden“, so Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, zur derzeitigen Hitzeperiode mit Temperaturen von bis zu 37 Grad Celsius.

Hitze und ihre Folgen stelle für die meisten Menschen eine besondere Belastung dar. Sowohl Pflegefachpersonen, als auch Patienten und Bewohner, verlören an heißen Tagen eine größere Menge an Flüssigkeit. Dies belaste den Kreislauf und beeinträchtige die Konzentrationsfähigkeit. Insbesondere ältere Personen sollten täglich mindestens 1500 bis 2000 ml Flüssigkeit zu sich nehmen. Es könne sinnvoll sein, im Einzelfall Bilanzen zu führen, da dieser Personenkreis die Situation selbst oft nicht richtig beurteilen könne.

Die Sicherstellung der zusätzlichen Versorgung der Patienten und Bewohner mit Flüssigkeit sowie weitere hitzebezogene Maßnahmen stellen für das Pflegepersonal einen Mehraufwand dar, um die möglicherweise gefährlichen Folgen der Hitze für Patienten und Bewohner zu verhindern. Beispielsweise sei hier die Versorgung mit kühlender Körperlotion, kalte Fußbäder und die regelmäßige Messung der Körpertemperatur mit Augenmerk auf Überhitzungsanzeichen zu nennen.

Mai macht deutlich: „Kostenfreie Getränke und längere Pausen können dazu beitragen, die Belastungen für die Beschäftigten zu reduzieren und sollten eigentlich mittlerweile zum Standard gehören. Wichtig ist in jedem Fall, ausreichend Personal in stark hitzebelasteten Wohnbereichen oder Stationen einzusetzen, um den zusätzlichen Anforderungen und Belastungen gerecht werden zu können. Außerdem sollte die Regulierung der Raumtemperatur ermöglicht werden. Hier stehen die Arbeitgeber in der Pflicht, der Hitzebelastung auch mit der Anschaffung von Klimageräten und Ventilatoren entgegenzuwirken.“

Gerade auch bauliche Maßnahmen könnten die Folgen von Hitzewellen für Personal, Patienten und Bewohner lindern. Eine Verdunkelung des Zimmers, bestenfalls von außen, sei ein effektiver Weg, die Hitze draußen zu halten – gerade, wenn man das Zimmer nicht verlassen könne. „Wir beklagen hier einen Investitionsstau in vielen Häusern, der nicht zuletzt auch auf die duale Finanzierung des Krankhauswesens zurückzuführen ist. Für die stationäre Seniorenpflege oder in der Behindertenversorgung fehlen öffentliche Investitionsfinanzierungsmittel aufgrund der derzeitigen gesetzlichen Situation komplett. Dies gilt es für die Zukunft zu überwinden“, so Mai. Die Versorgung alter gebrechlicher Menschen sei ebenso eine Aufgabe der Daseinsvorsorge wie die Versorgung kranker Menschen. Die Landespflegekammer werde diese Themenstellungen im Landtagswahlkampf und auch in der bevorstehenden Bundestagswahl aktiv thematisieren und die Parteien zur Positionierung auffordern.

„Leider gibt es noch immer auch neue Einrichtungen, in deren Planung Jalousien, Fensterläden oder Rollos nicht in allen Zimmern vorgesehen sind. Grundsätzlich ist aus unserer Sicht wünschenswert, den Hitzeschutz bei Investitionsmaßnahmen und bei der Planung von neuen Einrichtungen verstärkt und verpflichtend zu berücksichtigen, weil die Entwicklung zeigt, dass die derzeitigen Temperaturen wohl auch in Zukunft zu erwarten sind“, so Mai abschließend.

Mitglieder der Landespflegekammer können sich telefonisch unter 06131/327 380 oder per Mail unter info@pflegekammer-rlp.de an die Pflegekammer wenden und sich zum Thema ‚hitzespezifische pflegerische Versorgung‘ beraten lassen.

 

 

Hintergrund: Mit der einstimmigen Verabschiedung des Heilberufsgesetzes durch den rheinland-pfälzischen Landtag im Dezember 2014 ist die Landespflegekammer errichtet worden. Seit dem 01. Januar 2016 haben die Pflegenden im Land damit eine kraftvolle Interessenvertretung erhalten. Die Landespflegekammer mit ihren gewählten Vertreterinnen und Vertretern nimmt die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Mitglieder wahr.

Die Vertreterversammlung hat in der Sitzung vom 2. März 2016 erstmals den Vorstand der Landespflegekammer gewählt. Präsident der Kammer ist Dr. Markus Mai. Zur Vizepräsidentin wurde Sandra Postel gewählt. Die weiteren Mitglieder des Vorstandes sind aktuell Prof. Dr. Anderl-Doliwa, Andrea Bergsträßer, Hans-Josef Börsch, Esther Ehrenstein , Oliver Weidig und Nina Benz.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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