AT: Pflege- und Erziehungseinrichtungen öffnen ihre Türen für junge Burschen

11. September 2018 | News Österreich | 0 Kommentare

Wien, am 10.09.2018 – Schluss mit den Rollenklischees! Um Rollen- und Berufsbilder männlicher Jugendlicher weiterzuentwickeln, veranstaltet das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz auch in diesem Jahr den Boys‘ Day. Institutionen aus ganz Österreich werden nun zum Mitmachen eingeladen. Schüler können erstmals an einem Minecraft-Projekt teilnehmen.

Mädchen und Buben werden immer noch in Schubladen gesteckt. Viel zu oft heißt es: Buben sind stark, mutig und spielen mit Autos. Mädchen sind sanft, verträumt und umsorgen ihre Puppen. Stereotype Rollenklischees in Filmen, Kinderbüchern oder in Form von T-Shirt Sprüchen prägen unsere Kinder von klein auf. Bildungs- und Berufswahl werden oft nur als individueller Prozess angesehen, dabei sind diese Entscheidungen auch von strukturellen Faktoren und sozialen Umständen geprägt.

Schulübergreifendes Pilotprojekt: Burschen bauen Bildungscampus der Zukunft mittels Minecraft

Um der geschlechtsspezifischen Segregation am Arbeitsmarkt entgegenzuwirken, die sich in den letzten Jahren trotz zahlreicher Maßnahmen nur wenig aufgelöst hat, geht der Boys‘ Day in diesem Jahr neue Wege: Bei einem schulübergreifenden Pilotprojekt, in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Lerntechnologie und Innovation der Pädagogischen Hochschule Wien und dem Future Learning Lab Wien, unter dem Titel „Burschen bauen Bildung“, kommt in diesem Jahr das beliebte Aufbauspiel „Minecraft“ zum Einsatz. Im digitalen Raum nehmen die Burschen die Rolle des Kindergärtners ein und entwickeln dabei ein Kindergartenkonzept der Zukunft. Durch den Gaming-Ansatz werden die Kinder dort abgeholt, wo sie sich in ihrer Freizeit ohnehin bewegen. Burschen und auch Mädchen entwerfen gemeinsam einen Bildungscampus – die Burschen als Kindergartenpädagogen den Kindergarten, die Mädchen als Volksschullehrerinnen die Volksschule. Im wechselseitigen Austauschen wird das Artikulieren, Verhandeln und Durchsetzen von Zielen und Konzepten geübt. Nach Fertigstellung der einzelnen Bauwerke der Schulen werden diese in einer gemeinsamen Welt zusammengeführt. Am Hauptevent in Wien wird das Projekt mittels Video vorgestellt. Teilnahmemöglichkeiten und Voraussetzungen finden Sie auf unserer Website.

Geschlechtertrennung auf dem Arbeitsmarkt hält sich hartnäckig

In Österreich sind knapp zwei Drittel der beschäftigten Männer in traditionellen „Männer-Berufen“ und ebenso viele Frauen in traditionellen „Frauen-Berufen“ zu finden. Die Kluft zwischen den traditionell „männlichen“ und „weiblichen“ Berufszweigen hat bislang kaum an Brisanz verloren. Und doch haben Initiativen wie der Boys‘ Day erste Spuren hinterlassen. Ein gesellschaftlicher Wandel ist in kleinen Schritten zu beobachten. Diesen gesellschaftlichen Wandel unterstützte der Boys‘ Day 2017 in Form von Besuchen in 380 Einrichtungen, an denen 3.400 Burschen teilnahmen. Außerdem wurden 140 Workshops angeboten, an denen ebenfalls 1.800 Burschen teilgenommen haben. Im EU-Vergleich liegt Österreich im Hinblick auf die geschlechtsspezifische Segregation der Bildung und Berufswahl aktuell im guten Mittelfeld.

Aufruf an Kooperationspartner: Neue Zukunftsperspektiven eröffnen, Berufswahlspektrum erweitern und langfristig neue Stellenwerber ansprechen

Im Rahmen des Boys‘ Day am 8. November 2018 laden deshalb verschiedene Einrichtungen in ganz Österreich männliche Jugendliche ein, Erziehungs- und Pflegeberufe in der Praxis kennenzulernen. Zwölf- bis achtzehnjährige Teilnehmer bekommen die Möglichkeit, mit männlichen Mitarbeitern über deren beruflichen Alltag und ihre Erfahrungen zu sprechen. In Workshops können sich die jungen Teilnehmer mit ihren Berufs- und Zukunftsvorstellungen sowie Männlichkeitsbildern und Vorbildern auseinandersetzen. Pädagogische und pflegerische Einrichtungen suchen oft verstärkt männliches Personal, da vielen Kindern und Pflegepatienten und Pflegepatentinnen männliche Bezugspersonen fehlen und der stetig wachsende Arbeitskräftebedarf immer schwerer zu decken ist. Interessierte Institutionen und Einrichtungen können sich an die regionalen Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen in ihrem Bundesland wenden.

Jedes Jahr mehr Teilnehmer und teilnehmende Institutionen

2017 öffneten rund 400 Betriebe für über 5.000 junge Burschen ihre Türen. Genau 5.381 Burschen, um rund 14% mehr als im Vorjahr, besuchten Einrichtungen der Pflege und Erziehung oder wurden in einem Workshop für nicht-traditionelle Männerberufe und Männerrollen sensibilisiert. Eine Befragung danach zeigt: 95% der Burschen hat der Einrichtungsbesuch sehr gut oder gut gefallen. Über 90% konnten „neue Dinge erfahren“, etwa 60% bekamen neue Ideen für die Berufswahl. Das Bild von typischen Frauen- und Männerberufen hat sich bei deutlich über 60% der Teilnehmer verändert. Über 80% der Burschen, die an einem Einrichtungsbesuch teilgenommen haben, finden es völlig normal, wenn Männer in ebenjenen Berufen arbeiten. Immerhin rund 37% können sich vorstellen, selbst in pflegerischen oder pädagogischen Berufen tätig zu werden. Auch für die Einrichtungen selbst hat sich der Boys‘ Day gelohnt: 98% der Burschen beurteilten die Organisation des Einrichtungsbesuchs als „gut“ oder „sehr gut“.

Informieren Sie sich über den Boys‘ Day auf www.boysday.at oder bei Ihren Ansprechpartnern und Ansprechpartnerinnen in den Bundesländern.Die Kontaktdaten auf Bundes- und Landesebene finden Sie unter:  http://boysday.at/boysday/Service/Ansprechpartner/

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)