AT: Pflege: Land Kärnten setzt neue Maßstäbe bei der Ausbildung

(C) Silvia Eder

LH Kaiser, LHStv.in Prettner: Kärnten nimmt mit Pflege-Ausbildungspaket Vorreiterrolle ein – monatliche Prämie schafft Anreiz – Land übernimmt Schulgeld und Kurskosten

Pflegekräfte werden dringend benötigt: Einerseits wird der Anteil der über 80-Jährigen in Kärntens Bevölkerung immer größer und andererseits wird die Anzahl der Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger aufgrund sinkender Geburtenraten immer geringer. Um Jobs im Pflegebereich attraktiver zu machen, hat das Land Kärnten nun ein Ausbildungspaket, das erstmals auf finanzielle Anreize setzt, geschnürt: Ab September (mit Beginn des nächsten Schuljahres) erhalten alle Schülerinnen und Schüler von Pflegeberufen eine monatliche Ausbildungsprämie von 450 Euro, zusätzlich werden das Schulgeld sowie etwaige Kurskosten vom Land übernommen.

Landeshauptmann Peter Kaiser bezeichnete das Kärntner-Pflege-Ausbildungspaket als einen Meilenstein und ein bundesweites Vorzeigemodell. „Wir beschreiten österreichweit neue Wege, um einerseits den Menschen ein Altern in Würde zu ermöglichen und anderseits den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen ein würdiges Arbeitsumfeld zu bieten. Ein Pflegesystem darf nicht an den Kosten scheitern – denn es geht um die Würde des Menschen“, stellte Kaiser klar und verwies darauf, dass Kärnten bereits jetzt im Bereich der wohnortnahen Altenbetreuung und der Mobilen Pflege eine Vorreiterrolle einnimmt. „Wir haben bereits 2019 eine Pflege-Ausbildungsoffensive gestartet und beschreiten nun neue Wege, indem wir die Auszubildenden finanziell unterstützen“, betonte Kaiser.

Wie Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner ausführte, werde „die monatliche Prämie 12 Mal im Jahr an alle Auszubildenden bezahlt – das heißt an künftige Pflegeassistenten, Pflegefachassistenten und diplomiertes Gesundheits- und Pflegepersonal. Inkludiert sind nicht nur Neueinsteiger, sondern auch jene Schülerinnen und Schüler, die sich bereits in Ausbildung befinden“, betonte Prettner. Parallel dazu übernimmt das Land das Schulgeld, das in den SOB der Caritas und der Diakonie eingehoben wird: In der Caritas sind das 257 Euro pro Semester, in der Diakonie 386 Euro“, erklärte die Gesundheitsreferentin. Ebenso wird das Land die Kurskosten für Ausbildungsaufschulungen an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Höhe von rund 2.000 Euro pro Teilnehmer finanzieren. „Unterm Strich nimmt das Land für dieses Ausbildungspaket mehr als 5,3 Millionen Euro pro Jahr in die Hand“, sagte Prettner. „Wir wollen mit dem Paket junge Menschen motivieren, in den Beruf zu kommen. Die Gleichung ist eine sehr logische: Je mehr Pflegepersonal uns zur Verfügung steht, desto bessere Arbeitsbedingungen können wir schaffen. Und genau darum geht es letztlich: Die Arbeitsbedingungen für unser Pflegepersonal zu verbessern.“

Günther Wurzer, Leiter der Abteilung Gesundheit und Pflege, verwies auf die Karrierechancen im Pflegebereich. „In dieser Branche gibt es eine Job-Garantie und es werden recht gute Einstiegsgehälter bezahlt – nach einer einjährigen Ausbildung zur Pflegeassistenz liegt das Einstiegsgehalt (ohne Wochenenddienst-Zulagen, ohne Nachtdienst-Zulagen, ohne Überstunden) bei rund 2.350 Euro; nach einer dreijährigen Ausbildung zur DGKP beträgt das Einstiegsgehalt 2.750 Euro“, so Wurzer. Wie Wurzer ausführte, sind mit dem Bezug der Prämie auch Bedingungen verknüpft: „Selbstverständlich wollen wir sicherstellen, dass die Auszubildenden dann auch in Kärnten beruflich tätig werden. Anspruchsberechtigt sind daher alle Auszubildenden an Kärntner Bildungseinrichtungen, die sich verpflichten, nach der Ausbildung in diesem Beruf in Kärnten für einen bestimmten Zeitraum zu arbeiten. Ein Wohnort in Kärnten und eine Einstellungszusage des künftigen Arbeitgebers ist bei der Antragstellung aber nicht notwendig. Das Kärntner Ausbildungspaket wird bereits bei der nächsten Regierungssitzung eingebracht und beschlossen. Wie LHStv.in Prettner ergänzte, strebe man zudem an, für die Ausbildung zur Pflegefachassistenz (zwei Jahre) ein Anstellungsverhältnis zu ermöglichen: „Wir hoffen, dieses Vorhaben nächste Woche unter Dach und Fach bringen zu können.“ Sie appellierte an interessierte Kärntnerinnen und Kärntner, die nächsten Tage und Wochen für eine Anmeldung an den Kärntner Pflege-Schulen zu nützen: „Die Anmeldungsfristen gehen in die Zielgerade.“

Bei der Pressekonferenz vorgestellt wurde zudem eine weitere Verbesserung des Pflegeschlüssels: So wird ab 1. September in „kleineren“ Pflegeheimen (bis 60 Betten) die Pflegedienstleitung aus dem Pflegeschlüssel herausgerechnet. Das ist ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Personalressourcen und der Pflegequalität. Von der Änderung profitieren werden 27 Pflegeheime.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)