AT: Pflege ist weiblich, und das nicht nur grammatikalisch – ÖVP-Teilorganisationen zu Weltfrauentag

Das Thema Pflege als Schwerpunkt der politischen Agenda im Jahr 2022 auch aus Frauensicht behandeln

Morgen wird der internationale Frauentag begangen, und gemeinsam wollen die ÖVP-Teilorganisationen diesen Tag nutzen, um das Thema Pflege in den Fokus zu rücken. Denn für Juliane Bogner-Strauß (ÖVP Frauen), Claudia Plakolm (Junge ÖVP), Gertraud Salzmann (ÖAAB Frauen), Ingrid Korosec (Seniorenbund), Carmen Jeitler-Cincelli (Wirtschaftsbund) und Irene Neumann-Hartberger (Bauernbund) ist klar, das Thema Pflege ist weiblich, und das nicht nur im grammatikalischen Sinn.

Die Betreuung von Pflegebedürftigen liegt ganz fest in Frauenhand. Von den derzeit 950.000 pflegenden Angehörigen sind zwei Drittel weiblich. Die Betreuung und Pflege naher Angehöriger ist in vielen Fällen nicht plan- oder vorhersehbar und erfordert daher schnelle und individuelle Lösungen. In den vergangenen Jahren wurden die Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige ausgebaut. Um die Position pflegebedürftiger Menschen und ihre betreuenden Angehörigen nachhaltig zu stärken und noch weiter zu unterstützen, muss das derzeitige Pflegesystem weiterentwickelt werden. Für die ÖVP ist klar, dass Pflege das Top-Thema auf der Agenda für das Jahr 2022 ist. Und dieses Thema muss auch aus Frauensicht behandelt werden.

„Wir müssen die Situation in der Pflege verbessern, sowohl für die Betroffenen, die Pflegekräfte, als auch für pflegende Angehörige. Der Fokus auf die Ausbildung von Pflegekräften und die Unterstützung für pflegende Angehörige sind wichtige Schwerpunkte. Wir stehen vor einem gewaltigen soziokulturellen Wandel, den wir aktiv gestalten müssen. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe für die es ein klares politisches und gesellschaftliches Commitment braucht. Wir müssen Pflege aus personeller, finanzieller, kultureller und sozialer Perspektive neu denken! Durch die demographische Entwicklung wird Pflege die Herausforderung des kommenden Jahrzehnts“, erklärt ÖVP Frauen-Chefin Juliane Bogner-Strauß.

„Frauen leisten den Großteil der Pflegearbeit für Angehörige, die zu Hause betreut werden. Oftmals managen sie die häusliche Pflege neben Familie und Beruf. Für diese Gruppe brauchen wir mehr professionelle Unterstützung und Beratung. Ein One-Stop-Shop im Internet als erste Anlaufstelle für Fragen rund um das Thema Pflege soll etabliert werden und als Drehscheibe dienen. Die Betroffenen sollen auf dieser Plattform Verlinkungen finden, über die sie auf für sie relevante Internetseiten gelangen, die Unterstützung bei Fragen bieten und Auskünfte geben“, so ÖAAB-Bundesfrauenvorsitzende Gertraud Salzmann weiter.

„950.000 Angehörige, davon beinahe zwei Drittel Frauen, pflegen in Österreich 80 Prozent der Pflegebedürftigen. Unbemerkt, in der Regel unbezahlt – aber jedenfalls unbezahlbar! Der Lohn für diesen aufgezwungenen Fulltime-Job sind chronische Überlastung und Selbstausbeutung sowie drohende Altersarmut bei Frauen, die ihr Berufsleben hintanstellen müssen. Diesen Frauen – aber auch Männern – muss geholfen werden. Daher machen wir bei der Pflegereform Tempo und fordern: Eine Personaloffensive inklusive Pflegelehre, einen breiten Ausbau mobiler und teilstationärer Pflegedienste und eine stärkere Förderung für leistbare professionelle Pflege. Damit pflegende Angehörige auch wieder Mütter, Ehefrauen und Töchter, aber auch Väter, Ehemänner, Söhne und Enkelkinder sein können!“, betont Ingrid Korosec, Präsidentin der ÖVP-Senioren.

„Auch im Pflegebereich ist der Grundsatz der Nachhaltigkeit und insbesondere der Grundsatz ‚Niemanden zurücklassen‘ unser klares Leitmotiv. Die Gewähr einer qualitätsgesicherten und bezahlbaren Pflege ist für die Nachhaltigkeit des Gesundheitswesens in einer alternden Gesellschaft einer der zentralen Faktoren. Dabei ist ein leistungsstarkes Pflegesystem und der breite Zugang zur allgemeinen Pflegeversorgung sowie zu qualitativ hochwertigen Pflegedienstleistungen notwendig“, so die stellvertretende Generalsekretärin des Wirtschaftsbundes Carmen Jeitler-Cincelli weiter.

„Wir müssen Berufsbilder laufend neu denken und mit der Zeit gehen, das ist mir als Jugendstaatssekretärin ein großes Anliegen. Jungen Menschen ist es wichtig etwas Sinnvolles zu machen und Wertschätzung dafür zu bekommen. Und wir alle wollen, dass ältere Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, gut umsorgt sind, dass es unseren Eltern und Großeltern gut geht. Da sehe ich in der Pflegelehre eine ganz große Chance, weil sie genau das vereint: schon in jungen Jahren Verantwortung für Menschen zu übernehmen und gleichzeitig einen erfüllenden Job auszuüben. Ich sehe daher nichts, was gegen eine altersentsprechende Pflegelehre für den Beruf ‚Pflegeassistenz‘ spricht“, betont Claudia Plakolm, Bundesobfrau der Jungen ÖVP.

„Der Fokus auf die Ausbildung von Pflegekräften und die Unterstützung für pflegende Angehörige sind wichtige Schwerpunkte der Pflegereform. Auch im österreichischen Plan zum EU-Aufbauplan ist mit dem „Community Nursing“ ein wichtiges Zukunftsthema verankert. In Summe stehen für den Aufbau 54 Millionen Euro zur Verfügung. Community Nurses sind zentrale Ansprechpersonen in Gemeinden, um Unterstützung und Beratung von Pflegebedürftigen zu gewährleisten. Damit werden vor allem Frauen entlastet. Denn sie stellen mehr als 80 Prozent der pflegenden Angehörigen und den Großteil des Pflegepersonals“, betont Irene Neumann-Hartberger, Bundesbäuerin und Vizepräsidentin des Bauernbunds.

„Als christlich-soziale Partei ist es unsere Pflicht bereits heute an morgen zu denken. Dies ist gerade im Pflegebereich wesentlich. Pflege ist keine reine Versorgungsfrage, sondern eine Frage der Menschlichkeit. Wir müssen ein Pflegesystem schaffen, das es jeder und jedem Einzelnen ermöglicht, im Alter würdevoll zu leben, und die optimale Betreuung zu haben. Für den besonders sensiblen Bereich der Palliativ- und Hospizpflege wurde von dem Parlament nun ein 153-Millionen-Euro-Fonds beschlossen, der Menschen mit unheilbaren Krankheiten ein Lebensende in Würde und mit wenig Schmerzen ermöglicht. Nun sind weitere Schritte von Nöten. Deswegen ist es für uns wesentlich, dass Pflege das Top-Thema auf der Agenda für das Jahr 2022 ist. Die geplante Pflegereform setzt einen wesentlichen Grundstein für eine Reform in Sinne der Pflegebedürftigen, der Pflegekräfte aber auch der pflegenden Angehörigen – und das sind meist Frauen. Deswegen nehmen wir den Weltfrauentag zum Anlass, dieses Thema zu forcieren“, so die Vertreterinnen der ÖVP-Teilorganisationen abschließend unisono.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)