AT: Diakonie: Pflege-Ausbildung: Großes Interesse, aber viele Hürden

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Diakonie fordert besseren Zugang und genug Geld zum Leben während der Ausbildung

Die Situation in der Pflege ist kritisch, das ist seit der Pandemie allen klar. Bis 2030 brauchen wir mehr als 75.000 zusätzliche Pflegekräfte, um die Versorgung aufrecht zu halten. Diesen Mehrbedarf zu decken, stellt eine große Herausforderung dar. „Die gute Nachricht ist, dass das Interesse an Ausbildungen für Pflege- und Betreuungsberufe groß ist“, meint Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. „Viele wollen mit Menschen arbeiten und Verantwortung übernehmen. Die schlechte Nachricht ist, dass wir Interessierte verlieren, bevor sie überhaupt eine Ausbildung beginnen. Denn es gelingt ihnen nicht, die richtige Ausbildung zu finden.“ Die Hürden sieht die Diakonie-Direktorin in der unübersichtlichen Informationslage und in der unzureichenden Deckung des Lebensunterhalts während der Ausbildung.

Interessierte brauchen Informationen aus einer Hand

Mit elf verschiedenen Berufen ist das Feld der Pflege und Betreuung vielseitig – aber auch unübersichtlich. Die Ausbildungen und auch die Fördermöglichkeiten sind in allen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Eine zentrale Übersicht oder Auskunftsstelle für Ausbildungsmöglichkeiten gibt es nicht. „Es ist kein Wunder, dass Interessierte aufgeben, wenn auch die sechste Google-Suche und das fünfte Telefonat nicht zur nötigen Information führen“, so Moser.

„Menschen, die sich für Pflege und Betreuung interessieren, brauchen Informationen aus einer Hand. Sie wollen möglichst schnell wissen, welche Ausbildung für sie passt, wo sie diese machen und wie sie sie finanzieren können“, so die Diakonie-Direktorin. Die Diakonie fordert deshalb zentrale Anlaufstellen in allen Bundesländern, an die sich Interessierte wenden können. „Ohne Zugang zu den benötigten Informationen ist die vielfach im Munde geführte Forderung einer Personaloffensive unglaubwürdig.“

Diakonie fordert Deckung des Lebensunterhalts für alle Auszubildenden

„Außerdem muss man sich eine Ausbildung im Bereich Pflege und Betreuung leisten können“, so Moser. Während immer mehr Bundesländer die Ausbildungskosten wie z.B. Schuldgeld übernehmen, bleibt die unzureichende Deckung des Lebensunterhalts weiterhin ein Problem, denn die bestehenden Förderungen sind meist zu niedrig.

Besonders schwierig ist die Situation für Berufsumsteiger:innen. „40 Jahre im selben Beruf sind schon lange nicht mehr der Regelfall“, erklärt Moser. „Nach Jahren im Büro oder der Produktion entsteht oft der Wunsch, mit Menschen zu arbeiten. Viele zieht es dann in die Pflege und Betreuung.“ Da die meisten Förderungen aber an Arbeitslosigkeit geknüpft sind, müssen Umsteiger:innen sich die Ausbildung selbst finanzieren.

Um allen Interessierten eine Ausbildung in Pflege- und Betreuungsberufen zu ermöglichen, fordert die Diakonie ein monatliches Stipendium analog zum Gehalt für Polizeischüler:innen. „Solange die Ausbildung nicht für alle leistbar ist, brauchen wir uns über den Personalmangel in Pflege und Betreuung nicht zu beschweren“, so die Diakonie-Direktorin abschließend.

Ausbildungen in Pflege und Betreuung an den Diakonie Schulen starten im Herbst 2022 in Kärnten, Oberösterreich und Salzburg. Alle Infos hier

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)