AT: Pensionistenverband: Nach 4 Jahren muss jetzt endlich Pflegereform starten!

(C) Pensionistenverband Österreich

Ausbildung forcieren, Einstiegsgehälter erhöhen, pflegende Angehörige unterstützen

Wien (OTS) – „2018 angekündigt, 2019 zum ‚Jahr der Pflege‘ ausgerufen, dann kam Corona. Nach 4 Jahren muss jetzt endlich die Pflegereform starten, denn Papiere und Handlungsvorschläge liegen genug vor. Gesundheitsminister Mückstein ist nun gefordert, das Tempo der Pflegereform seinen Sportschuhen anzupassen“, fordert Dr. Peter Kostelka, Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ) anlässlich des morgigen Tages des Pflege.

„Es herrscht ein bedrohlicher Mangel an qualifizierten Pflege- und Betreuungskräften. Die Aus- und Weiterbildung – und hier vor allem auch die Nutzung des Potenzials von Berufsumsteigern – müssen die Schwerpunkte der kommenden Pflegereform sein! Ausbildung und Berufseinstieg müssen attraktiver gestaltet werden, unter anderem durch eine kostenlose Aus-, Um- und Weiterbildung sowie finanzielle Unterstützung während der Ausbildungszeit und attraktivere Einstiegsgehälter. Gerade jetzt, in einer Zeit, in der der Arbeitsmarkt Corona-bedingt schwierig ist, und viele Personen darüber nachdenken, neue berufliche Wege einzuschlagen, gilt es dieses Potential zu nützen. Dies muss JETZT umgesetzt werden! Und deshalb heißt es: Ausbilden, ausbilden, ausbilden!“, so Kostelka, der klarstellt, dass man hier primär das Potential im eigenen Land nützen muss: „Einfach zu sagen: ‚In Zukunft fliegen wir eben Pflegekräfte von den Phillipen ein‘ – das ist keine nachhaltige Lösung! Das hat uns die Corona-Pandemie mehr als deutlich gezeigt!“. ****

Der Pensionistenverband hat in seinem Pflegekonzept neben der Attraktivierung und Qualitätssicherung der professionellen Pflege eine Reihe von wichtigen Maßnahmen zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen erarbeitet und diese auch bereits der Bundesregierung vorgelegt:

  • Einrichtung von wohnortnahen Informationsstellen, an die sich pflegende Angehörige mit fachlichen Fragen aber auch bei eigener psychischer und/oder körperlicher Überlastung wenden können
  • Etablierung von Lehrgängen, von Bildungs- und Schnupperangeboten für pflegende Angehörige bei Pflegeprofis
  • Ausbau von Einrichtungen wie Tageszentren, die mit von Demenz betroffenen Menschen ein adäquates Aktivitätenprogramm durchführen
  • Um Betroffene und Angehörige auch finanziell zu unterstützen, muss Demenz in der Pflegegeld-Einstufung berücksichtigt werden
  • Ausbau der mobilen Einrichtungen wie Heimhilfe, Altenhilfe, Besuchsdienst, Hauskrankenpflege
  • Sozialrechtliche und finanzielle Unterstützung (Kranken- und Pensionsversicherung, Pflegegehalt, Rechtsanspruch auf Pflegekarenz, Pflegeteilzeit und (kurzfristiger) Pflegefreistellung-Anspruch samt wirkungsvollem Kündigungsschutz) von pflegenden Angehörigen
  • Sozialrechtliche Gleichstellung von pflegenden Angehörigen, die selbst bereits in Pension sind: Diese Pensionisten sollten einen besonderen Höherversicherungsbetrag zur Pension erhalten. Jene, die über keine eigene Pension verfügen, sollen dafür Versicherungszeiten (als Beitragszeiten) erwerben und dadurch ggf. einen Pensionsanspruch erwerben.

„Die Pflegereform wird kein Sprint, sie wird ein Marathon bzw. Staffellauf. Die Ausbildungsoffensive ist nur ein erster – aber der drängendste Schritt, dem weitere folgen müssen“, so Kostelka abschließend.

Über Markus Golla 9544 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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