AT: Palliativ Demenz Tag 2019: Menschen. Leben. Stärken

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Am 5. Juni fand der Palliativ Demenz Tag der CS Caritas Socialis im Rahmen des Hildegard Burjan Gesprächs 2019 statt. Jährlich stellen sich CS MitarbeiterInnen und Mitarbeiter den Herausforderungen der Begleitung von Menschen mit Demenz und im Bereich Palliative Care. Das Thema “Herausfordernde Verhaltensweisen“ bildete den Bogen des diesjährigen Palliativ Demenz Tages.

Keynotespeakerin Palliativexpertin Dr. Martina Kern (D) eröffnete den Kongresstag, ein beeindruckender Referentenkreis und Reflexionsrunden ermutigen und stärken Menschen, die in der Pflege und Betreuung in der CS Caritas Socialis und in anderen Institutionen tätig sind.

Martina Kern: Den Wert der geteilten Ohnmacht erkennen und gemeinsam tragen
Keynotespeakerin Dr. Martina Kern, Leiterin der Ansprechstelle Palliativversorgung, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung im Landesteil Nordrhein eröffnete den Kongresstag. Ihr Vortrag „Angehörige und der Umgang mit der Wahrheit“ ging in zahlreichen plastischen Beispielen auf die Multidimensionalität der Kommunikation zwischen Angehörigen und Pflegepersonen ein. Sie fordert einerseits die bedingungslose Achtung den Angehörigen gegenüber, relativiert aber auch den eigenen Anspruch vieler Pflegender in der Hospizbegleitung und Betreuung von Menschen mit Vergesslichkeit, Übermenschliches leisten zu wollen. Kern fordert das Erwerben der Fremdheitskompetenz, indem Unterschiede wahrgenommen, ausgehalten und nicht überbrückt oder verringert werden. Der Umgang mit Fremdheit ist die Herausforderung für alle Beteiligten: den Pflegepersonen und den Angehörigen. Kern betonte auch den 60 bis 90prozentigen Anteil der nonverbalen Kommunikation und bestärkte die BesucherInnen mit einem wachen, ehrlichen, intuitiven Blick auf die Angehörigen zuzugehen und den Wert der „geteilten Ohnmacht im gemeinsamen Tragen und Aushalten“ zu erkennen und wert zu schätzen. Eine mutmachende Keynote, die den Nerv der ZuhörerInnen traf, Spannungsfelder nannte und in der Klarheit frischen Mut für die eigene Kompetenzweiterentwicklung gibt.

Angela Pototschnigg, Selbstvertreterin: „Wir lernen im Regen zu tanzen“
„In kirschroter Bluse, geblümtem Rock bin ich gekommen. Vergesslich aber lebensfroh, das will ich rüberbringen“, erzählt Angela Pototschnigg auf der Bühne im Gespräch mit Christina Hallwirth-Spörk, Bereichsleitung Stationäre Pflege in der CS Caritas Socialis. Die pensionierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson erzählte über ihre Motivation, als Selbstvertreterin Demenz in die Öffentlichkeit zu gehen. Die kognitiven Einschränkungen brachten Veränderungen für sie: Das neueste Handy bezeichnet sie als „Sportwagen, den sie im ersten Gang fährt“, sie nutzt es „nur“ zum Telefonieren. Angela Pototschnigg beschreibt sich ehemals als sehr ruhigen, eher stillen Menschen, durch die Einschränkungen hat sich ihr Leben geändert, so verlor sie beispielsweise ihre Flugangst. Angela Pototschnigg erkannte mit zirka 60 Jahren – beruflich noch aktiv – die kognitiven Einschränkungen. „Wir lernen im Regen zu tanzen“, mit diesen Worten begrüßte sie in der Selbsthilfe Gruppe PROMENZ ein Gruppenmitglied, was für sie ein sehr wertschätzender Willkommensgruß war. Promenz motivierte sie, die “Stimme zu erheben“ und zu sprechen. Ihr Ziel ist es, als Selbstvertreterin offen mit der Erkrankung umzugehen, nichts zu vertuschen, ein Bild aufrechtzuerhalten, das alles viel Kraft kostet“. Auch auf EU-Ebene ist Angela Pototschnigg als Selbstvertreterin aktiv. Ein sehr persönlicher Einblick in die Lebensgeschichte einer Selbstvertreterin, die fordert mit Menschen mit Demenz zu sprechen und nicht über sie und sich stark macht Veränderungen in Laufe der Erkrankung anzunehmen und zuzulassen.

Der Leuchtturm – Wegweiser für herausforderndem Verhalten
An der präsentierten CS Studie haben 334 CS MitarbeiterInnen teilgenommen und 79 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben an zwei bis dreimal in der Woche mit herausforderndem Verhalten konfrontiert zu sein. Die Studie differenziert auch die Arten des herausfordernden Verhaltens. Projektleiterin Sabine Walzer, Heim- und Pflegedienstleitung CS Pramergasse und Projektgruppenmitglied Barbara Schwarzmann, Heim- und Pflegedienstleitung CS Rennweg präsentierten die weiteren Schritte im Ausbau eines beratenden Dienstes, Liasondienst, für MitarbeiterInnen in der CS Caritas Socialis.

Isabella Spörk – „… dafür bin ich nicht Krankenschwester geworden“
Isabella Spörk, psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflegeperson, beschreibt sehr plastisch die Herausforderungen komplexer Situationen im Pflege- und Betreuungsalltag. Der Satz: „Dafür bin ich nicht Krankenschwester geworden“, ist ihrer Meinung nach die Reaktion auf die Herausforderung einer komplexen Situation. Menschen mit herausfordernden Verhalten brauchen Menschen, die auf diese komplexen Herausforderungen reagieren. In ihren Beispielen zeigt Isabella Spörk sehr praxisnah, dass das Begleiten herausfordernder Verhaltensweisen intensive Arbeit ist, was oftmals nicht als Arbeit von MitarbeiterInnen in der Pflege und Betreuung gesehen wird. Isabella Spörk fordert „mehr Marketing für diese Betreuungsleistung“ im Sinne von Anerkennen der Leistung. Der Leuchtturm, Konsiliardienst für MitarbeiterInnen in herausfordernden Situationen, soll die Kompetenz der MitarbeiterInnen in der CS über alle Bereiche ausbauen.

Dr. Klaus Kraushofer – beobachten, interdiszipliär absprechen, entscheiden
Dr. Klaus Kraushofer, Facharzt für Psychiatrie im Sozialmedizinischen Zentrum Süd – Kaiser Franz Josef-Spital und als Gerontopsychiater in einem Pflegeheim tätig, präzisierte den Unterschied zwischen Demenz und Delir und plädierte für ein sehr genaues Beobachten der begleiteten Menschen, um sie möglichst rasch wieder aus dem Delir zurückzuholen. Genaues, interdisziplinäres Beobachten und im Auge behalten der Situation, keine voreilige Einweisung ins Krankenhaus, aber auch nicht zu lange zuzuwarten, seien die Säulen zwischen denen die Entscheidung fallen muss, erklärte Kraushofer in seinem Vortrag

Cornelia Bast – Kunsterfahrungsraum
Cornelia Bast ist Künstlerin, Social Designerin und künstlerische Forscherin an der Universität für angewandte Kunst Wien. Ihre künstlerischen Interventionen „Baum der Potentiale“ und „Fokung Wirkung“ konnten während des gesamten Kongresstages erfahren werden. www.corneliabast.at

Demenz-Spezialeinrichtungen der CS Caritas Socialis
Demenzbetreuung ist ein Schwerpunkt in allen CS Einrichtungen. Die CS Caritas Socialis ist in diesem Bereich führend und bietet im Rahmen des CS Pflege- und Betreuungsnetzes spezialisierte Alzheimer-und Demenzbetreuungsangebote an: Stundenweise mit der CS Betreuung zu Hause, tageweise in den CS Tageszentren und Rund-um-die-Uhr in den spezialisierten Langzeitbetreuungseinrichtungen (Demenz-Wohnbereich, Wohngemeinschaften).

CS Caritas Socialis fördert Teilhabe von Menschen mit Demenz
Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Wien zu ermöglichen, ist Ziel der Einrichtungen der CS Caritas Socialis. Unter dem Motto (De)menz.Kunst.Sinn veranstaltet die CS Kunstprojekte für Menschen mit und ohne Demenz und ermöglicht so die Teilhabe am Kulturerleben und am ganz normalen Alltag.

Autorin:

Mag. MBA Sabina Dirnberger-Meixner, Leitung Öffentlichkeitsarbeit

 

Link zum Film:

Autor:in

  • Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, akademische Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Demenzberaterin, Direktorin im Haus Hetzendorf, Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser

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