AT: ÖÄK-Mayer: Mehr Studienplätze allein sind keine Lösung

ÖAK

Vielmehr müsste die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Zentrum der Debatte stehen, um Jungärzte in Österreich zu halten.

Der heute bekannt gegebene Beschluss der österreichischen Bundesregierung, die Zahl der Studienplätze für Medizin in Österreich bis 2028 auf 2.000 (bisher sind es 1.740) auszubauen, werde das Problem des drohenden Ärztemangels alleine nicht lösen. Das betonte Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte: „Bedeutend ist vielmehr der prozentuelle Anteil jener, die nach dem Medizinstudium auch tatsächlich in Österreich bleiben und hier arbeiten. Das kann man vielleicht auch in einem gewissen Maß durch die Erhöhung der Studienplätze erreichen – aber noch viel wichtiger wäre es, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und attraktiver zu machen. Dazu gehören auch eine leistungsgerechte Entlohnung, die auch einem internationalen Vergleich standhält, die Besetzung vakanter Stellen, aber auch eine qualitative Ausbildungsoffensive – wie zum Beispiel die Einführung eines Ausbildungsoberarztes an jeder Abteilung, an der ausgebildet wird.“

Europaweite Abstimmung notwendig
„Hier müsste es überhaupt eine europaweit abgestimmte Strategie geben, in welchem Land wie viele Personen Medizin studieren können. Sonst bilden wir in Österreich für den gesamten deutschsprachigen Raum aus!“ Österreich im Speziellen befinde sich mit Deutschland und der Schweiz in einem Wettbewerb um die besten Köpfe: „Dort sehen viele, die bei uns ausgebildet werden, bessere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. Wir müssen unser Angebot für die bei uns ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte deutlich verbessern. Wir bilden in Österreich genügend Ärztinnen und Ärzte aus, aber wir müssen es schaffen, sie mit attraktiven Arbeitsbedingungen auch im Land zu halten.“

Ein weiterer wichtiger Punkt sei es auch, flexible Modelle (wie z.B. die Möglichkeit zur Teilzeitanstellung nach der Ausbildung, um eine Kombination mit niedergelassener Tätigkeit zu ermöglichen) zu schaffen und die Jungärzte von bürokratischen Aufgaben zu befreien: „Der Ärztenachwuchs sucht nach Arbeitsmodellen, die einerseits eine auch im internationalen Vergleich hochwertige Ausbildung, aber andererseits auch Arbeitszeiten mit der notwendigen Work-Life-Balance bieten. Der Nachwuchs braucht Gestaltungsmöglichkeiten und eine bessere Wertschätzung – und Rahmenbedingungen, um sich zu 100 Prozent auf seine Kernkompetenz konzentrieren zu können, nämlich Ärztin oder Arzt zu sein“, so Mayer.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)