AT: Nur mit deutlich besseren Arbeitsbedingungen wird man mehr junge Menschen für Pflegeberufe gewinnen

Linz (OTS) –

Gesundheitslandesrätin Haberlander will mehr – vor allem junge – Menschen für Pflegeberufe begeistern. „Dafür braucht es aber mehr als gute Ausbildungsangebote. Vor allem braucht es eine bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen, die langfristige Perspektiven bieten und es den Pflegekräften ermöglichen, ihre Berufe gesund bis zum Pensionsalter ausüben zu können. Das ist derzeit leider oft nicht der Fall. Gerade Oberösterreich hat hier dringenden Handlungsbedarf“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Das Taschengeld während der Ausbildung zur Pflege(fach)assistenz an den Gespag-Schulen beträgt 100 Euro im ersten und 380 Euro im zweiten Ausbildungsjahr. Wenn man Arbeitnehmer/-innen in Ausbildung mit solchen Mini-Beträgen abspeist, braucht man sich nicht zu wundern, dass man nicht genügend Interessenten für solche Ausbildungen findet. Für jene, die an der Fachhochschule die Ausbildung zur Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin/zum Diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger angehen wollen, gibt es derzeit gar keine finanzielle Absicherung! Die Möglichkeit, ein Fachkräftestipendium zu bekommen, muss daher dringend auf diese Gruppe erweitert werden.

Die Arbeiterkammer hat das Europäische Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung mit einer Studie zu den Arbeitsbedingungen in der Langzeitpflege in Österreich beauftragt. Die Daten für Oberösterreich sind ernüchternd: Nur sechs von zehn Beschäftigen in der mobilen und stationären Langzeitpflege können sich vorstellen, ihre Arbeit unter den derzeitigen Bedingungen bis zum Erreichen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters fortzuführen. Bei jungen Beschäftigten sind die Ergebnisse noch viel dramatischer. „Es muss mehr Geld ins System, das muss der Gesellschaft mehr wert sein, sonst bleiben die Beschäftigten und in der Folge die Pflegebedürftigen auf der Strecke!“, warnt der AK-Präsident.

Im Bundesländervergleich steigt Oberösterreich leider nicht gut aus. In Salzburg können sich fast 70 Prozent der Beschäftigten in den mobilen Diensten einen Verbleib im Beruf bis zur Pension vorstellen, in Wien 49,7 Prozent und in Oberösterreich nur 41,7 Prozent. In den Alten- und Pflegeheimen ist es noch alarmierender: In Salzburg glauben nur 47,2 Prozent der Beschäftigten, dass sie bis zur Pension durchhalten, in Wien 40 Prozent und in Oberösterreich gar nur 34,4 Prozent.

Dramatisch sind die Ergebnisse bei den Jungen: Nur 4,4 Prozent der unter 25-jährigen und auch nur 15,2 Prozent der 25-34-jährigen Beschäftigten in der Langzeitpflege in Oberösterreich können sich eine Weiterarbeit im Beruf bis zur Pension vorstellen. Hier ist Feuer am Dach! Mit zunehmendem Alter werden die Zahlen etwas besser, sind aber immer noch viel zu niedrig: Bei den 30-44-Jährigen sind es 30,7 Prozent, bei den 45-54-Jährigen 37,9 Prozent.

Markus Golla
Über Markus Golla 4175 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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