AT: Neue COVID-19-Welle in Nahost: Teams von Ärzte ohne Grenzen impfen in Altersheimen im Libanon – Mehr Hilfe für Irak und Jemen nötig

(C) MSF

Mehrere Länder im Nahen Osten kämpfen derzeit mit steigenden Infektions- und Patientenzahlen durch COVID-19. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen weitet die Behandlungskapazitäten im Jemen und im Irak aus und ruft die internationale Gemeinschaft dringend zu mehr Impfstoffen und Hilfen für die zerstörten Gesundheitssysteme auf. Im Libanon haben erstmals Teams von Ärzte ohne Grenzen Impfungen gegen das Coronavirus vorgenommen.

Im Libanon haben Teams von Ärzte ohne Grenzen zum ersten Mal überhaupt damit begonnen, ältere Menschen und medizinisches Personal in Pflegeheimen gegen COVID-19 zu impfen. Das Projekt hat am 19. März begonnen und geht auf eine Übereinkunft mit dem libanesischen Gesundheitsministerium zurück. Bis zum vergangenen Wochenende wurden mehr als 1000 Menschen an verschiedenen Orten im Land geimpft. Für die Menschen im Libanon ist die Pandemie derzeit eine weitere Herausforderung neben mehreren schweren Krisen, von denen sie gleichzeitig betroffen sind.

„Ärzte ohne Grenzen unterstützt die libanesischen Bemühungen, die COVID-19-Impfungen für die Risikogruppen und besonders bedürftige Menschen ohne Diskriminierung voranzutreiben“, sagt Julien Raickman, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Libanon. „Ältere Menschen und Personal im Gesundheitswesen gehören zu den Personen mit dem höchsten Risiko und wurden als die Gruppe von Menschen identifiziert, die zuerst geimpft werden soll. Wir begrüßen die Bemühungen der libanesischen Behörden, allen Menschen im Libanon den Zugang zu einer Impfung zu ermöglichen.“

Im Jemen beobachten Teams von Ärzte ohne Grenzen im gesamten Land eine dramatische Zunahme von COVID-19-Patientinnen und -Patienten, die in die Krankenhäuser kommen, oft schon in lebensbedrohlichem Zustand. In Aden unterstützen Teams von Ärzte ohne Grenzen etwa das COVID-19-Behandlungszentrum des Al-Gamhouria-Krankenhauses. Die Intensivstation mit nur elf Betten ist voll, eine Sauerstoffversorgung ist mit den vorhandenen Mitteln nur eingeschränkt möglich.

„Der starke Anstieg der COVID-19-Patientinnen und -Patienten in den letzten Wochen ist äußerst alarmierend und beunruhigend“, sagt Raphael Veicht, Einsatzleiter im Jemen. Im Jemen ist noch keine einzige Impfstoffdosis angekommen.

Auch im Irak werden derzeit die höchsten Zahlen seit Beginn der Pandemie verzeichnet: Am 24. März 2021 waren es 6051 Neuinfektionen, die tatsächliche Zahl liegt vermutlich deutlich höher. In der Hauptstadt Bagdad betreibt Ärzte ohne Grenzen eine eigene COVID-19-Station im Al-Kindi-Krankenhaus. Die 51 Betten sind durchgehend belegt, weitere schwer erkrankte Patientinnen und Patienten warten auf einen Platz. Immerhin ist es dem Team gelungen, die zu Beginn sehr hohe Sterblichkeit zu senken: Heute überleben 40 Prozent der Erkrankten der COVID-19-Station. „Doch ohne ausreichende Impfungen gibt es keine Chance, die Pandemie zu beenden”, sagt Omar Ebeid, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen in Bagdad.

Bislang hat der Irak erst 386.000 Impfdosen erhalten, für eine Bevölkerung von 40 Millionen Menschen. 216.000 Mitarbeitende im Gesundheitsbereich sind besonders gefährdet. „Mit den neuen Imfpfdosen kann ein Teil von ihnen geimpft werden”, sagt Ebeid. „Aber viele der Ärztinnen und Ärzte, mit denen wir arbeiten, wissen noch nicht, wann sie an der Reihe sind. In der Zwischenzeit erkranken unsere Kolleginnen und Kollegen weiter.”

Markus Golla
Über Markus Golla 9096 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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