AT: NEOS: Regierung bei Arbeitskräftemangel in Pflege gescheitert

(C) Bertolini

Loacker: „Pflegekräfte verdienen mehr Anerkennung. Den Personalmangel durch fehlendes Leadership in diesem System weiter zu verschärfen, könnte einen Kollaps bedeuten.“

Wien (OTS) – „Die Pflegekräfte gehen zurecht aufgrund der katastrophalen Zustände im Pflegebereich auf die Straße. Sie sind zurecht wütend, wenn sie sich von der Regierung im Stich gelassen fühlen. Der Arbeitskräftemangel hat sich seit Jahren abgezeichnet und ist spätestens seit Corona eklatant. Man muss es einfach so sagen: Die Bundesregierung scheitert derzeit nicht nur am Pandemiemanagement, sondern auch im Pflegebereich fehlt seit Jahren ein echtes Leadership“, sagt NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker. „Rudolf Anschober hat bei seiner Rücktrittserklärung erzählt, wie sehr er sich freut, dass die Pflegereform fast fertig sei. Wolfgang Mückstein betont regelmäßig, wie viel für die Pflegereform bereits ausgearbeitet sei und Martin Kocher versichert, mit der Corona-Joboffensive in Zukunft mehr Leute in die Pflege zu bringen. Seit Jahren hören wir nur Ankündigungen, ohne aber eine echte und längst überfällige Pflegereform auf den Boden zu bringen.“

Laut GÖG fehlen bis 2030 76.000 zusätzliche Pflegekräfte. Möchte man also endlich mehr Menschen in den Beruf holen, müsste dieser zuallererst massiv attraktiviert werden, so Loacker: „Die Belastung im Pflegeberuf steigt, weil auf einen Pflegeplatz immer mehr Pflegebedürftige kommen und die steigende Lebenserwartung einen höheren Betreuungsbedarf erwarten lässt. Geringe Wertschätzung und extreme physische und psychische Belastung verschärfen die ohnehin schon schwierige Lage. Pflegekräfte dürfen nicht länger als Gesundheitsmitarbeiter zweiter Klasse behandelt werden! Sie verlangen und verdienen mehr Anerkennung. Sie sind Profis und müssen auch so vergütet werden, etwa durch einen selbstständigen Anspruch auf Vergütung ihrer Leistung bei der Kasse. Den Personalmangel durch fehlendes Leadership in diesem System weiter zu verschärfen, könnte einen Kollaps bedeuten. Es müssen jetzt Anreize gesetzt werden, um das Arbeitsumfeld zu verbessern und motivierte Menschen für die Ausbildungen zu gewinnen.“

Dazu gehört etwa, dass die Rot-Weiß-Rot-Karte qualifizierten Arbeitskräften aus dem Ausland leichter zugänglich gemacht werde. „Momentan beträgt die Wartezeit fast eineinhalb Jahre! Bevor jemand, der gewillt und geeignet ist, im Pflegebereich zu arbeiten, so lange wartet, geht er nach Schweden und kann dort sofort starten“, sagt der NEOS-Sozialsprecher. „Wir werden künftig Fachpersonal aus dem Ausland brauchen, um den Arbeitskräftemangel bekämpfen zu können. Vor dieser Tatsache kann nicht einmal mehr die ÖVP die Augen verschließen.“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)