AT: Mutmachen für ein Sterben zu Hause

v.l.n.r.: Mag. (FH) Klaus Schwertner, Geschäftsführer Caritas der ED Wien; Waltraud Klasnic, Präsidentin Dachverband Hospiz Österreich; Mag. Robert Oberndorfer, MBA, Geschäftsführer CS Caritas Socialis/CS Hospiz Rennweg; Mag. Oliver Löhlein, Geschäftsführer Arbeiter Samariter Bund Wien; Ing. Otto Knapp, MSc, Geschäftsführer Volkshilfe Wien

HPC Mobil – Hospizkultur und Palliative Care in der Hauskrankenpflege: ein Pilotprojekt zieht Resümee und lädt andere ins Netzwerk ein

Wien (OTS) – Derzeit versterben ca. 70% aller Menschen in Österreich in Institutionen, obwohl bei Befragungen der Großteil angibt, zu Hause sterben zu wollen. Von politischer Seite wird oft ‚mobil vor stationär‘ versprochen, doch die Realität hinkt nach. 2014 lag der österreichweite Prozentsatz jener Menschen, die zu Hause sterben konnten, bei 27,4%.

„Um hier wirksam und nachhaltig eine Veränderung herbeizuführen, wurde das für Österreich derzeit noch einzigartige Pilotprojekt ‚HPC Mobil – Hospizkultur und Palliative Care in der Hauskrankenpflege‘ von Hospiz Österreich gemeinsam mit vier Wiener Trägern, Arbeiter-Samariter-Bund Wien, Caritas der Erzdiözese Wien, CS Caritas Socialis, Volkshilfe Wien, entwickelt und in drei Jahren umgesetzt.“, berichtet Waltraud Klasnic, Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich. „Wir sind sehr dankbar, dass der Fonds Gesundes Österreich das Projekt mitfinanziert hat und dass die Wiener Träger bereit waren, viel Engagement und Eigenleistung einzubringen.“

„Jeder Mensch soll am Ende seines Lebens jene Begleitung und Versorgung erhalten, die er oder sie dringend benötigt. Menschen wollen zumeist möglichst lange in der vertrauten Umgebung, in den eigenen vier Wänden leben, und auch zu Hause sterben können. Mit Hospiz- und Palliative Care in der Hauskrankenpflege haben wir hier einen wichtigen Schritt gesetzt“, betont Caritas Generalsekretär Klaus Schwertner.

„Durch HPC Mobil werden die Strukturen der Organisation so verändert, dass Hospizkultur und Palliative Care langfristig gelebt werden kann“, erklärt Oliver Löhlein, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bund Wien.

Jede Organisation verfügt nun über Palliativbeauftragte und eine Palliativgruppe, die zentral für die Entwicklung, die Etablierung und die Nachhaltigkeit von HPC Mobil im Träger sind. Palliativbeauftragte sind eine personifizierte Knowhow Basis, die sich mit dem Thema HPC beschäftigt und der Organisation beim Lernen hilft.

Durch HPC Mobil erhalten die Betreuenden das Basiswissen und die Grundhaltung zu Hospiz und Palliative Care, die sie brauchen.

„1.800 MitarbeiterInnen aller Berufsgruppen profitieren von den praxisnahen Workshops zu Hospiz und Palliative Care in der Hauskrankenpflege. Sie betreuen nun mit höherer Qualität Menschen, die bis zuletzt zu Hause leben wollen. Um die Erfolge dieses Pilotprojektes weiterführen und ausbauen zu können, brauchen wir nun Rahmenbedingungen, die das ermöglichen: raschere Bewilligung in palliativen Situationen, flexible Stundenerhöhung und Finanzierung der Abstimmungsleistungen zwischen den Betreuenden und die Finanzierung des VSD Vorsorgedialogs®“, so Robert Oberndorfer, Geschäftsführer CS Caritas Socialis/CS Hospiz Rennweg.

Durch HPC Mobil wird die Zusammenarbeit mit den AllgemeinmedizinerInnen, den EntlassungsmanagerInnen der Krankenhäuser und der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung verbessert.

Die vier Wiener Träger haben den besonderen Einsatz, den Pilotprojekte mit sich bringen, auf sich genommen, um den Wunsch vieler ihrer KlientInnen, zu Hause zu sterben, erfüllen zu können und um die Selbstbestimmung ihrer KlientInnen zu stärken.

„Es war uns essentiell wichtig, dass wir unseren MitarbeiterInnen, die alleine vor Ort bei den KlientInnen sind, eine gute Basis mitgeben und dass sie Rahmenbedingungen in der Organisation vorfinden, wo sie sicher, kompetent und in einer Haltung der Achtsamkeit die schwerkranken und sterbenden KlientInnen und deren Angehörige begleiten und betreuen können“, so Otto Knapp, Geschäftsführer der Volkshilfe Wien.

Die vier Organisationen haben in der gemeinsamen Arbeit im Pilotprojekt die Kooperation vor die Konkurrenz gestellt.

Dieser Weg hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt. Die Ergebnisse zeigen u.a., dass sich die MitarbeiterInnen in ihrer Arbeit mit schwerkranken und sterbenden Menschen sicherer fühlen. Sie können besser einschätzen, wann die spezialisierte Hospiz- und Palliativversorung einzubeziehen ist, erkennen die Wichtigkeit der vorausschauenden Planung und die Notwendigkeit einer sehr guten Zusammenarbeit mit den AllgemeinmedizinerInnen und setzen es in die Praxis um.

Alle anderen Organisationen in Wien und in den Bundesländern sind herzlich eingeladen, Partner im Netzwerk HPC Mobil zu werden. Tun Sie es für Ihre MitarbeiterInnen und tun Sie es für Ihre KlientInnen und deren Angehörige!

Evaluiert wird das Projekt durch das NPO Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship Institut der Wirtschaftsuniversität Wien.

„Mutmacher für ein Sterben zu Hause“ – Videoclip des Pilotprojektes – Kurzform 1:56

Webpage zum Projekt

Markus Golla
Über Markus Golla 2833 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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