AT: MSF: TRIPS-Waiver: „Der Zug ist noch nicht abgefahren“

Bislang hat Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck ein Pandemieende durch die Blockade des TRIPS-Waivers bei der Welthandelsorganisation (WTO) mit verzögert. Noch ist der Zug aber nicht abgefahren, betont Marcus Bachmann von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Bei den WTO-Verhandlungsrunden, die am 30. November in Genf beginnen, wird es zur entscheidenden Abstimmung kommen. Österreich muss entscheiden, auf welcher Seite der Geschichte es steht. Ärzte ohne Grenzen Österreich protestiert heute vor dem Wirtschaftsministerium.

Marcus Bachmann, Berater für humanitäre Angelegenheiten von Ärzte ohne Grenzen:

„Die COVID-19 Pandemie macht nicht nur bestehende Ungleichheiten sichtbarer, sie verschärft sie auch. In rund 50 der ärmsten Staaten haben derzeit 96 Prozent der Menschen noch keine Impfung gegen COVID-19 erhalten. Tausende Menschen sterben. In Nigeria, wo ich heuer beim Roll-out der COVID-19 Impfungen mitarbeitete, sind es gerade einmal drei von Hundert, die zumindest einmal geimpft sind.

Im Kontext einer der disruptivsten Gesundheitskrisen liegt die Entscheidung darüber bei einer Handvoll Pharmakonzernen. Die COVID-19 Impfstoffe sind ein Mangelgut, die Verknappung ist künstlich. Die Entscheidung über den TRIPS-Waiver kann dazu führen, die Pandemie zu beenden – oder zu verlängern. Darüber, ob die Patente auf COVID-19-Impfstoffe, Medikamente und Hilfsmittel aufgehoben werden – oder nicht. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, die Österreich offiziell bei der WTO vertreten wird, muss sich der vollen Tragweite ihrer Entscheidung bewusst sein und dafür Rechenschaft leisten, statt einfach nur die bereits widerlegte Argumente der Pharma-Industrie wiederzugeben.“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)