AT: Mit der Pflegereform geht es weiter in Richtung Deprofessionalisierung

VERDINO | Martin Verdino

Am Tag der Pflege präsentierte die Bundesregierung den Inhalt der Pflegereform. Bis auf wenige Punkte, ist dieser für die professionelle Pflege enttäuschend.

Lange angekündigt, oft verschoben und schwer erwartet war die Pflegereform der Bundesregierung. Expert:innen und der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) machten über viele Jahre hinweg Vorschläge für die Verbesserungen der Rahmenbedingungen der professionellen Pflege. Jetzt wurde die Pflegereform als Überraschungsschlag präsentiert. Tatsächlich wurden einige Forderungen des Berufsverbands umgesetzt, jedoch fehlen wesentliche Schritte.

Zuerst das Positive: Den Ausbildungszuschuss von zumindest 600 Euro pro Monat für die Erstausbildung in einem Pflegeberuf begrüßt der Berufsverband sehr. Für die Ausbildung braucht es allerdings auch Pflegepädagog:innen in Theorie und Praxis (Praxisanleitung). Diese wurden bei der Pflegereform überhaupt nicht berücksichtigt.

Ansonsten präsentiert sich die Pflegereform mit der altbekannten Einstellung der politischen Vertreter:innen. Dies wird dadurch deutlich, dass es für diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen praktisch keine Vorteile durch die Pflegereform gibt. Die Aufwertung der Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz durch eine Ausweitung der Kompetenzen war überfällig, aber wo bleibt diese für den gehobenen Dienst?

Punkt 1 des Maßnahmenpakets stellt den Berufsverband vor ein Rätsel. Eine Bonuszahlung soll über zwei Jahre an professionelle Pflegepersonen ausgezahlt werden, „bis andere notwendige Entlastungsmaßnahmen greifen.“ Die Pflege soll also bei der Stange gehalten werden, bis man die Bedingungen schafft, die als normale Arbeitsbedingungen gelten sollten und dann wird ihr Gehalt wieder gekürzt? Solche Ansätze lösen langfristig kein Problem. Viele Fragen bezüglich der Ausgestaltung bleiben offen. Eine Reform der Personalbemessungsgrundlage und anderer Rahmenbedingungen fehlen völlig.

8 der 20 Punkte widmen sich den pflegenden Angehörigen, die ohne Zweifel einen großen Beitrag zur Systemerhaltung in Österreich leisten. Hier geben wir zu bedenken, dass spätestens ab Pflegestufe 4 kein:e Angehörige:r gezwungen sein sollte, ohne die Unterstützung der professionelle Pflege auszukommen.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)