AT. Meta-Analyse bestätigt Intima-Media-Dicke als validen Surrogatmarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Mithilfe der Ultraachall-Untersuchung lässt sich die Intima-Media-Dicke berechnen. (c)Proof-ATHERO

Mit der Analyse von Daten aus 119 klinischen Studien und über 100.000 eingeschlossenen ProbandInnen weltweit gelang es einem Team um den Epidemiologen Peter Willeit von der Medizinischen Universität Innsbruck, die Gefäßwanddicke der Halsschlagadern (Intima-Media-Dicke) als sicheren Surrogatmarker zu bestätigen. Damit lässt sich die Durchführung von Wirksamkeitsstudien für neue Medikamente, die auf die Minimierung des kardiovaskulären Risikos abzielen, vereinfachen und optimieren.

Innsbruck, 25.08.2020: In klinischen Studien zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird geprüft, ob das Risiko für diese Erkrankungen durch medizinische Interventionen – wie die Gabe eines Medikamentes – gesenkt werden kann. Dabei können sogenannte Surrogatmarker hilfreich sein, um abzuschätzen, ob und inwieweit Interventionen das Risiko reduzieren. Surrogatmarker werden in klinischen Studien begleitend gemessen, sind schneller und einfacher erfassbar als relevante klinische Endpunkte und zeigen die Wirksamkeit von Interventionen in klinischen Studien an.

Im Fachmagazin Circulation zeigen Innsbrucker EpidemiologInnen nun die Gültigkeit der Intima-Media-Dicke als Surrogatmarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen eindeutig auf: Je geringer die Zunahme der Intima-Media-Dicke ist, desto geringer ist auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Intima-Media-Dicke wird dabei an der Halsschlagader mittels Ultraschall erfasst; wie eine solche Messung genau durchgeführt werden soll, wurde im Mannheimer Konsensus (Letztversion Cerebrovasc Dis 2012) standardisiert und festgelegt.

Breiter Forschungsansatz

Für ihre Meta-Analyse haben Peter Willeit und Lena Tschiderer von der Univ.-Klinik für Neurologie (Direktor: Stefan Kiechl) an der Medizin Uni Innsbruck gemeinsam mit ihrem Team für klinische Epidemiologie und weiteren KollegInnen vom Universitätsklinikum Frankfurt einen breiten Ansatz gewählt: „Zur Intima-Media-Dicke als Surrogatmarker gab es bislang kaum umfassende und methodisch einwandfreie Auswertungen. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, haben wir in unserer Analyse eine Vielzahl internationaler Studien – darunter Primär- und Sekundärpräventionsstudien, ältere und aktuelle Studien bis Februar 2020 – einbezogen, die alle auf den Effekt therapeutischer Interventionen auf die Intima-Media-Dicke bzw. auf die Senkung des kardiovaskulären Risikos ausgerichtet waren. Auch eine breite Palette unterschiedlicher Interventionen, wie blutdrucksenkende Medikamente, Statine und Anti-Diabetika wurde berücksichtigt“, so Willeit, der in Innsbruck das Proof-ATHERO (Prospective Studies of Atherosclerosis) Konsortium leitet, in dem Atherosklerose-Studien von mehr als 50 Forschungsinstitutionen weltweit vereint und gemeinsam ausgewertet werden.

Innovative Methodik

Der Nutzen des Surrogatmarkers Intima-Media-Dicke für das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnte in der aktuellen Meta-Analyse nicht zuletzt durch die Etablierung innovativer statistischer Methoden belegt werden. So wurden die Daten mittels komplexer Methoden aus der Bayes’schen Statistik ausgewertet. „Wir stellten fest, dass sich die Intima-Media-Dicke als Surrogatmarker für verschiedene Arten von Interventionen eignet. Diese Erkenntnis birgt den Mehrwert, dass klinische Studien, die die Intima-Media-Dicke als Surrogatmarker verwenden, rascher und auch in kleinerem Umfang effizient durchführbar sind. Der Effekt eines neuen Medikaments kann damit schneller überprüft werden“, kommentiert Lena Tschiderer.

Zur ForschungsarbeitCarotid Intima-Media Thickness Progression as Surrogate Marker for Cardiovascular Risk: Meta-Analysis of 119 Clinical Trials Involving 100,667 Patients

 

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck

Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 2.000 MitarbeiterInnen und ca. 3.300 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.

Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das Bachelorstudium „Molekulare Medizin“ anAb dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen OnkologieNeurowissenschaftenGenetikEpigenetik und Genomik sowie InfektiologieImmunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen