AT: Mehr Aufmerksamkeit für die Gicht

(C) Peter Atkins

Brunn am Gebirge / Wien, 4. Februar 2019 – Gicht wurde vor rund 3.500 Jahren das erste Mal beschrieben. Bis heute herrscht die mittlerweile widerlegte Meinung vor, dass es sich um eine reine Anfallserkrankung handelt. Inzwischen weiß man jedoch, dass Gicht eine Systemerkrankung mit hohem kardio-vaskulärem Risiko ist.1 Ursache der Gicht ist ein erhöhter Harnsäurespiegel, weshalb auch die Hyperurikämie behandelt werden muss.2 Dieses Wissen findet jedoch noch wenig Niederschlag im Patientenmanagement. Nun bringt eine innovative Add-on-Therapie neue Möglichkeiten in der Behandlung. Mit dem URAT1-Inhibitor Lesinurad (Zurampic®) kann erfolgreich bei der Harnsäureausscheidung angesetzt werden.

„Gicht ist mit einer Prävalenz von 1-2 Prozent bei Erwachsenen die häufigste entzündliche Gelenkserkrankung.3 Trotzdem Gicht damit häufiger vorkommt als die rheumatoide Arthritis, findet diese Erkrankung viel zu wenig Beachtung und ihr Management ist von vielen Irrtümern begleitet.“ Mit diesen Worten eröffnete Priv.-Doz. Dr. Burkhard Leeb, Leiter des Instituts für Klinische Rheumatologie der Karl Landsteiner Gesellschaft, das Symposium „Gicht im neuen Licht“ im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR).

Die Gicht hat ein Imageproblem

Gicht kann entstehen, wenn sich zu viel Harnsäure im Blut ansammelt oder zu wenig davon ausgeschieden wird. Sie wurde bereits früh mit falscher und übermäßiger Ernährung in Zusammenhang gebracht. „Schon die alten Ägypter assoziierten die Gicht mit Völlerei. Später galt sie als ‚Krankheit der Könige‘, denn der römische Kaiser Marc Aurel sowie auch viele Habsburger litten an Gicht. Kaiser Karl musste deshalb sogar vorzeitig abtreten“, weiß Dr. Gabriela Eichbauer-Sturm, Fachärztin für Innere Medizin, Nephrologie und Rheumatologie in Linz und Kitzbühel. „Damals war es schick an Gicht zu leiden, denn die Erkrankung war der Ausdruck von Wohlstand. Die Patienten waren daher gar nicht so sehr daran interessiert, die Krankheit richtig zu behandeln.“

Im 17. Jahrhundert beschrieb der Engländer Antony Leeuwenhoek erstmals die Harnsäurekristalle und sein Landsmann Thomas Syndenham verfasste die erste wissenschaftliche Arbeit über Gicht. Und auch darin wurde die Erkrankung mit Völlerei und viel trinken assoziiert. „Dieses Image hat die Gicht bis heute nicht verloren“, so die Rheumatologin. Immer noch meint man, die Patienten seien selbst an ihrer Erkrankung schuld.“

Systemerkrankung Gicht

Anfang des Jahrtausends wurde Gicht erstmals als Systemerkrankung beschrieben.4 Dieses Wissen hat sich jedoch bis dato noch nicht durchgesetzt.5 „Nach wie vor wird Gicht für eine Anfallskrankheit gehalten und nur die akute Gichtattacke behandelt“, bedauert Eichbauer-Sturm. „Die längerfristige Therapie bleibt oft aus und dadurch ist die chronische Gicht untertherapiert.“ Die Folge: Viele Patienten werden schließlich beim Nephrologen vorstellig, weil sie eine Nierenerkrankung entwickelt haben.

Die erhöhte Mortalitätsrate ist ebenfalls noch ziemlich unbekannt. „Zu viel Harnsäure plus Tophi plus ein vorangegangenes kardiovaskuläres Ereignis ergibt eine deutlich erhöhte Mortalitätsrate“, warnt die Rheumatologin und appelliert: „Die Gicht muss ernst genommen und richtig behandelt werden.“

Harnsäure senken!

In der Therapie der chronischen Gicht ist die Kontrolle des Harnsäurespiegels entscheidend. Nach Diagnose einer Gicht empfehlen daher sowohl die EULAR- als auch die ACR-Richtlinien eine langfristige Senkung der Serumharnsäure (sUA) auf unter 6 mg/dl. Sind auch Tophi vorhanden, muss der sUA-Wert deutlich unter 5 gesenkt werden.6, 7 Eichbauer-Sturm: „Mit einer Ernährungsumstellung kann der Harnsäurespiegel um nur rund 18 Prozent gesenkt werden, das ist rund 1 mg/dl. Eine ausreichende Harnsäuresenkung schafft man somit niemals ohne Medikamente.“ Dies bestätigt auch OA Dr. Raimund Lunzer, Leiter der Rheumatologischen Spezialambulanz am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz: „Die Niere kann zwischen 400 und 800 mg Harnsäure pro Tag ausscheiden. Ein großes Bier hat jedoch bereits 1.200 mg. Dazu kommt, dass viele Patienten für eine Ernährungsumstellung nicht bereit sind.“

Die erfolgreiche Behandlung einer Hyperurikämie basiert auf zwei Ansätzen: die Überproduktion der Harnsäure reduzieren und die Ausscheidung über die Niere fördern. Die Standardtherapie in der Sekundärprävention einer Gicht sind Xanthin-Oxidase-Inhibitoren (XOI) wie Allopurinol und Febuxostat. Allerdings erreichen weniger als 50 Prozent der Patienten mit einer XOI-Monotherapie den Zielwert von 6 mg/dl8, da XOI nur der Überproduktion der Harnsäure entgegenwirkten und keinen Einfluss auf ihre Ausscheidung haben.

Zurampic® – ein Urikosurikum bringt Patienten ins Ziel

Seit Februar 2018 steht mit dem URAT1-Inhibitor Lesinurad (Zurampic®) ein innovatives Urikosorikum für die Kombination mit Allopurinol bereit (dunkelgelbe Box). Die Wirkung von Lesinurad beruht auf der Hemmung der Reabsorption der Harnsäure in der Niere und fördert somit ihre Ausscheidung. Studien haben gezeigt, dass mit der Kombinationstherapie doppelt so viele Patienten mit unzureichend kontrollierter Gicht ihr Behandlungsziel erreichen als mit der XOI-Monotherapie.9 Lunzer bestätigt: „Lesinurad wirkt etwa 2- bis 2,5-mal stärker als Allopurinol allein. Das heißt, wenn wir keine Möglichkeit haben, die Patienten in den Zielbereich zu bekommen, ist Lesinurad nun eine gute Option.“

Die Empfehlung des Gicht-Experten, der europaweit den ersten Zurampic®-Patienten behandelt hat: Erreicht man innerhalb von drei Monaten mit den herkömmlichen Methoden den Zielwert nicht, kommt Lesinurad als Add-on-Therapie mit Allopurinol zum Einsatz. „Zurampic® wirkt sehr gut und ist bei richtiger Anwendung nahezu nebenwirkungsfrei. Es gibt auch keine relevanten systemischen Interaktionen. Es ist nur wichtig, auf die Niere aufzupassen, sie ist das Schlüsselorgan“, so Lunzer.Weiters betont OA Dr. Lunzer: „Lesinurad darf daher nicht bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (CrCL <30 ml/min), terminaler Niereninsuffizienz, nierentransplantierten oder dialysepflichtigen Patienten eingesetzt werden.9 Sonstige Nebenwirkungen können gastroösophageale Refluxkrankheit, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome sein.“

Zur Therapiedauer sagt Lunzer: „Generell sollten Gicht-Patienten eine Langzeittherapie erhalten“. 

Das Fazit der Experten: Zurampic® wirkt, ist sicher und gut verträglich. Damit stellt die neue Therapie eine wichtige Behandlungsoption für Patienten dar, die eine zusätzliche Urat-senkende Therapie brauchen. Denn: Ohne Therapie ist der nächste Gichtanfall vorprogrammiert.

Die tägliche Dosis einer Zurampic®-Filmtablette beträgt 200mg, die 1x täglich morgens in Kombination mit Allopurinol eingenommen wird.10

Literatur:

1 Perez-Ruiz F. et al., Ann Rheum Dis 2014;73(1):177-182. doi:10.1136/annrheumdis-2012-202421

2 Richette P, Doherty M, Pascual E et al. 2016 updated EULAR evidence-based recommendations for the management of gout Ann Rheum Dis 2017;76:29-42 doi:10.1136/annrheumdis-2016-2097073 Zhang E et al. Ann Rheum Dis 2006; 65:1301-1311

3 Zhang E et al. Ann Rheum Dis 2006; 65:1301-1311

4 Tschopp J et al. Nat Rev Mol Cell Biol 2003;4:95-104

5 Spencer K et al. Ann Rheum Dis. 2012;71(9):1490-5

6 Khanna D et al., Arthritis Care Res (Hoboken). 2012;64(10):1431-46.

7 Richette P et al., Ann Rheum Dis. 2017;76(1):29-42

8 Becker MA, et al. Semin Arthritis Rheum 2015; 45(2):174–183

9 Zurampic® (Lesinurad) FI, Stand Mai 2017, Grünenthal Ges.m.b.H. (gepoolte Daten der Studien CLEAR 1 und CLEAR 2)

10 Regeltext Zurampic, 01.02.2018

Quelle: „Gicht im neuen Licht. A new kid on the block“, Symposium der Fa. Grünenthal im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation am 1. Dezember 2018, Wien

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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