AT: Lungenkrebs: Testen, testen, testen!

Exakte Tumor-Analyse erhöht Behandlungserfolg

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Im Rahmen der 44. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) wurden neue Erkenntnisse rund um die Behandlung von Lungenkrebs vorgestellt und diskutiert. Fazit: Die der Erkrankung zu Grunde liegenden Mechanismen werden immer besser verstanden, die Kenntnis von immer mehr neuen Biomarkern und die Entwicklung dazu passender Therapien erhöht die Überlebenszeit und verbessert die Lebensqualität der Patienten* zunehmend. Doch das Um und Auf einer erfolgreichen Lungenkrebstherapie ist eine genaue pathologische Untersuchung und Analyse des Tumors.

Jeder Krebs ist einzigartig

Modernste Analyseverfahren weisen den Weg

Geduld zahlt sich aus: Immer alle Tests abwarten

„Wichtigst ist, dass, auch unter hohem Behandlungsdruck immer alle Testergebnisse abgewartet werden und erst dann die Therapieentscheidung getroffen wird“, betonte Hochmair und erläuterte. „Das Testergebnis, ob eine vermehrte PD-L1-Expression vorliegt, hat man z.B. bereits nach einem Tag. Hier wäre man verleitet, dem Patienten sofort eine Immuntherapie zu verabreichen, da diese bei einer PD-L1-Expression sehr gut wirksam ist. Andere Testergebnisse können bis zu zehn Tagen dauern. Und wenn sich dann herausstellt, dass beim Tumor dieses Patienten zusätzlich eine EGFR- oder eine ALK-Mutation vorliegt, hat mein ein Problem: Denn heute weiß man, dass Patienten mit einer EGFR- oder ALK-Mutation besser mit einer zielgerichteten als mit einer Immuntherapie behandelt werden. Wurde aber zuerst eine Immuntherapie verabreicht und darauf dann eine zielgerichtete Therapie, können starke Nebenwirkungen auftreten.“

Das Verständnis wächst

„Killer“ Lungenkrebs …

Trotz aller enormen Fortschritte in der Behandlung gilt Lungenkrebs nach wie vor als „Killer“ unter den Krebserkrankungen, da er durch seinen anfangs meist symptomlosen Verlauf meist erst sehr spät, in einem fortgeschrittenen Stadium, diagnostiziert wird. Und: Immer mehr Frauen erkranken in Österreich daran. Hochmair: „Sowohl das Lungenkrebs-Erkrankungsrisiko als auch das Lungenkrebs-Sterberisiko nahm bei Frauen in den letzten Jahren massiv zu, während es bei Männern sank.“ Der Grund dafür: Seit den 1960er Jahren greifen immer mehr Frauen zur Zigarette.

Hochmair betonte: „Das Nichtrauchen, aktiv wie passiv, ist nach wie vor der beste Schutz vor Lungenkrebs. 85% der Lungenkrebspatienten sind oder waren Raucher.“

„Weltmeister“ Österreich

„In der Behandlung von Lungenkrebs ist Österreich weltweit führend“, betonte Hochmair. „Wir haben eine extrem gute Behandlungssituation, und das hat mehrere Gründe: Erstens sind die Behandlungsstrukturen in Österreich hervorragend. Zweitens haben wir in Österreich eine hohe Forschungs- und Studienaktivität auf dem Gebiet des Bronchuskarzinoms, nicht zuletzt dank der ÖGP. Somit können die Patienten mit den modernsten therapeutischen Möglichkeiten versorgt werden, also zum Beispiel auch mit Medikamenten, die zurzeit noch ausschließlich im Rahmen von Studien zur Verfügung stehen. Vor allem aber stehen uns in Österreich die Möglichkeiten offen, dieses so wichtige umfangreiche Testen in der Praxis auch umzusetzen.“

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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