AT: Kommentar der ÖGPP zum Ministerialentwurf eines Sterbeverfügungsgesetzes

Sterbeverfügung Palliativ Sterben
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Die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP) weist als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft darauf hin, dass der demnächst zu verabschiedende Entwurf des Sterbeverfügungsgesetzes (StVfG) aus psychiatrischer Sicht erhebliche Probleme beinhaltet.

Insbesondere betont die ÖGPP, dass der geforderte „freie und selbstbestimmte Entschluss“ nur zum Zeitpunkt des Errichtens der Sterbeverfügung überprüft wird. Sowohl bei psychisch Kranken als auch bei psychisch Gesunden können sich diese Kriterien jedoch im Laufe der Gültigkeit der Verfügung deutlich verändern, da Sterbewünsche oft erheblich fluktuieren. Die ÖGPP setzt sich dafür ein, dass vor allem psychisch kranke Personen, vor einer vorschnellen Umsetzung ihrer möglicherweise unkonkreten Sterbewünsche besser geschützt werden müssen.

Die ÖGPP begrüßt die Verpflichtung zur Beratung über die Möglichkeiten der Palliativmedizin, weist allerdings auf die Notwendigkeit hin, auch die psychiatrische Expertise verpflichtend gesetzlich zu verankern. Das Vorliegen einer psychischen Störung, insbesondere einer Depression, kann die Entscheidungsfähigkeit von Personen erheblich einschränken. Todeswünsche sistieren sehr häufig nach erfolgreicher Behandlung der psychischen Erkrankung. Depressionen bei körperlich Schwerkranken werden häufig übersehen bzw. als natürliche Reaktion auf die Erkrankung fehlgedeutet. Die ÖGPP sieht es daher als unabdingbar, im Rahmen der Aufklärung zur Errichtung von Sterbeverfügungen eine entsprechende psychiatrische Expertise vorzusehen.

Im vorliegenden Entwurf werden aus Sicht der ÖGPP wesentliche psychiatrische Aspekte von Todeswünschen und Suizidalität, insbesondere Fragen der längerfristigen Entscheidungsfähigkeit sowie die Problematik der psychiatrischen Komorbidität nicht oder zu wenig berücksichtigt. Sie ersucht daher dringend, den Gesetzesvorschlag dahingehend nochmals zu überdenken.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)