AT: Kinder-Diabetes: Angst im Umfeld bekämpfen

(C) Sherry Young

Entschlossenes Paket von Maßnahmen für den Schulbereich soll Unsicherheiten ausräumen 

Wien (pte/30.01.2019/12:53) Kinder mit Diabetes haben nicht nur mit ihrer Erkrankung zu kämpfen, sondern oft auch mit Unverständnis oder gar Ängsten anderer in der Schule. „Es ist ganz wesentlich, dass die Schule ein gesundheitsförderndes Umfeld bietet“, sagt Sabine Hofer, Vorstandsmitglied der Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) http://oedg.at , im Rahmen des Pressegesprächs „Wer hat Angst vorm diabetischen Kind?“. Dabei ging es auch um konkrete Maßnahmen, um Menschen von Schulärzten über Pädagogen bis zu den Kinder selbst besser zu informieren und zu sensibilisieren. Das könnte auch die Früherkennung verbessern.

Bildungs-Poker

„Die Kinder sind genug gestraft, weil sie diese Krankheit eh schon haben“, meint Gabriele Mitrovic, Mutter eines Sohnes mit Diabetes Typ 1. Marios Fall zeigt, dass Diabetes in Bildungseinrichtungen bislang eher Glücksspiel ist. Im Kindergarten gab es Pädagoginnen, die sehr gut geschult waren und damit keine Probleme. Nach dem Schuleintritt dagegen war die Familie Mitrovic oft mit Unsicherheit und auch Ängsten – unter anderem vor rechtlichen Konsequenzen – bei Pädagogen konfrontiert. Manche wollten mit dem Diabetes-Management einfach nichts zu tun haben.

Marios Mutter musste sich daher phasenweise selbst um die Therapie kümmern, was mit dem Job unvereinbar war. „Wenn die Eltern für die Betreuung selbst ihre Arbeit aufgeben müssen, ist das sicher keine sozial verträgliche Lösung“, betont sie. Mario wiederum sah sich immer wieder damit konfrontiert, dass er an gemeinsamen Aktivitäten wie Wandertagen nicht oder nur in Begleitung seiner Mutter teilnehmen konnte.

Wissen gegen Stress

Für betroffene Kinder kann das sogar gefährlich werden, wenn durch den damit verbundene Stress den Blutzuckerspiegel abweicht. Daher wollen die ÖDG und der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger http://hauptverband.at mit zielgerichteten Maßnahmen für den Schulbereich helfen. „Es ist eine wichtige Information, dass Lehrer helfen dürfen“, betont Hofer, die als Kinderärztin an der Medizinischen Universität Innsbruck gut mit den Problemen Betroffener vertraut ist. Denn noch lehnen Pädagogen Hilfe beim Diabetes-Management eben mit der Begründung ab, dass ihnen das rechtlich nicht erlaubt sei.

Freilich ist auch wichtig, dass Schulpersonal weiß, wie es Kindern mit Diabetes unterstützen kann. „Es ist ganz wesentlich, dass Lehrpersonen geschult werden“, betont die Medizinerin. Dafür soll unter anderem ein E-Learning-Tool kommen, mit dem Lehrer Informationen jederzeit griffbereit haben. Sie betont auch die Bedeutung von Schulärzten als Wissensvermittler, die dem Lehrkörper wesentliche Informationen kommunizieren. Für die Ärzte ihrerseits wurde zudem ein Diplomfortbildungsprogramm entwickelt.

Kampf um Früherkennung

Das Maßnahmenpaket für den schulischen Bereich soll zudem dazu beitragen, dass Diabetes bei Kindern früher erkannt wird. Denn bislang passiert das oft viel zu spät. „Rund 37 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 werden mit einer lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisung, der sogenannten Diabetischen Ketoazidose, ins Krankenhaus gebracht“, weiß Reinhold Pongratz, Ärztlicher Leiter der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse http://stgkk.at . So komme die Diagnose oft zu spät, um schwere Komplikationen oder Folgeschäden zu vermeiden.

Das liegt daran, dass die recht banalen Frühsymptome – Müdigkeit, erhöhtes Durstempfinden, vermehrtes Wasserlassen und unbeabsichtigter Gewichtsverlust – oft nicht als solche wahrgenommen werden. „Wenn diese Symptome auftreten, ist Feuer am Dach“, betont Pongratz. Daher ist ein Teil des Maßnahmenpakets auch eine entsprechende Aufklärungsinitiative. Unter anderem sollen dabei zielgruppengerechte Infomaterialien für Kinder und Jugendliche auch potenziell Betroffene und deren Freundeskreis für die Warnsignale sensibilisieren.

Karin Eder
Über Karin Eder 540 Artikel
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Leitung Bereich Gerontologie und Validation im Ausbildungszentrum des Wiener Rotes Kreuzes GmbH.

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