AT: Kein erhöhtes Corona-Risiko für Allergiker

Allergen-spezifische Therapie trotz Pandemie möglich

(C) Crocothery

Menschen, die an Allergien oder an allergischem Asthma leiden, sind keiner erhöhten Gefahr durch Corona ausgesetzt. Im Vergleich zu gesunden Menschen ist weder die Ansteckungsgefahr größer noch besteht ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. Ebenfalls kein Risiko stellt die Corona-Schutzimpfung dar: Die Impfung mit den derzeit verfügbaren COVID-19-Impfstoffen ist insgesamt für den weitaus überwiegenden Teil der Allergiker* und Asthmatiker unbedenklich und daher jedenfalls zu empfehlen.

Aber auch im Hinblick auf die Frage, ob eine laufende allergen-spezifische Immuntherapie zur Behandlung von Heuschnupfen oder allergischem Asthma weitergeführt werden kann, gibt es von Expertenseite grünes Licht: „Eine solche Therapie muss wegen einer COVID-19-Impfung nicht beendet werden. Allergien sind also sicher keine Ausrede dafür, sich nicht gegen COVID-19 impfen zu lassen“, so der Allergie-Experte Univ.-Doz Dr. Felix Wantke, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums.

Im Rahmen der Jahrestagung der österreichischen Gesellschaft für Pneumologie ÖGP (6.-8.Okt.) gab Univ.-Doz Wantke einen Überblick über den aktuellen Stand der allergen-spezifischen Immuntherapie (AIT) sowie zu Fragen zum Thema COVID-19 und Allergien sowie allergisches Asthma. Wantke betonte eingangs, dass „die allergen-spezifische Immuntherapie die einzige kausale Therapie der Typ-1 Allergie ist.” Die Therapie existiert in zwei Formen: als subkutane (SCIT) und als sublinguale Therapieform (SLIT) und ist nach wie vor state of the art.

„Allergie-Impfung“ macht resistent gegen Allergene

Bei der AIT wird das Immunsystem durch eine Art Allergie-Impfung mit dem unverträglichen Stoff, dem Allergen, für zukünftige Kontakte „abgehärtet“, um so in Zukunft allergische Reaktionen zu verhindern. Der Unterschied der beiden zur Verfügung stehenden Therapieformen, subkutan oder sublingual, liegt primär in der Applikationsform. Bei der Subkutanen Immuntherapie wird das Allergen mittels Injektion in das subkutane Fettgewebe injiziert. Bei der Sublingualen Immuntherapie wird das Allergen über Tropfen- oder Schmelztabletten, die unter die Zunge geträufelt bzw. gelegt werden, verabreicht.

AIT bei Heuschnupfen und allergischem Asthma

Die spezifische Immuntherapie eignet sich zur Behandlung von Rhinokonjunktivitis (durch Pollen, Hausstaubmilben oder Pilzsporen verursachter „Heuschnupfen“) und leicht- bis mittelgradigem, allergischem Asthma bronchiale. Ab einer Beschwerdedauer von zwei Jahren, einer unzureichenden symptomatischen Therapie (Antihistaminika & topische Steroide), schwieriger Allergenkarenz, positiver Familienanamnese und einem Alter ab fünf Jahren sollte die Therapie erwogen werden. „Es spricht nichts dagegen, subkutane und sublinguale Therapien auch zu kombinieren“, so Wantke.

Konsequente Therapietreue wichtig

Bei der subkutanen Immuntherapie wird eine steigende Allergendosis so lange gespritzt, bis die sogenannte Erhaltungsdosis erreicht ist. Die Therapiedauer beträgt drei Jahre. Sublinguale Therapien erstrecken sich ebenfalls über drei Jahre, die Aufdosierungsphase kann hier mitunter entfallen. Wantke wies darauf hin, „dass aber für den Erfolg der Behandlung die Therapietreue der Patienten von entscheidender Bedeutung ist, aber leider oft zu wünschen übrig lässt.“

Bei saisonal bedingten Allergien ist es wichtig, rechtzeitig vor der jeweiligen Allergie-Saison mit der Immuntherapie zu beginnen. Bei einer Allergie gegen Frühblüher zum Beispiel wäre genau jetzt im Herbst der richtige Zeitpunkt dafür. Im Frühjahr, wenn die Pollensaison da ist, ist es zu spät.

Kein Hinderungsgrund für Corona-Impfung

„Viele Patienten haben Sorge“, so Wantke, „dass COVID-19-Impfung und AIT einander ausschließen.“ Der Allergieexperte gibt aber Entwarnung: „Unter einer laufenden spezifischen Immuntherapie kann man problemlos eine Corona-Impfung durchführen. Während der wöchentlichen Aufdosierungsphase ist ein Abstand von fünf Tagen zur Corona-Impfung zu empfehlen, bei der Erhaltungsdosis zwei Wochen.“ Bei der sublingualen Therapie empfiehlt der Experte, drei Tage vor und nach der COVID-19-Impfung keine Tropfen/Tabletten einzunehmen. Um Arztbesuche in der Pandemiezeit zu minimieren, bietet sich die Verwendung von sublingualen Hochdosispräparaten an, soweit verfügbar. Wantke abschließend: „Wichtig ist es für die Patienten, zu wissen, dass die Immuntherapie bei Allergien kein Hinderungsgrund für eine Corona-Impfung ist.“

 

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text auf eine gendergerechte Schreibweise verzichtet. Sofern nicht anders vermerkt, gelten alle Bezeichnungen für alle Geschlechter.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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