AT: Kampf für Sichtbarkeit. Europäische Intersex-Bewegung in Wien

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Wien (OTS) – Wien ist diese Woche das Zentrum des europäischen Intersex-Aktivismus. Grund dafür sind die menschenrechtsverletzenden Operationen und Behandlungen an intergeschlechtlichen Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen. Diese finden noch immer in mehr als zwanzig EU-Ländern statt, wie die Europäische Grundrechteagentur kritisiert.

„Geschlechtsverändernde Eingriffe an intergeschlechtlichen Menschen, die nicht vollkommen und umfassend aufgeklärt zustimmen können, stellen eine Verletzung der körperlichen Integrität dar und sind vehement abzulehnen“, so Tinou Ponzer, Vize-Obmensch des Vereins intergeschlechtlicher Menschen Österreich. „Wir fordern daher rechtliche Anerkennung und umfassenden Schutz vor Diskriminierung. Insbesondere die Operationen und hormonellen Eingriffe an intergeschlechtlichen Kindern müssen sofort beendet werden!“ Auch das UN-Komitee gegen Folter verurteilt diese Operationen als unmenschliche Behandlungen und fordert deren Ende sowie Entschädigung für die Opfer.

Operationen nehmen nicht ab

Aktuelle Studien zeigen, dass trotz erhöhter medialer Aufmerksamkeit die Zwangsoperationen an intergeschlechtlichen Menschen nicht abnehmen. Anstatt Intergeschlechtlichkeit als natürliche Variation des Geschlechts anzuerkennen, werden Menschen mit gesunden Körpern weiterhin pathologisiert. Heute noch finden sich in der „International Classification of Diseases“ (ICD-10), dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisationen, über 50 Diagnosen, die Intergeschlechtlichkeit als krank abwerten. In Österreich hat sich mittlerweile die Bioethikkommission des Bundeskanzleramts mit der Thematik befasst. Eine Stellungnahme wird in den nächsten Wochen erwartet und gilt als richtungsweisend für die zukünftige gesetzliche Behandlung. „Es war längst überfällig, dass sich auch in Österreich ein Fachgremium mit dem Thema auseinandersetzt. Vergleichbare Stellen in Deutschland und der Schweiz haben das bereits vor Jahren gemacht“, so Eva Matt, Juristin der Plattform Intersex

Intersex Konferenz 2017

„Intergeschlechtliche Menschen waren viel zu lange unsichtbar – das verändern wir“, so Tobias Humer von VIMÖ. In den kommenden Tagen findet in Wien das weltweit erste Community Event von Mitgliedern des Europäischen Intersex-Dachverbands OII Europe statt. Den Höhepunkt bildet eine öffentliche Konferenz im Wiener Rathaus, zu der Vortragende aus ganz Europa und den USA anreisen. Ziel der Tagung ist die Sichtbarmachung von Intergeschlechtlichkeit in Österreich. „Eine Politik, die eine inklusive Gesellschaft anstrebt, muss sich auch mit den Bedürfnissen intergeschlechtlicher Menschen auseinandersetzen“, so Tobias Humer abschließend.

Plattform Intersex Österreich, Intersex Konferenz 2017, www.intersex-conference.at

Markus Golla
Über Markus Golla 4756 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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