AT: Kärntens Gesundheitsreferentin legt umfassendes Pflegepaket vor

(C) Silvia Eder

LHStv.in Prettner: 420 Euro monatliche Ausbildungsprämie – Land übernimmt Schulgeld – Anstellungssystem für Pflegefachassistenten in Ausbildung

Seit Monaten laufen Gespräche, Verhandlungen, rechtliche Abklärungen: „Unsere Vorbereitungen für ein umfassendes Pflegeausbildungspaket sind in der Finalisierungsphase. Die Maßnahmen, die wir in Kärnten umsetzen, werden die Pflegeausbildung sehr attraktiv machen. Damit wollen wir jenen Personalstand sicherstellen, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlastet, der die Dienstzeiten verlässlich macht und der damit die Pflegeversorgung in Summe stärkt“, kündigt Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner heute, Donnerstag, eine „in dieser Form nie dagewesene Offensive“ an.

„Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Offensivpaket viele zusätzliche und dringend benötigte Pflegekräfte ausbilden können“, betont Prettner. „Bislang haben wir jedes Semester neue Ausbildungsprojekte angeboten und dadurch die Zahl der jährlichen Absolventen auf knapp 400 gesteigert. Die demografische Entwicklung, die geänderten Arbeitszeiten, die steigenden Belastungen machen die Situation aber jedes Jahr herausfordernder. Die seit zwei Jahren wütende Coronapandemie hat die Situation weiter verschärft. Daher ist es jetzt notwendig, völlig neue Anreize zu schaffen – und zwar erstmals finanzielle Anreize“, sagt Prettner.

„Das Land Kärnten wird daher allen Auszubildenden eine monatliche Prämie von 450 Euro bezahlen. Gemeint sind alle drei Ausbildungsformen, nämlich Pflegeassistenz (1 Jahr), Pflegefachassistenz (2 Jahre) und diplomiertes Pflegepersonal an der Fachhochschule (3 Jahre)“, konkretisiert die Gesundheitsreferentin. Der Bezug der Prämie soll auch ein Anreiz dafür sein, die Absolventen für eine Beschäftigung in Kärnten zu halten. „Zudem wird das Land das Schulgeld bzw. den Kursbeitrag für Schülerinnen und Schüler in den Caritas- und Diakonieschulen sowie an der GuK übernehmen“, informiert Prettner über die zweite wichtige Maßnahme.

Als dritter Punkt wird – und das wäre in Österreich einzigartig – eine Anstellung von künftigen Pflegefachassistenten während ihrer zweijährigen Ausbildungszeit angestrebt. „Es sind gerade Pflegefachassistenten, die wir ganz besonders benötigen. Daher versuchen wir, mit dem Anstellungssystem in diesem Ausbildungsbereich zu beginnen. Das ist allerdings mit rechtlichen Stolpersteinen und mehreren Gesetzesänderungen verbunden. Wenn wir diese offenen Fragen bis September klären können, wird das Anstellungssystem in der Pflegefachassistenz (anstelle der Prämie) schon mit Beginn des nächsten Schuljahres umgesetzt“, kündigt Prettner an.

Im Pflegeheimbereich wird die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heuer um rund 100 weitere Vollzeitkräfte aufgestockt: Ein Teil, rund die Hälfte, ist auf die Arbeitszeitverkürzung von 38 auf 37 Stunden pro Woche zurückzuführen. Das zusätzliche Personal muss bis spätestens 1. April eingestellt sein. Der Rest wird im Zuge einer Novelle der Kärntner Heimverordnung, sprich mit einer Änderung des Personalschlüssels, realisiert. „Für eine weitere Verbesserung des Personalschlüssels sind Verhandlungen mit dem Gemeinde- und Städtebund erforderlich“, erklärt Prettner.

Sämtliche finanziellen Maßnahmen zur Attraktivierung der Pflegeausbildung und damit zur Stärkung der Pflege werden mit Start des nächsten Unterrichtsjahres in Kraft treten.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)