AT: Jahrestagung der IG pflegende Angehörige – Veranstaltungsbericht

Die Interessengemeinschaft setzt sich österreichweit für die Anliegen der Angehörigen, die ihre Familienmitglieder / Freunde/innen daheim oder in stationären Einrichtungen betreuen und begleiten, ein. Als gemeinnütziger Verein vertritt sie die Interessen von pflegenden Angehörigen in ganz Österreich mit Sitz in Wien.

Warum sich pflegende Angehörige organisieren

Sich der Pflege eines Angehörigen zu widmen stellt für hunderttausende Menschen in Österreich einen – oft als ganz selbstverständlich empfundenen – Teil ihres Alltags dar. Kaum eine andere „Arbeit“ ist jedoch so vielschichtig und schwierig abzugrenzen, emotional wie körperlich so beanspruchend, insgesamt so fordernd und befriedigend zugleich. Die Pflege eines Angehörigen erstreckt sich oft über Jahre und wird zu einem prägenden Bestandteil des eigenen Lebens. Die bewusste Entscheidung zur Übernahme der Pflege eines nahen Verwandten ist allerdings eher die Ausnahme. Diese wenig ausgeprägte Selbstwahrnehmung entspricht dem „Image“ pflegender Angehöriger in der Gesellschaft: Ein solches ist schlichtweg kaum vorhanden. Es fehlt an Anerkennung, Information, Vernetzung, niederschwelligen Beratungs- und Unterstützungsangeboten und vielem mehr. Umso wichtiger und längst an der Zeit ist es, dass sich pflegende Angehörige in dieser Rolle organisieren, sich eine Plattform für ihre Interessen und Anliegen schaffen und damit auch an die Öffentlichkeit treten. – IG Pflegende Angehörige

Ein Grund für Pflege Professionell der Jahrestagung 2017 beizuwohnen. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Motto „Medienarbeit“. Zu diesem Thema wurden kompetente Vortragende eingeladen, die alle TeilnehmerInnen mit entsprechenden Input versorgten.

Prof. Dr. Fritz Hausjell (C) Markus Golla

Nach einem kurzen Auftritt von Bundesminister Alois Stöger, der die Neuigkeiten zum Thema „Aktion 20.000“ verkündete, eröffnete Prof. Dr. Fritz Hausjell, Stellvertretender Vorstand des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft die Themenvielfalt. Sein Vortrag beschäftigte sich mit der Fragestellung, wie man „pflegende Angehörige“ noch besser erreichen könne und welche Themen für nationale und internationale Presse interessant sein könnten. Da Prof. Hausjell vor einigen Jahren selbst einen Angehörigen pflegte, merkte man schnell, dass es nicht nur ein 0815 Vortrag eines Publizisten, sondern ein wichtiger Beitrag eines Betroffenen war. Mit dem Satz „Werden Sie noch präsenter oder machen sie am besten ein eigenes Medium.“ übergab er an die nächste Rednerin.

Mag. Beate Tomassovits (Ö1) (C) Markus Golla

Diese wertvollen Tipps konnte man gleich mit Frau Mag. Beate Tomassovits (Ö1) besprechen, die das selbe Thema aus der Sicht der „Medien“ vorstellte. Hierbei wurde aber nicht nur der Gegenstand „Was macht ein Thema für die Medien interessant?“, sondern auch die Generierung von qualitativ hochwertigen Beiträgen besprochen. Natürlich gab es einige Hörbeispiele des Radiosenders Ö1, die diesen tollen Vortrag mit aktuellen Beispielen verstärkten. Besonders beeindruckend war hierbei die Einspielung der Radionsendung mit Goran Zikic, der trotz Spastik ein hervorragendes Interview ablieferte. „Wir Medien wollen Geschichten aus dem Leben und pflegende Angehörige haben eine Menge davon.“ Mit diesen abschließenden Worten übergab sie das Rednerpult an die nächste Rednerin.

Mag. Elke Kunar (C) Markus Golla

Nun wurde das Ganze durch die Präsentation von Frau Mag. Elke Kunar vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz abgerundet. Sie zeigte, wie vielfältig das Unterstützungsangebot unseres Landes bereits ist und was derzeit alles möglich ist. Hier werden bereits Millionen in das Thema „Pflegende Angehörige“ investiert und die Bereitschaft für weitere sinnvolle Projekte wurde ganz klar signalisiert. Eine wirklich schöne Begebenheit des Tages:“ Frau Mag. Kunar war den ganzen Tag anwesend und schrieb sich auch Anliegen und Ideen der teilnehmenden Personen auf.“ Dies zeigte, dass es sich von Seiten des Bundesministerium nicht nur um einen Höflichkeitsbesuch handelte, sondern man die Kommunikation und die Lösungsansätze der Akteure sucht und fördern möchte.

 

Präsidentin Birgit Meinhard-Schiebel (C) Markus Golla

Nach einer kurzen Pause leitete Präsidentin (IG Pflegende Angehörige) Birgit Meinhard-Schiebel zu einem kleinen Workshop über. Hierbei wurde in Gruppen die unterschiedlichsten Themen diskutiert. Die interessanten Diskussionen wurden von ModeratorInnen zusammengefasst und die Ergebnisse im Anschluss im Plenum vorgestellt. Die Motivation der AkteurInnen war deutlich zu spüren und alle Inhalte wurden aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet. Die 7. Jahrestagung der Interessengemeinschaft für Pflegende Angehörige war ganz klar ein voller Erfolg und man darf gespannt sein, was dieser großartige Verein in den nächsten Jahren sonst noch auf die Beine stellen wird.

 

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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