AT: Internationales Handbuch zur Evaluation von AAL-Lösungen aus Österreich

AAL
eue Technologien, Smartphones, Tablets und Apps sowie Roboter eröffnen viele Möglichkeiten: Active and Assisted Living (AAL) Technologien können viele ältere Menschen gut im Alltag unterstützen.

Ein Meilenstein in der Bewertung von AAL-Lösungen ist dem AIT Center for Technology Experience im Projekt „3vAALuation“ in Kooperation mit der FH Kärnten gelungen

Active and Assisted Living (AAL)-Technologien und Lösungen wie Notruf-Systeme, digitale Schließanlagen, Sturzprävention oder Aufstehhilfen bis hin zu Pflegerobotern oder smarten „Helferleins“ im Haushalt bieten vielen älteren Menschen die Möglichkeit, in ihren eigenen vier Wänden selbständig leben zu können. Oft scheitert die reale Umsetzung und der konkrete Einsatz von AAL Lösungen aber an Bedenken bezüglich Kosten, Nutzen, Rentabilität oder einer Stigmatisierung.

Altersgruppe 65+ nimmt rasant zu

Dabei wird die Zielgruppe immer größer. Gemäß aktuellen Erhebungen leben in Österreich bereits mehr Personen im Alter von 65 und mehr Jahren als unter 20-Jährige. Darüberhinaus wird der Anteil der über 65-Jährigen in den nächsten Jahren weiter stark zunehmen und sich laut Statistik Austria von derzeit 19,2 auf 26,4 % im Jahr 2040 erhöhen. Zudem steigt die Lebenserwartung: sie liegt aktuell bei Frauen bei 84,0 und bei Männern bei 79,3 Jahren. „Umso wichtiger ist es, neue Technologien zu nutzen, die auf Active und Assisted Living abzielen – sie können die Menschen wirklich großartig dabei unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter führen zu können. Ein entscheidender Punkt ist dabei aber, sich die wissenschaftlich belegbaren Wirkungspotenziale genau anzusehen“, ist Julia Himmelsbach, Wissenschaftlerin am AIT Center for Technology Experience, überzeugt. Was es aber dazu braucht, dass mehr AAL Lösungen tatsächlich realisiert werden, ist ein Leitfaden, der Verantwortlichen dazu dient, die Umsetzung von AAL Lösungen besser bewerten zu können. „Es gab ja bislang schon sehr viele AAL-Lösungen, aber nur ganz wenige Lösungen schafften es auch, auf den Markt zu kommen“, bedauert Himmelsbach.

„EvAALuation“ zur standardisierten Bewertung von AAL Produkten und Services

Daher wurde die Projektreihe „EvAALuation“ gestartet, die vom Technologie- und Innovationsministerium (BMK) beauftragt wurde. Während es im ersten Projekt darum ging, zunächst passende Indikatoren zu entwickeln, stand bei „EvAALuation²“ die Entwicklung von konkreten Messinstrumenten und Fragebögen für die Evaluierung der Wirkung von AAL Lösungen im Vordergrund. Im dritten Projekt „3vAALuation“, das im Dezember 2021 abgeschlossen wurde, ging es um eine Überprüfung und Weiterentwicklung sowie die Schaffung eines standardisierten und international einsetzbaren Bewertungsinstrumentariums für AAL-Lösungen. Im Vordergrund stehen dabei potentielle positive Effekte für ältere Nutzer:innen (Erhaltung und/oder Erhöhung der Lebensqualität, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben) und prinzipielle Anforderungen an die Technologien (Usability, einfache, intuitive Nutzung, keine Stigmatisierung oder Diskreditierung der Nutzer:innen). Betriebs- und volkswirtschaftliche Aspekte wurden ebenso in dieser umfassenden Analyse berücksichtigt, insofern bestehende Rahmenbedingungen für eine flachendeckende Umsetzung in 14 europäischen Ländern untersucht wurden.

AAL-Beauftragte, öffentliche Einrichtungen, Pflegeorganisationen, Unternehmen, die AAL-Angebote bereitstellen möchten, aber auch ältere Personen selbst sollen konkrete Handlungsanleitungen für die Praxis bekommen, ob eine AAL Lösung sinnvoll ist bzw. welche Herausforderungen bewältigt werden müssen. Das Projektergebnis ist ein standardisiertes und international einsetzbares Handbuch mit dazugehörigen validierten Fragebögen, das eine Bewertung von AAL-Lösungen in den Anwendungsbereichen Gesundheit, Pflege sowie Tätigsein & Humanpotential ermöglicht.

Methodik und Vorzüge des Handbuchs

Die englische Übersetzung und internationale Erweiterung des „EvAALuation²“-Handbuchs sind wesentliche Elemente dieses Forschungsprojektes. Die länderspezifizischen Analysen für 14 europäische Länder fokussieren ökonomische, institutionelle sowie rechtliche Charakteristika und die validierten englischsprachigen Fragebögen sind für eine breite Wissenschaftsgemeinde zugänglich. Das Handbuch selbst besteht aus drei Teilen: 1. Allgemeine Prozess- und Methodenbeschreibung, 2. Indikatoren für das Fachpublikum sowie 3. Konkrete Beispiele zur Anwendung des Handbuchs in der Praxis.

Was das Projekt einzigartig macht

3vAALuation zeichnet sich insbesondere durch eine interdisziplinäre Herangehensweise, fundierte Einbindung aller Stakeholder:innengruppen, Berücksichtigung von pragmatischen sowie ethischen Aspekten sowie die expliziter Bezugnahme auf eine zukünftig praktische Verwertung aus. „Wir haben mit dem Handbuch jetzt wirklich ein tolles Instrumentarium – es ist eine völlig neue und ganzheitliche Weise, AAL-Produkte und Services zu betrachten“, stellt Julia Himmelsbach fest.

Auch beim Projektpartner, der FH Kärnten verweist Albert Luger vom Institute for Applied Research on Ageing (IARA) auf den Mehrwert des Projekts: „Wir haben mit diesem internationalen Handbuch ein gutes Messinstrumentarium als Entscheidungshilfe entwickelt und hoffen, dass damit in Zukunft AAL-Produkte und Services tatsächlich schneller realisiert werden können. Dies geschieht einerseits zum Wohle der immer älter werdenden Bevölkerung und andererseits, damit internationale und nationale Forschungseinrichtungen und Institutionen noch stärker zusammenarbeiten und somit gegenseitig voneinander lernen und profitieren können.“

Ausblick in die Zukunft

Ein nächster Schritt wäre die Einrichtung einer Website bzw. die gezielte Datenanalyse, um die Praxistauglichkeit der Forschungsergebnisse zu verbreiten und weiterzuentwickeln. Zudem sind die Forscher:innen auch an internationalem Benchmarking bzw. Erfahrungen aus den einzelnen Ländern interessiert.

Das Handbuch steht auf der FFG-Website zum Download zur Verfügung: https://www.ots.at/redirect/ffg10

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)