AT: Internationaler Frauentag 2022: Brustkrebs ist nach wie vor Krebstodesursache Nr. 1 bei Frauen

Priv.-Doz.in Dr.in Valerie NELL-DUXNEUNER - Stellvertretende Leitende Ärztin der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK); Assoc.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Marija BALIC - Vizepräsidentin Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG), Klinische Abteilung für Onkologie, LKH Universitätsklinikum Graz und Mag.a Sonja Kato (Moderation).

Präsentation „Memorandums Brustkrebs 2030“

Laut Statistik Austria ist Brustkrebs mit einem Anteil von etwa 29 Prozent an allen Tumoren die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich werden über 5.000 Brustkrebs-Neuerkrankungen in Österreich registriert, von denen 5 bis 10 % erblich bedingt sind. Die 5-Jahres Überlebensrate liegt dank therapeutischer Innovationen heute bei etwa 87 %.1 Eine weiterhin schlechte Prognose haben Brustkrebsfälle, die zu spät diagnostiziert werden oder einer hochriskanten Sonderform wie dem dreifach negativen Brustkrebskarzinom zuzuordnen sind (rund 15 Prozent leiden am sogenannten triple-negativen Brustkarzinom (TNBC)).2,3 Umso wichtiger sind daher frühe Diagnosen und Vorsorgemaßnahmen, die speziell Hochrisikogruppen – beispielsweise bei familiären Häufungen oder genetischen Mutationen – beim Screening fokussieren. Entsprechende Versorgungsstrukturen sind dabei entscheidend, um dem Ziel der WHO für das Jahr 2030 näher zu kommen: Der Heilung von Brustkrebs. Kernforderungen des aktuell präsentierten „Memorandum Brustkrebs 2030“ sind der Ausbau von Versorgungsstrukturen: Telemedizinische Angebote, die Ausweitung der psychoonkologischen Angebote sowie die Etablierung von Patient Navigators oder Onko-Nurses sind die wichtigsten Beispiele. +++

Die Häufigkeit, an Brustkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter an und erreicht zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr einen Krankheitsgipfel. In den letzten Jahren es aber auch bei jüngeren Frauen zu einem Anstieg der Erkrankungsrate gekommen. 4 Umso wichtiger ist eine frühe Diagnose und entsprechendes Bewusstsein, zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Vorsorgeuntersuchungen, so zeigt der kürzlich erschienene Österreichische Krebsreport auf, wurden aufgrund der Pandemie weniger in Anspruch genommen. So sind im Jahr 2020 rund 41.000 weniger Frauen (ein Minus von 13 Prozent gegenüber 2019) zur Mammographie gegangen5. In diesem Sinn appelliert MMag.a Dr.in Susanne Raab, Bundesministerin für Frauen, Familie, Integration und Medien, anlässlich des Internationalen Frauentages auf die Gesundheit zu schauen: „Als Frauenministerin möchte ich Frauen dazu ermutigen, die Vorsorgemöglichkeiten wahrzunehmen und regelmäßig am kostenlosen Brustkrebs-Früherkennungsprogramm (‚früh erkennen‘) teilzunehmen. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Früherkennung und Vorsorge auch in der Öffentlichkeit mehr an Bedeutung gewinnen. Ich habe die große Hoffnung, dass die Vision 203 umgesetzt wird und bis 2030 keine Frau mehr an Brustkrebs sterben muss. Das ‚Memorandum Brustkrebs 2030‘ ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.“

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs

Brustkrebs tritt in verschiedensten Formen auf, die sich in molekularen und Gewebemerkmalen unterscheiden. Zu den Merkmalen, die Brustkrebszellen auf ihrer Oberfläche tragen können, gehören verschiedene Bindungsstellen, sogenannte Rezeptoren. An diese Bindungsstellen können körpereigene Stoffe „andocken“, wie zum Beispiel Hormone (die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron) sowie Wachstumsfaktoren. Diese sind auch für die Wahl der Therapie entscheidend. Um ein Beispiel zu nennen: Beim sogenannten triple-negativen Brustkrebs bilden sich auf der Oberfläche der Brustkrebszellen weder Bindungsstellen für die Hormone, noch ist der Wachstumsfaktor HER2 ausgeprägt. Daher sind hier Antihormontherapien und die HER2-gerichtete Antikörpertherapie wirkungslos. Besonders im fortgeschrittenen Stadium ist triple-negativer Brustkrebs bisher schwer zu behandeln. Dies bestätigt auch Assoc.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Marija Balic, Vizepräsidentin der Austrian Breast & Colocteral Cancer Study Group (ABCSG): „Was die Behandlung von Brustkrebs so schwierig macht, ist der Umstand, dass Brustkrebs als Erkrankung so vielschichtig sein kann. Es gibt beispielsweise viele Subtypen. Neben dem Großteil sogenannter hormonrezeptorpositiver Erkrankungen existieren sehr aggressive und bisher nur schwer behandelbare Subtypen. Für eine Verbesserung der Situation für Frauen, die von diesen Subtypen betroffen sind, ist eine aktive klinische Forschung daher das A & O. Je früher und gezielter Frauen behandelt werden können, desto besser sind die Ergebnisse.“

Vorsorge sowie Ausbau der Mammographie umso wichtiger

Seit 2014 ist das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm „früh erkennen“ wesentlicher Bestandteil der Österreichischen Brustkrebsvorsorge. Im Intervall von 24 Monaten können alle Frauen im Alter von 45 bis 69 Jahren zur kostenlosen Mammographie gehen, zusätzlich werden sie durch ein Einladungsschreiben daran erinnert. Auch die Altersgruppe 40 bis 44 sowie Frauen ab 70 können am Programm teilnehmen. „Wichtig ist es, das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm weiter zu fördern, auszubauen und zielgerichteter zu gestalten. Brustkrebs kann sehr viele Ausprägungen haben. Umso wichtiger ist daher ein Screening, das die erwähnten Subtypen rechtzeitig identifiziert, um schnellstmöglich mit einer entsprechenden Therapie starten zu können, bekräftigt Priv.-Doz.in Dr.in Valerie Nell-Duxneuner, stellvertretende Leitende Ärztin der Österreichischen Gesundheitskasse. Weitere Informationen zum Brustkrebsfrüherkennungsprogramm unter: www.frueh-erkennen.at

„Memorandum Brustkrebs 2030“ zeigt die Vision in der Brustkrebsversorgung

Zentrales Anliegen des „Memorandum Brustkrebs 2030“ ist es, Möglichkeiten für eine Optimierung der Brustkrebsversorgung in Österreich aufzuzeigen und damit eine Vision 2030 mitzugestalten. Bereits beim jährlichen „Future :: Health & Science Talk“ – eine seit Jahren etablierte Plattform, um Zukunftsthemen aus dem Gesundheitswesen zu diskutieren – haben ExpertInnen das Thema mit EntscheiderInnen diskutiert. Im entstandenen Memorandum sind die maßgebenden Stakeholder aus der Brustkrebsversorgung sowie dem Österreichischen Gesundheitssystem zu Wort gekommen. Zu den Kernforderungen der Vision Brustkrebs 2030 zählen der Ausbau der Psychoonkologie, die Ausweitung telemedizinischer Angebote und die Etablierung von „Onco-Nurses“ und „Patient Navigators“ in der Versorgung. „Um den Patientinnen den schwierigen und oft sehr bürokratischen Weg der Krebserkrankung zu erleichtern, wünsche ich mir die Installierung von Case Managern. Diese haben die Aufgabe, Brustkrebspatientinnen durch das „System Brustkrebs“ zu führen und ihnen zu helfen, sich mit der neuen Lebenssituation sowie oftmals schwierigen Begleitfaktoren, zurecht zu finden. Eine Krebserkrankung stellt vor allem eine psychische Belastung dar. So haben Betroffene während der Corona-Pandemie aufgrund der strengen Zugangsbeschränkungen in den Krankenhäusern viele belastende Situationen alleine bewältigen müssen und konnten ihre Ängste und Zweifel mit niemandem teilen. Umso wichtiger ist es, die Psychoonkologie weiter auszubauen, damit Betroffene ihre Therapie nicht abbrechen“, so Dr. in Tanja Schneider, National Representative von Europadonna Österreich; Mitbegründerin der Facebook Gruppe „Brustkrebs Österreich“.

WEITERE STATEMENTS

„Es ist die Mission von Gilead Sciences, innovative Therapien für Menschen zu erforschen, die an lebensbedrohlichen Krankheiten leiden. Durch gezielten Fokus auf PatientInnen und deren Bedürfnisse konnten wir bereits wegweisende Fortschritte bei Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis B, sowie Hepatitis C erzielen. Unser Einsatz gilt jedoch weit über die Grenzen der Virologie hinaus. Mithilfe unserer einzigartigen Ambition für Innovation ist es unser Ziel, Brustkrebstherapien für Patientinnen zu entwickeln, für die bisher keine effektive zugelassene Therapieoption zur Verfügung steht.“, betont Dr. Luc Hermans, Vice President Gilead Europe.

„Es ist Gilead Sciences ein großes Anliegen, die Brustkrebsversorgung in Österreich maßgeblich weiterzuentwickeln und mitzugestalten. Gemäß der im Memorandum definierten „Vision 2030“ engagieren wir uns für die Bedürfnisse der Brustkrebspatientinnen der Zukunft. Gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen diese Vision verwirklichen.“, so – Dr.in Amaya Echevarría, Geschäftsführerin Gilead Sciences Österreich


[1] https://www.ots.at/redirect/krebshilfe
(zuletzt abgerufen am 02.03.2022)

[2] Österreichischer Krebsreport. Herausgeber und Medieninhaber: Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie und Österreichische Krebshilfe-Gesellschaft. Seite 23 ff.

[3] https://www.ots.at/redirect/cancer2
(zuletzt aufgerufen am 01.03.2022)

[4] https://www.ots.at/redirect/krebshilfe
(zuletzt abgerufen am 02.03.2022)

[5] Österreichischer Krebsreport. Herausgeber und Medieninhaber: Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie und Österreichische Krebshilfe-Gesellschaft. Seite 23 ff.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)