AT: Integrationsmaßnahmen für Fachkräfte: Expert/innen tagten bei ÖIF-Forum im Bundeskanzleramt

21. Oktober 2022 | News Österreich | 0 Kommentare

Studienergebnisse von Economica und FAS Research vor Vertreter/innen von über 15 Organisationen präsentiert; stärkerer Austausch zur qualifizierten Zuwanderung als Ziel

Am 17. Oktober 2022 lud der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) in Wien Expertinnen und Experten zu einem Forum zum Thema der Integration von qualifizierten Zuwander/innen und Schlüsselarbeitskräften in Österreich. Die mehr als 30 Teilnehmer/innen von Arbeiterkammer (AK), Austrian Business Agency, Club International (CINT), Industriellenvereinigung (IV), Wirtschaftskammer Österreich (WKO), Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (WAFF), Arbeitsmarktservice (AMS) und zahlreichen anderen Organisationen und Expert/innen aus ganz Österreich diskutierten Herausforderungen und Chancen in Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel in Österreich. Welchen Beitrag kann der Integrationsbereich für Fachkräfte aus dem Ausland leisten? Wie kann vorhandenes Potential genutzt und der Bedarf am Arbeitsmarkt gedeckt werden? Was braucht es, um ausländische Fachkräfte und ihre Angehörigen längerfristig in Österreich halten zu können? Im Rahmen des Expertenforums wurden zwei aktuelle Studienarbeiten von Studienautor/innen der FAS Research und Economica diskutiert, die in ihren jeweiligen Forschungsprojekten Aspekte des Fachkräftemangels und das Potential von Migrant/innen analysierten.

Die beiden Publikationen sind unter www.integrationsfonds.at/mediathek/mediathek-publikationen/ abrufbar.

Fachkräftepotential von Migrant/innen in Österreich nutzen

Das Forschungsprojekt „Analyse des Fachkräftepotenzials von Migrant/innen in Österreich“, durchgeführt von Christian Helmenstein, Economica, offenbart ein großes Potential durch nicht-österreichische Personen am Arbeitsmarkt. Personen mit Migrationshintergrund sind in Österreich tendenziell häufiger im untersten, aber auch obersten Bildungssegment zu finden, verfügen aber seltener über eine Ausbildung im mittleren Segment. 62 der 101 gelisteten Mangelberufe können über eine Lehrausbildung ausgeübt werden. Die Ausschöpfung des Fachkräftepotenzials im Bereich der Lehre ist für den Fachkräftemangel in Österreich bedeutend. Christian Helmenstein: „Zwar ist die Zahl der ausländischen Lehrlinge gestiegen, aber dennoch sind ausländische Staatsangehörige in der Lehrlingsausbildung unterrepräsentiert, vor allem in den technischen Sparten. Außerdem gelingt es ihnen weniger oft, die Lehrausbildung positiv abzuschließen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass das Potenzial von Akademiker/innen mit ausländischer Staatszugehörigkeit in Österreich häufig nicht entsprechend zum Einsatz kommen kann und relativ viele Studienabsolvent/innen Österreich wieder verlassen.“

Fachkräftebedarf in Österreich: Potential fördern und nutzen

In Österreich besteht ein ausgewiesener Mangel an Fachkräften. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Potentiale und Fachkräftebedarf in Österreich“ von FAS Research wurde eruiert, wie durch zielgerichtete Integrationsmaßnahmen das vorhandene Arbeitskräftepotenzial von Migrant/innen für die immer größer werdende Anzahl der Mangelberufe besser genutzt werden kann und welche systemischen Hebel hierfür infrage kommen. Studienautor Harald Katzmair: „Erfolgsfaktoren zur Bekämpfung des Fachkräftemangels liegen unter anderem in der Vereinfachung von Verfahrensabläufen und legistischen Rahmenbedingungen, in der Steigerung der Attraktivität Österreichs als Arbeitsstandort, in der Förderung eines KMU-Fokus und in finanzieller und organisatorischer Unterstützung dieser Unternehmen. Ein besonders wichtiger Erfolgsfaktor ist aber die Koordination und Vernetzung von relevanten Stakeholdern: Es gibt einen großen Bedarf an einer Plattform für befasste Stellen und Organisationen, die mit dem Thema des Fachkräftebedarfs in Berührung kommen.“

ÖIF-Expert/innen-Forum als wichtige Vernetzungsplattform

Das Expert/innenforum bündelt die Expertise der relevanten Strukturpartner, um die nachhaltige Integration von ausländischen Fachkräften und qualifizierten Zuwander/innen in Österreich zu fördern. Die Ergebnisse des Forums bilden die Grundlage für vertiefende Gespräche und Arbeitsgruppen, um konkrete Themenstellungen weiter zu bearbeiten und entsprechende Angebote für qualifizierte Zuwander/innen und ausländische Schlüsselarbeitskräfte in Österreich bereitzustellen. Erste konkrete Kooperationen zu ergänzenden Integrationsangeboten für qualifizierte Zuwander/innen sind bereits in Arbeit und sollen im kommenden Frühjahr vorgestellt werden.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)