AT: Inklusion ist machbar

(C) SMS/CMCreative

Wiener Neustadt (OTS) – Mehrere Gründe sprechen aktuell dafür, dass die Eingliederung von Menschen mit Einschränkungen in den Arbeitsmarkt sinnvoll ist: Fachkräfte- und Lehrlingsmangel sowie der globale Trend bezüglich Herausforderungen auf allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gebieten. Die Veranstaltung FOKUS WIRTSCHAFT vom Sozialministeriumservice in Wiener Neustadt zeigte vor rund 100 Unternehmensvertretern Lösungsbeispiele und Fördermöglichkeiten auf.

EU-Botschafter und Whatchado-Gründer Ali Mahlodji brachte es in seiner Keynote auf den Punkt: Am Anfang und am Ende eines Lebens steht der Zufall, aber in der Zeit dazwischen kommt es darauf an, seine Potenziale im Hier und Jetzt zu entwickeln. Im Trend lägen sowohl für jugendliche Berufsanfänger als auch Unternehmen das „Zwillingspaar“ innovativ und inklusiv. Die Veranstaltungsreihe des Sozialministeriumservice FOKUS WIRTSCHAFT tourt seit drei Jahren mit diesem Motto durch Österreich, um Betriebe rund um Förderungen und Unterstützungsleistungen zur Beschäftigung von Menschen mit Einschränkungen zu informieren. Der Event in Wiener Neustadt wies einige Besonderheiten auf: Erstmals gab es außerhalb von Landeshauptstädten eine regionale Veranstaltung von zwei SMS-Landesstellen, nämlich Niederösterreich und Burgenland, bemerkenswert war auch der Veranstaltungsort mit der Geschützten Werkstätte Wiener Neustadt. Von den 160 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des metallverarbeitenden Industriebetriebs haben 120 Beschäftigte eine körperliche oder psychische Einschränkung. „Wir produzieren PKW-Anhänger in höchster Qualität, für viele andere Kunden und Kundinnen stellen wir Teile her, etwa für die höchsten Gebäude der Welt“, erklärte DI Franz Berger, Geschäftsführer der GW, der während des Events den 90.000 PKW-Anhänger als Geschenk an die Einrichtung „Gärtnerei Sollenau“ der Lebenshilfe Niederösterreich übergab.

Best-Practice-Beispiele

Nicht nur die Geschützte Werkstätte konnte als Best-Practice-Betrieb überzeugen, auch Referenten und Referentinnen der Waldquelle – Nummer 2 am heimischen Mineralwassermarkt –, eines Gastronomiebetriebes sowie eines landwirtschaftlichen Biohofes zeigten, dass Fähigkeiten von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen das zentrale Argumente sind und nicht deren Einschränkung. In den meisten dieser spielten Unterstützungsleistungen und/oder auch Lohnförderungen eine Rolle für das Engagement. „Es gibt dafür eine gesellschaftliche Verantwortung“, erklärte BIOhof-Besitzer Andreas Seiser. Waldquelle-Geschäftsführerin Mag.a Monika Fiala machte darauf aufmerksam, dass ohne Unterstützung von außen es nicht gelungen wäre, eine Mitarbeiterin umschulen zu können und ihr Wissen im Unternehmen zu halten.

Mehr als die Hälfte aller Teilnehmer interessierten sich auch für die Blitz-Workshops, die den Themen „Lehrlingssuche“ und „Unterstützung für Mitarbeiter mit psychischen Einschränkungen“ bei der Veranstaltung kostenlos besucht werden konnten.

„Leistungsfähigkeit hat nichts mit dem Grad einer Behinderung zu tun“, betonte Mag. Roman Rauter, Abteilungsleiter im Sozialministeriumservice Niederösterreich, in seinem Schlusswort der Veranstaltung. Jährlich würden rund 1.500 Unternehmen Lohnförderungen erhalten, darüber hinaus bestehen zahlreiche Fördermöglichkeiten, wie bspw. um Arbeitsplätze behindertengerecht zu adaptieren etc. Laufend werden 1.300 Lehrlinge sowie deren Lehrbetreibe durch die BAS unterstützt. So konnten im letzten Jahr 220 Jugendliche erfolgreich eine Lehrausbildung abschließen. Auch das Arbeitsmarktservice hat viele Programme und Unterstützungsmöglichkeiten, die als Eingliederungshilfe positive Effekte bewirken. „In den vergangenen drei Jahren haben wir 11.200 Personen mit Einschränkungen unterstützt, um fit für den Arbeitsmarkt zu werden“, erklärte Manfred Breithofer, stellvertretender Landesgeschäftsführer des AMS Burgenland. Mag. Manfred Rötzer, Leiter der SMS-Landesstelle Niederösterreich, skizzierte die heutige arbeitsteilige Gesellschaft: „Es geht um den Einstieg in die Arbeitswelt, eine Begleitung und die Stärkung des Selbstwertgefühl. Den ersten Schritt müssen aber Unternehmen setzen.“

Zu den zentralen Unterstützungstrukturen für Menschen mit Einschränkungen zählt das „Netzwerk Berufliche Assistenz“ (NEBA), welches mit den Angeboten Arbeitsassistenz, Jobcoaching, Berufsausbildungsassistenz, Jugendcoaching und Produktionsschule in allen Regionen Niederösterreichs und des Burgenlands flächendeckend angeboten wird und Menschen mit Behinderung, ausgrenzungsgefährdete Jugendliche sowie Unternehmen individuell, professionell und kostenfrei begleitet und unterstützt. Das NEBA Netzwerk Berufliche Assistenz ist aber auch ein Angebot für die Wirtschaft. Oftmals werden durch die im Betrieb geleistete Integrationsarbeit auch innerbetriebliche Ressourcen geschont und für den Betrieb zusätzliche Leistungen lukriert.

Allein im Jahr 2019 werden seitens des Sozialministeriumservice für die € 29,25 Mio. in das NEBA-Netzwerk in Niederösterreich und Burgenland investiert, 461 Fachkräfte sind in den unterschiedlichen NEBA-Angeboten täglich im Einsatz.

Über die Unternehmensinitiative FOKUS WIRTSCHAFT

Die österreichweite Veranstaltungsserie FOKUS WIRTSCHAFT: inklusiv // innovativ wird bereits seit 2016 durchgeführt. Zur Teilnahme angesprochen wurden fast 12.000 Unternehmen, bei den Veranstaltungen in den Landeshauptstädten wurden insgesamt knapp 1.000 TeilnehmerInnen registriert. Neben Informationen zu den Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten gab es jeweils auch einen Ausstellungsteil, um mit Experten und Expertinnen erste Kontakte knüpfen zu können. Seit kurzem werden auch Workshops für die TeilnehmerInnen angeboten, um mehr über psychische Erkrankungen oder auch die Lehrlingssuche mit NEBA – beide Workshops gibt es bei der Veranstaltung in Wiener Neustadt – zu erfahren und Betroffene besser in ihrem Verhalten verstehen bzw. in der Arbeitswelt besser integrieren zu können.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen