AT: Impfpflicht – Der Erfolg liegt in der Ausführung und nicht in der Ankündigung

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Die Impfung ist ein wesentliches Element in der Beherrschbarkeit der Pandemie. Seit einer Woche sehen wir Bilder und hören Aussagen von erschöpftem Pflege- und Betreuungspersonal, das ohne ausreichende Erholungsphasen systemrelevant und systemerhaltend die Pflege und Betreuung von Menschen mit großem Einsatz und Engagement leistet. Der schon pandemische Ankündigungsfreitag der Bundesregierung sorgt nicht für Wochenendstimmung unter den Betroffenen und führt auch nicht zur erforderlichen Entlastung des Personals. Eine verordnete Impfpflicht verlangt eine exakte Ausdifferenzierung in Bezug auf die

  • Personelle Sicherheit und damit die Frage wer, in welchen Dienstleistungsangeboten mit welcher Priorisierung verpflichtend geimpft werden soll
  • Rechtliche Sicherheit und damit die Frage, ob in bestehende Dienstverhältnisse eingegriffen wird oder Neuanstellungen damit gemeint sind, sowie die Setzung angemessener Übergangsfristen.
  • Versorgungssicherheit und damit die Fragen, wer die Mengengerüste mit welcher Verbindlichkeit erhebt, für die Verteilungslogistik verantwortlich ist und wer die Durchführungsverantwortung hat.
  • Finanzierungssicherheit – wer die erforderlichen Impfdosen, die Bereitstellung und die Umsetzung in welchem Ausmaß finanziert.

Ungelöst bleiben trotz Impflicht Aspekte der Ansteckung von ungeimpften Bewohnerinnen und Bewohnern durch geimpfte Personen. Ungelöst bleibt auch die Verantwortung bei einer Ansteckung unter Wahrung der Selbstbestimmungsrechte von Bewohnerinnen und Bewohnern wie z.B. die Ansteckung, die sich im Zuge des Verlassens von Einrichtungen ergeben kann. Beides wird trotz Impfpflicht ergänzende Maßnahmen brauchen!

Das bedeutet, dass es zu allen Impfmaßnahmen immer noch ein engmaschiges Testregime brauchen wird, das über das aktuelle Ansteckungspotential mehr aussagt, als die bloße Impfung.

Wir verlangen daher eine klare und unmissverständliche Ausdifferenzierung dieser geplanten Verordnung und dazu gehört auch das Gespräch mit und nicht nur das Gespräch über die Betroffenen, damit auch die Versorgungsicherheit aufrechterhalten und eine hohe Akzeptanz erreicht werden kann.

Jakob Kabas
Obmann Landesverband Altenpflege Steiermark

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)