AT: HOSI Wien: Affenpocken – Gesundheitsministerium hat aus Corona nichts gelernt

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Ganz Österreich bekommt weniger Impfungen als allein Berlin. Bei der Information der Bevölkerung werden Corona-Fehler wiederholt. HOSI Wien: Rauch muss jetzt handeln!

Die seit April immer häufiger werdenden Infektionen mit Affenpocken machen der Community der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, transgender, intergeschlechtlichen und queeren (LGBTIQ-)Menschen große Sorgen. Der Hauptgrund: Das Gesundheitsministerium tut viel zu wenig, um die Verbreitung aufzuhalten, sagt Ann-Sophie Otte, Obfrau der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien. „Das Gesundheitsministerium hat aus Corona nichts gelernt. Dafür ist Minister Johannes Rauch verantwortlich.“

Österreich bekommt 4.400 Impfungen, allein die Stadt Berlin 8.000. Deutschland beschafft nämlich zusätzliche Impfungen, Österreich nicht.

„Erstens werden nicht annähernd genug Impfungen bestellt“, so Otte. „Österreich hat sich der gemeinsamen Beschaffung über die EU angeschlossen und bekommt daraus gerade einmal 4.400 Impfungen. Das ist kaum mehr als die Hälfte der 8.000 Impfungen, die allein die Stadt Berlin bekommen wird.“ Denn Deutschland hat, zusätzlich zur europäischen Beschaffung, eigenständig 100.000 Impfungen bestellt. Otte fragt: „Wieso schafft das österreichische Gesundheitsministerium das nicht? Rauch kann zwar nichts dafür, wenn die EU-Beschaffung nicht ausreichend ist – aber dann muss er eben eigenständig tätig werden. Oder wozu ist er sonst Minister?“

Informationen nicht in einfacher Sprache und nicht in jenen der migrantischen Communitys. Wie sollen sich Menschen schützen, wenn sie nicht einmal informiert werden, dass sie sich schützen sollten?

Doch dann gibt es noch ein zweites Problem: „Es gibt keine umfassende Informationskampagne, die besonders gefährdete Menschen ausreichend erreichen könnte. Die Informationen sind wieder einmal nicht in einfacher Sprache aufbereitet. Wieder einmal wurden sie nicht in die Sprachen der migrantischen Communitys übersetzt. Ja, wie sollen sich Menschen denn schützen, wenn sie nicht einmal informiert werden, dass sie sich schützen sollten?“

Die HOSI Wien ist nicht nur wegen der Untätigkeit besorgt, sondern auch wegen der schlechten Informationspolitik: „Schon im Juni waren wir erstmals mit dem Ministerium dazu im Gespräch. Immer wieder wurde der LGBTIQ-Community über verschiedene Kanäle mitgeteilt, das Thema werde ernst genommen, aber die Impfbeschaffung über die EU würde eben Zeit brauchen. Letzte Woche haben wir dann beim ersten direkten Austausch in zwei Monaten erfahren, wie wenig das Ministerium tatsächlich tut“, so Otte.

„Wieder einmal wird rumgesessen, zugewartet und gehofft, das Problem würde sich von selbst lösen. Statt das Virus rasch einzudämmen, sieht Rauch bei der Verbreitung zu“, so Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien.

Nach zweieinhalb Jahren Pandemie ist das schwer nachvollziehbar: „Einer der Grundsätze, die wir während Corona gelernt haben, ist doch: ‚Be fast, have no regrets‘, also ‚Handle schnell, bereue nichts‘. Und jetzt wird wieder einmal rumgesessen, zugewartet und gehofft, das Problem würde sich von selbst lösen. Statt das Virus rasch einzudämmen, sieht Rauch bei der Verbreitung zu. Wir fordern den Gesundheitsminister auf, endlich entschlossen zu handeln, zusätzliche Impfungen zu beschaffen und für eine effektive Aufklärung der Bevölkerung zu sorgen!“

Während das Bewusstsein für die Gefahr in der LGBTIQ-Community besonders hoch ist, ruft die HOSI Wien auch heterosexuelle Menschen auf, die Affenpocken nicht zu unterschätzen. Insbesondere Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartner*innen bzw. solche, die Dienstleistungen von Sexarbeiter*innen in Anspruch nehmen, haben ein erhöhtes Risiko. Doch weil es keine reine Geschlechtskrankheit ist, sondern schon der bloße engere Körperkontakt für eine Übertragung ausreichen kann, sollten alle aufmerksam sein und schnell ärztliche Beratung aufsuchen, wenn sie Symptome feststellen.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)