AT: Hoffnung für chronisch kranke Frauen mit Kinderwunsch

Aktueller Konsens bestätigt Sicherheit von bestimmten Biologika während Schwangerschaft und Stillen

(C) Ramona Heim

„Wie können ich und mein ungeborenes Kind eine Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit danach möglichst gesund erleben?“ Diese Frage beschäftigt Frauen mit Kinderwunsch. Dies gilt umso mehr für Betroffene von chronisch rheumatischen Erkrankungen (wie rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew) oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa), die Medikamente einnehmen: „Kann die Therapie auch bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und Stillzeit fortgesetzt werden?“

Aktueller Konsens schafft Klarheit

Ein aktuelles Konsenspapier der Österr. Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie sowie der Österr. Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation bestätigt, dass die Einnahme von bestimmten Biologika – das sind biotechnisch, also aus lebenden Zellen, hergestellte Arzneimittel – vor, während und nach der Schwangerschaft – also auch in der Stillzeit – möglich ist. Schwangeren Patientinnen wird empfohlen – immer natürlich in Absprache mit dem behandelnden Facharzt und Gynäkologen – die Behandlung fortzuführen. Denn, eine durch die richtige Therapie erzielte Remission – also eine nicht aktive Erkrankung – ist für eine komplikationslose Schwangerschaft und die Zeit danach entscheidend.

Für Frauen mit Kinderwunsch bedeutet das eine große Erleichterung, da das Absetzen von solchen Therapien mitunter zu schweren Schüben vor oder nach der Geburt führen kann.

„Für die Entwicklung des Ungeborenen ist eine gut eingestellte Erkrankung der Mutter von besonderer Wichtigkeit. Wenn klinisch notwendig – das bestätigt auch der Konsens – ist eine Behandlung mit bestimmten Biologika während der Schwangerschaft möglich und unbedenklich. Gleiches gilt für die Stillzeit“, erklärt Univ. Prof. Dr. Clemens Dejaco, Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH).

Dr. Antonia Puchner, Fachärztin für Innere Medizin am AKH, ergänzt: „Falls synthetische Basismedikamente wegen Versagen oder unerwünschter Wirkungen nicht ausreichen, ist die Gabe eines Biologikums (eines sogenannten TNF Inhibitors) in der Schwangerschaft und Stillzeit möglich. Das ist für Patientinnen mit entzündlichen Gelenkserkrankungen und Kinderwunsch wirklich eine große Erleichterung!“

Fortführung der Therapie kann für Mutter und Kind wesentlich sein

Bei einer gut eingestellten chronischen Erkrankung steht einem Kinderwunsch nichts im Wege. Die behandelnden Rheumatologen und Gastroenterologen kennen den Krankheitsverlauf ihrer Patienten und die für sie relevanten Therapien. Ihre fachärztliche Begleitung sowie eine enge Absprache mit dem Gynäkologen und eine gute Vorbereitung sind wesentliche Faktoren für einen komplikationslosen Verlauf der Schwangerschaft. In jedem Fall sollte der Kinderwunsch vorab mit ihnen besprochen werden.

„Beginnt die Schwangerschaft während eines Schubs – also einer aktiven Erkrankungsphase – so erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt oder eines verminderten Geburtsgewichts des Kindes. Auch ist ein weiterer Schub und somit eine Zunahme der Erkrankungsaktivität möglich“, bestätigt Univ. Prof. Dr. Clemens Dejaco und führt weiter aus, „Eine Remission – also eine inaktive Erkrankung – ist deshalb das oberste Ziel, wenn es um die Planung und Fortführung einer Schwangerschaft geht.“

Auch Dr. Antonia Puchner betont die Relevanz einer guten Planung: „Eine hohe Krankheitsaktivität kann unter anderem dazu führen, dass die Dauer bis zum Eintritt einer Schwangerschaft verlängert ist. Eine gut kontrollierte Erkrankung führt zu insgesamt weniger Komplikationen in der Schwangerschaft für Mutter und Kind. Eine konsequente und richtige Therapie kann das ermöglichen. Patientinnen mit aktiver Erkrankung oder kürzlich gestellter Diagnose sollten die Familienplanung, wenn möglich, aufschieben.“

Eigenmächtiges Absetzen der Behandlung birgt Risiken

Keinesfalls soll die Behandlung ohne Rücksprache mit dem Facharzt eigenmächtig abgesetzt werden. „Auch wenn es ein verständlicher Wunsch ist, die Schwangerschaft so natürlich wie möglich zu erleben – wer seine Medikamente ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt absetzt, geht ein unnötiges Risiko für sein Kind ein“, bringt es Univ. Prof. Dr. Dejaco auf den Punkt.

„Patientinnen setzen oft Medikamente eigenständig ab, um ihrem Kind nicht zu schaden. In diesen Fällen ist es wichtig zu erklären, dass eine aktive Erkrankung der Mutter auch ein Risiko für das Kind bedeutet“, bestätigt Antonia Puchner.

Entscheidung wird erleichtert

Die Anfang des Jahres 2019 publizierten österreichischen Schwangerschaftsempfehlungen der Österr. Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie sowie der Österr. Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation zur Behandlung mit bestimmten Biologika bieten eine Unterstützung für die behandelnden Fachärzte und ihre Betroffenen mit Kinderwunsch, wie Univ. Prof. Dejaco unterstreicht: „Diese neuen Daten werden die Patientinnen in ihrem Kinderwunsch bestärken und ihnen die Entscheidung für eine Schwangerschaft erleichtern. Die kontinuierliche Weiterführung der Therapie ist ein Fortschritt in Puncto Sicherheit für alle Beteiligten und ermöglicht den Patientinnen eine hoffentlich beschwerde- und sorgenfreie Schwangerschaft.“

Zunahme von chronisch entzündlichen Erkrankungen

In Österreich sind 60.000 bis 80.000 Patienten von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen (Tendenz steigend), wobei es hier zumeist Menschen in den zweiten bis vierten Lebensjahrzehnten, also im reproduktiven Alter, trifft. Auch Rheuma – in Österreich leiden rund 2 Millionen Menschen daran – ist nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, eine Alterserscheinung, sondern kann in jeder Lebensphase auftreten, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Diesen Erkrankungen liegt eine Störung des Immunsystems (Autoimmunerkrankungen) zu Grunde, die entzündliche Prozesse auslöst. Der Verlauf ist schubweise, symptomfreie Zeiten wechseln sich mit akuten Phasen, in denen die chronische Entzündung aufflammt, ab. Bislang sind diese Krankheiten nicht heilbar.

Bemerkenswerte Therapieerfolge mit Biologika

Biologika spielen hier eine wichtige Rolle in der erfolgreichen Behandlung: Ihre Entwicklung hat das Erreichen neuer therapeutische Ziele für Betroffene ermöglicht, z.B. die Remission und damit eine größtmögliche Beschwerdefreiheit und eine hohe Lebensqualität. Biologika (wie z.B. die sogenannten TNF-Alpha-Blocker) unterdrücken zielgenau die gegen den eigenen Körper gerichteten Immunreaktionen und dämmen so ein Fortschreiten des Entzündungsprozesses und der Erkrankung ein.

Über AbbVie

AbbVie ist ein globales, forschendes BioPharma-Unternehmen. Die Mission von AbbVie ist es, mit seiner Expertise, seinem einzigartigen Innovationsansatz und seinen engagierten Mitarbeitern neuartige Therapien für einige der komplexesten und schwerwiegendsten Krankheiten der Welt zu entwickeln und bereitzustellen. Zusammen mit seiner hundertprozentigen Tochtergesellschaft Pharmacyclics beschäftigt AbbVie weltweit rund 29.000 Mitarbeiter und vertreibt Medikamente in mehr als 170 Ländern. In Österreich ist AbbVie in Wien vertreten und beschäftigt rund 140 Mitarbeiter. Weitere Informationen zum Unternehmen finden Sie unter www.abbvie.at

Markus Golla
Über Markus Golla 4529 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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