AT: Hirnforscher finden Schaltkreis für Spiritualität

Mehrere Datensätze ausgewertet - "Lesion Network Mapping" ermöglicht genaue Zuordnung

(C) Sagittaria

Spirituelle Akzeptanz lässt sich einem Schaltkreis im Gehirn zuordnen, wie eine Studie des Brigham and Women’s Hospital http://brighamandwomens.org zeigt. Dieser Schaltkreis ist im Periaquäduktalen Grau (PAG) zentriert. Dabei handelt es sich um eine Region des Gehirnstamms, wo Angstkonditionierung, Schmerzmodulation, altruistisches Verhalten sowie bedingungslose Liebe vermutet werden. Details wurden in „Biological Psychiatry“ publiziert.

Im Nervengewebe eingewoben

Laut dem korrespondierenden Autor Michael Ferguson legen die Ergebnisse nahe, dass Spiritualität und Religiosität in fundamentalen neurobiologischen Dynamiken verwurzelt und tief im Nervengewebe eingewoben sind. „Wir waren überrascht herauszufinden, dass der Schaltkreis für die Spiritualität sein Zentrum in einer der evolutionär am stärksten erhaltenen Strukturen hat.“

Die Forscher haben für ihre Studie mit dem „Lesion Network Mapping“ ein Verfahren verwendet, das es ermöglicht, komplexes menschliches Verhalten bei spezifischen Schaltkreisen basierend auf den Positionen von Läsionen in den Gehirnen von Patienten abzubilden. Das Team hat einen bereits veröffentlichten Datensatz genutzt, der 88 neurochirurgische Patienten umfasst, bei denen eine OP zur Entfernung eines Gehirntumors durchgeführt wurde. Die Läsionen befanden sich über das ganze Gehirn verteilt. Die Teilnehmer beantworteten Fragen zur spirituellen Akzeptanz vor und nach der OP.

Läsionen stören die Schaltkreise

Die Wissenschaftler validierten ihre Ergebnisse mittels eines zweiten Datensatzes, der aus mehr als 100 Patienten mit Gehirnläsionen bestand. Sie waren auf penetrierende Kopftraumata während des Vietnamkriegs zurückzuführen. Diese Teilnehmer füllten ebenfalls Fragebögen zu Themen wie Religiosität aus. Von den 88 neurochirurgischen Patienten wiesen 30 Personen vor und nach der Entfernung des Tumors einen Rückgang des selbst angegebenen spirituellen Glaubens auf. Bei 29 Patienten kam es zu einer Zunahme und 29 wiesen keine Veränderungen auf.

Mittels Lesion Network Mapping wurde nachgewiesen, dass sich die selbst benannte Spiritualität einem spezifischen Schaltkreis im Zentrum von PAG zuordnen lässt. Der Schaltkreis umfasste positive und negative Knoten. Läsionen, die diese jeweiligen Knoten störten, verringerten oder erhöhten spirituelle Überzeugungen. Die Ergebnisse des zweiten Datensatzes stimmten mit diesen Ergebnissen überein. Bei der Überprüfung der Literatur fanden die Experten mehrere Fallbeispiele von Patienten, die nach Gehirnläsionen, die die negativen Knoten des Schaltkreises beeinflussten, extrem religiös wurden.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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