AT: Hautärzte schlagen Alarm: Vernachlässigte Hautkrebsvorsorge in COVID-19-Krise für viele lebensbedrohlich

Prim. Univ.-Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Präsident der ÖGDV

Wien (pts/05.05.2020/10:30) Leere Dermatologiepraxen und schwer Erkrankte, die zu spät den Hautarzt aufsuchen: Die ÖGDV berichtet von aktuell besorgniserregenden Entwicklungen und appelliert, Hautkrebs-Früherkennung in der Krise keinesfalls zu vernachlässigen

Die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) schlägt Alarm: „Es gehen zur Zeit so gut wie keine Patient*innen zur Vorsorgeuntersuchung, selbst bei akuten Symptomen einer Hautkrankheit sind die Patient*innen sehr zurückhaltend“, berichtet Univ. Prof. Dr. Rappersberger, Präsident der ÖGDV. „Es kommen derzeit fast ausschließlich Patient*innen mit manifesten Hauttumoren in unsere Ordinationen und Spitalsambulanzen“, fasst er Berichte seiner Kolleginnen und Kollegen zusammen.

Eine brandgefährliche Situation, denn für den Heilungserfolg vieler schwerer Erkrankungen tickt meistens die Zeit, so auch beim Hautkrebs. „Niemand braucht übertriebene Sorge vor einer COVID-19-Ansteckung zu haben, wenn er oder sie eine Hautärztin oder einen Hautarzt besucht. Wir schützen unsere Patient*innen und uns mit Masken und bei Eingriffen mit allen erforderlichen Schutzvorkehrungen“, beruhigt Rappersberger. „Unsere Hautvorsorge-Untersuchungen in den letzten Jahren waren so erfolgreich, wir dürfen diesen Erfolg jetzt nicht aufs Spiel setzen“, warnt Rappersberger.

Über 2.000 invasive Hautkrebserkrankungen jedes Monat

Rund 25.000 invasive Hautkrebs-Neuerkrankungen gibt es jedes Jahr in Österreich. Das sind über 2.000 in jedem Monat. Die Folgen eines fast „ausgelassenen“ Monats in der Früherkennung, wie es der vergangene in der COVID-19-Krise war, können dramatisch verlaufen, warnt die ÖGDV.

Das Heimtückische am Hautkrebs ist, dass er meist lange Zeit nicht als solcher von Patient*innen erkannt werden kann, zudem nicht juckt oder Schmerzen verursacht und daher nur mit fachlich geschulten Blicken einer Dermatolog*in diagnostiziert werden kann. „Der weiße Hautkrebs sieht oft aus wie ein kleines, hautfarbenes Knötchen. Patient*innen denken oft, es wäre nur ein Pickel“, sagt Dr. Neuhofer, Fachgruppenobmann der oberösterreichischen Hautärzte. Doch gibt es beim Basalzellkrebs keine Vorstufe. Schon die erste Veränderung ist eine Krebsgeschwulst, die entfernt werden sollte.

Deutlich bösartiger als der weiße Hautkrebs ist der schwarze Hautkrebs (Melanom), da er schon sehr früh Metastasen in anderen Organen bildet. Melanome ähneln auf den ersten Blick harmlosen Muttermalen und „Alterswarzen“ und treten oft an normalerweise bekleideten Körperstellen auf.

Bei beiden Krebsarten sind die Heilungschancen heute hervorragend – wenn sie rechtzeitig entdeckt und behandelt werden. Zu spät entdeckte Hautkrebserkrankungen verlaufen dagegen oft dramatisch. So sterben jedes Jahr in Österreich rund 400 Menschen an Hautkrebs. Männer sind davon insgesamt häufiger betroffen.

Allergiebehandlungen in der Krise nicht aufschieben

Auch die Allergieambulatorien schlagen Alarm: „Wir erhalten aktuell Berichte über stark erkrankte Patient*innen mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl an Entgleisungen“, informiert Doz. Dr. Stefan Wöhrl, Allergieexperte und Präsidiumsmitglied der ÖGDV. „Diese sind vor allem auf das zu späte Aufsuchen eines Ambulatoriums oder einer ärztlichen Behandlung zurückzuführen.“ Ein Verhalten, das von vielen leider unterschätzt wird. „Das Nichtbehandeln starker allergischer Reaktionen kann gefährlich sein“, warnt Wöhrl.

Behandlung schwerer Haut-Krankheiten mit Systembeteiligung nicht vernachlässigen

Ähnliches wie für „Allergiker“ gilt auch für Patient*innen mit schweren entzündlichen Hautkrankheiten. Viele dieser Krankheiten gehen mit Erkrankungen anderer Organe einher, besonders betroffen sind Herz und Blutgefäße, Muskeln, Gelenke, Nieren, Lunge, Gehirn et cetera. „Diese schweren Krankheiten müssen weiter behandelt werden, weil sich sonst schwerste, ja lebensbedrohliche Krankheitsbilder entwickeln können. Dies gilt ganz besonders für Patient*innen, die mit Cortison, Immunsuppressiva und vor allem mit Biologika oder ’small molecules‘ behandelt werden“, appelliert Rappersberger. Entsprechende Informationen für diese Patient*innengruppe von der AG-Biologika finden sich auf der ÖGDV-Homepage unter: http://www.oegdv.at

Die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) ist eine gemeinnützige medizinische Fachgesellschaft und hat ihren Sitz in Wien. Zweck der Gesellschaft ist die Förderung der wissenschaftlichen Entwicklung und der praktischen Umsetzung des Fachgebietes der Haut- und Geschlechtskrankheiten einschließlich seiner Spezialdisziplinen; das sind Allergologie, Angiologie/Phlebologie, Dermatohistopathologie, Immundermatologie, dermatologische Genetik, operative Dermatologie, dermatologische Onkologie, Proktologie, dermatologische Kosmetologie, Photobiologie und dermatologische Laser- und Strahlentherapie, dermatologische Labordiagnostik, dermatologische Mikrobiologie, die klassischen Geschlechtskrankheiten und die anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD), physikalische Dermatotherapie, psychosomatische Dermatologie, Umweltmedizin, das Gutachterwesen sowie die Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation im gesamten Gebiet.

Karin Eder
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Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Leitung Bereich Gerontologie und Validation im Ausbildungszentrum des Wiener Rotes Kreuzes GmbH.

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