AT: Hacker und Wetzlinger: Schlussrechnung der Klinik Floridsdorf liegt vor

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Endkosten liegen mit 1,262 Mrd. Euro unter politischer Höchstvorgabe von 1,341 Mrd. Euro

Die Schlussrechnung für die Klinik Floridsdorf ist im Jänner erfolgt. „Die Kosten für die neueste und hochmoderne Klinik des Wiener Gesundheitsverbundes liegen demnach bei 1,262 Milliarden Euro und damit unter der von mir im Juni 2018 vorgegebenen Höchstgrenze von 1,341 Milliarden Euro“, so Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. In dieser Summe sind mit Stand 31.12.2021 auch 11 Millionen Euro an offenen Zahlungen und Haftrücklässen bereits berücksichtigt. Anfang Jänner wurden noch offene Zahlungen in Höhe von 7 Millionen Euro geleistet. Die restlichen vier Millionen Euro sind noch einbehaltene Haftrücklässe und werden entsprechend der Vertragslaufzeit, die 2022 endet, aufgelöst.

Mit fast allen der mehreren hundert beteiligten Auftragnehmer*innen konnten zudem – wo nötig – mittlerweile Einigungen erzielt werden. Nur drei Verfahren müssen noch weiterhin gerichtlich geklärt werden. Der Gesamtumfang umfasst dabei eine Klagsumme von etwa
3,5 Millionen Euro.

Damit liegen die Endkosten um 25,63 Prozent über der ursprünglich veranschlagten Summe von 1 Milliarde Euro – das sind 825 Millionen Euro, valorisiert per Ende 2018.

Der Bundesrechnungshof ging in seinem Bericht aus dem Jahr 2017 von Gesamtkosten von höchstens 1.405,30 Milliarden Euro aus. In eben jenem Bericht wurde zudem ausgeführt, dass eine Kostenabweichung von 15 bis 30 Prozenteine innerhalb der Literatur anerkannte Bandbreite darstellt.

Mehrstufiger Prüf-Prozess der Rechnungen: Bauzaun wurde mit fünf Prozent des Anbots abgerechnet

„Kein Bauprojekt ist risikofrei. Beim Bau der Klinik Floridsdorf kam es unter anderem durch Zeitverzögerungen zu Mehrkosten“, erklärt Herwig Wetzlinger, Generaldirektor-Stellvertreter des Wiener Gesundheitsverbundes und seit Ende 2017 für den Bau der Klinik Floridsdorf zuständig. Wetzlinger: „Umso wichtiger war es uns, genau zu schauen, welche Mehr­kosten­forderungen der Auftragnehmer*innen tatsächlich gerechtfertigt sind.“

Dafür wurde ein mehrstufiger standardisierter Prozess zu Rechnungsprüfungen und Mehrkostenforderungen aufgesetzt. So musste jede Rechnung und jede Mehrkosten­forderung sämtliche Projektbeteiligte und Kontrollinstanzen durchlaufen: Geprüft wurde somit von der Örtlichen Bauaufsicht, dem Planungsteam, der Projektsteuerung und der Begleitenden Kontrolle, bevor die Letztentscheidung im Wiener Gesundheitsverbund getroffen werden konnte. Dabei handelte es sich um zu prüfende Unterlagen von jeweils mehreren hundert Seiten. „Ein derartiger Prozess nimmt selbstverständlich Zeit in Anspruch, hat sich aber letztlich ausgezahlt“, so Wetzlinger.

Schließlich konnten in Einzelfällen Korrekturen von mehr als 90 % des eingereichten Betrags zugunsten des Wiener Gesundheitsverbundes verzeichnet werden, wie das Beispiel der Bauzaunwartung zeigt: Hier lag der Angebotspreis bei 826.000 Euro. Tatsächlich abgerechnet wurde letztlich ein angemessener Preis von 38.000 Euro.

Klinik Floridsdorf setzt neue Standards in Medizin, Technik und Architektur

Im Dezember 2018 war der Bau der Klinik Floridsdorf abgeschlossen. Kurz darauf übersiedelte das Personal aus Verwaltung und Technik ins fertig gebaute Spital. Im April 2019 lag der sanitätsrechtliche Bescheid vor und somit die behördliche Bewilligung, die Klinik Floridsdorf als Spital in Betrieb nehmen zu können. Darauf folgten gemeinsam mit dem medizinischen Personal der Klinik Floridsdorf die klinischen Betriebssimulationen, sozusagen die Generalprobe für den medizinischen Betrieb.

Die Anfang Juni 2019 eröffnete Klinik Floridsdorf hat neue Standards in Medizin, Technik und Architektur gesetzt. Knapp 2.500 Mitarbeiter*innen kümmern sich um die medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Belange der Patient*innen. Bereits ein dreiviertel Jahr nach der Inbetriebnahme brach die Corona-Pandemie aus. Insgesamt wurden in der Klinik Floridsdorf mittlerweile knapp 2000 Corona-Patient*innen betreut. Die Klinik Floridsdorf mit ihren ausgewiesenen Expert*innen leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie.

Gemeinsam mit der Klinik Donaustadt erfolgt die medizinische Versorgung der Wiener*innen im Nordosten Wiens. Dazu haben die beiden Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes ihre Leistungen aufeinander abgestimmt und ergänzen einander in der Betreuung der Patient*innen.

Patient*innen der Klinik Floridsdorf stellen dem Personal ein gutes Zeugnis aus

Alle stationären Patient*innen bekommen im Zuge ihrer Aufnahme Feedbackbögen zur Bewertung des Spitalsaufenthalts. Die Auswertung der 667 Feedbackbögen aus dem Jahr 2021 stellt der Klinik Floridsdorf und ganz besonders dem gesamten Personal ein hervorragendes Zeugnis aus.

So zeigten sich 88 % sehr zufrieden und 9 % zufrieden mit der Freundlichkeit des Personals. Mit der Zeit, die sich das Personal für die Patient*innen nahm, waren 82 % sehr zufrieden und 11 % zufrieden. Sehr eingebunden fühlten sich 79 % und 12 % fühlten sich gut eingebunden. Zusammengefasst zeigten sich 9 von 10 Patient*innen mit dem Aufenthalt im Krankenhaus zufrieden und würden die Klinik Floridsdorf weiterempfehlen. Diese Ergebnisse haben sich im Vergleich zum Jahr 2020 sogar noch weiter verbessert.

Auch die Auswertung der persönlichen Rückmeldungen von Patient*innen zeigt ein erfreuliches Bild. So ergingen im Jahr 2019 210 Dankschreiben an die Klinik Floridsdorf, 2020 waren es 363 und 2021 insgesamt 445 lobende Briefe und E-Mails.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)