AT: Grüne Wien/Huemer: Wien braucht mehr kostenloses psychologisches und psychiatrisches Angebot

Die Grünen

„Das kostenlose psychologische und psychiatrische Angebot in Wien muss dringend ausgebaut werden“, fordert Barbara Huemer, Gesundheitssprecherin der Grünen Wien, anlässlich des internationalen Tages der psychischen Gesundheit am 10. Oktober. Zudem unterstützt Huemer die Forderung des Berufsverbandes Österreichischer Psycholog:innen nach der Aufnahme psychologischer Therapie als Kassenleistung.

In Wien gibt es gravierende Defizite bei der psychischen Gesundheitsversorgung. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen fehlen Behandlungs- und Therapieplätze. Gemäß dem „Österreichischen Strukturplan Gesundheit“ (ÖSG) müsste es in Wien 180 kinder- und jugendpsychiatrische Betten geben, es sind jedoch nur 71 vorhanden. Darüber hinaus gibt es auch nur sieben niedergelassene Ärzt:innen mit Kassenvertrag. „Für eine Großstadt wie Wien ist das schon ziemlich blamabel. Benötigt werden mindestens dreimal so viele“, so Huemer und fordert unverzüglich mehr Mittel von der Stadt. „Die finanziellen Kosten psychischer Erkrankungen sind für die Betroffenen oft enorm. Hier muss die Stadt im Sinne gesundheitlicher Chancengerechtigkeit helfen und die psychische Gesundheitsversorgung rasch weiterentwickeln.“

Pandemie und Lockdown haben auch den Alltag von Kindern und Jugendlichen durch eingeschränkte soziale Kontakte, unsichere Zukunftsperspektiven, familiäre Belastungen, den Verlust von Tagesstruktur und Routinen oder erhöhtem Medienkonsum stark verändert. Laut einer Studie der Donau-Universität Krems leiden 56 Prozent der Schüler:innen ab 14 Jahren unter einer depressiven Symptomatik, 16 Prozent haben sogar suizidale Gedanken. Generell hat die Corona-Pandemie für eine Zunahme der psychischen Krankheiten in Wien gesorgt, der Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol und Cannabis bei Erwachsenen hat deutlich zugenommen. Die Isolations- und Einsamkeitserfahrungen während der Lockdowns haben ihre Spuren hinterlassen. Huemer dazu: „Wichtig ist, dass bestehende Hilfsangebote verstärkt öffentlich beworben werden, damit alle die Hilfe finden, die sie brauchen.“

Aktuell können Klinische Psycholog:innen im niedergelassenen Bereich psychologische Therapie aber nicht mit der Kasse abrechnen. „Das führt dazu, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen ihre Therapieeinheiten selbst bezahlen müssen – vielen fehlt dafür aber das Geld. Die Folge ist, dass psychische Krankheiten oft unbehandelt bleiben. Das müsste nicht sein, wäre psychologische Therapie auch eine Kassenleistung“, so Huemer abschließend.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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