AT: Gewitter im Kopf – Epilepsie im Alter

Epilepsie ist nach den Demenzerkrankungen und Schlaganfällen die dritthäufigste Erkrankung des Nervensystems in höherem Alter und bleibt dennoch aufgrund der nicht eindeutigen Symptome oft unentdeckt. Dabei können drei von vier Betroffenen geheilt werden. Fotocredit: Alek Kawka

Epilepsie ist nach den Demenzerkrankungen und Schlaganfällen die dritthäufigste Erkrankung des Nervensystems in höherem Alter und bleibt dennoch aufgrund der nicht eindeutigen Symptome oft unentdeckt. Dabei können drei von vier Betroffenen geheilt werden.

Das Krankheitsbild der Epilepsie ist oft mit Vorurteilen, Informationsdefiziten und Fehleinschätzungen behaftet. Es leiden über 80.000[i] Menschen in Österreich an dieser Krankheit. Bei Epilepsiekranken entladen sich – einem Gewitter oder Kurzschluss ähnlich – viele Nervenzellen gleichzeitig. Kein epileptischer Anfall gleicht dem anderen. „Immer tritt er plötzlich auf und wiederholt sich in unterschiedlichen zeitlichen Abständen“, erklärt Prim. Univ. Prof. Dr. Wolf Müllbacher, Vorstand der Neurologie im Göttlicher Heiland Krankenhaus. „Viele glauben irrtümlich, ein Anfall ist ausschließlich von Krämpfen begleitet: Er kann aber auch nur mit einer Bewusstseinsstörung oder Verhaltensautomatismen verbunden sein“, betont Dr. Müllbacher. Derartige Automatismen können Schmatzbewegungen der Lippen sein, andauerndes Nesteln an der Kleidung oder die Erkrankten starren einfach ins Leere. Ein guter Hinweis für Epilepsie ist, dass Betroffene sich nach einem Anfall an nichts erinnern können.

Symptome richtig erkennen und behandeln

Epilepsie im Alter ist eine der häufigsten chronischen Hirnerkrankungen, bleibt aber leider oft unentdeckt, weil die Anfälle als Verwirrtheit fehlgedeutet werden. Eine rasche und wirksame Behandlung ist aber wichtig, weil diese „Kurzschlüsse“ zu einer lang anhaltenden Veränderung des Gehirns führen können, wenn sie öfter auftreten. Auch bei älteren Menschen muss Epilepsie unbedingt erkannt und behandelt werden, da jeder Anfall im Gehirn deutliche Spuren hinterlässt. Mögliche Folgen können langanhaltende Benommenheit bis hin zur Bettlägerigkeit oder auch Störungen des Gedächtnisses sein, sodass Betroffene möglicherweise ihre Selbstständigkeit verlieren. Die medikamentöse Therapie wirkt in den meisten Fällen schnell, drei von vier Patientinnen und Patienten können erfolgreich behandelt werden.

Anfallsprophylaxe

Die medikamentöse Behandlung ist eine Voraussetzung zur Vorbeugung von Anfällen. Zusätzlich sollten einen Anfall auslösende Faktoren gemieden werden, wie z.B.: extreme Reizung der Seh- und Gehörsinne, Unterzuckerung sowie psychische und physische Stresssituationen, Alkohol, Drogen, Schlafmangel etc.

Langzeit-EEG mit Videoregistrierung bringt Klarheit

Um die Diagnose einer Altersepilepsie stellen zu können, setzt das Team der Neurologie im Göttlicher Heiland Krankenhaus eine Langzeit-EEG-Ableitung mit simultaner Videoregistrierung ein. „Wir zeichnen während des Anfalles das klinische Muster auf. So können wir den Anfall klassifizieren und daran die Therapie ausrichten“, führt Primar Müllbacher aus.

Das Krankenhaus hat außerdem eine Ambulanz für Betroffene eingerichtet:

Spezialambulanz Epilepsie

Telefonische Anmeldung erforderlich unter T: +43 1 40088-6200 in der Zeit von Mo bis Fr zwischen 13 und 15 Uhr!

Markus Golla
Über Markus Golla 9096 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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