AT: Gewerkschaft GPA NÖ: Ausbildung von Pflegepersonal aus Vietnam löst Problem nicht, wirft aber viele Fragen auf

18. Oktober 2022 | News Österreich | 0 Kommentare

Experiment mit ungewissem Ausgang – bislang kein Gespräch mit Interessensvertretern

„Die kürzlich angekündigte Ausbildung von Pflegekräften aus Vietnam in Niederösterreich wirft viele Fragen auf. Wurde vom Land wirklich genug unternommen, um die Attraktivität der Branche zu erhöhen, um wieder mehr Menschen für die Beruf zu begeistern? Seit Monaten bemühen sich Gewerkschaft und Betriebsräte aus den betroffenen Bereichen um einen Termin bei der zuständigen Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, ohne Gehör zu finden“, sagt der Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA Niederösterreich, Michael Pieber.

Bereits im April wandten sich die BetriebsrätInnen niederösterreichischer Einrichtungen mit einem Hilferuf an das Land, bislang ohne Gesprächsangebot der Landesrätin direkt.

„Die Ausbildungsinitiative des Landes in Krems wirft einige Fragen auf, die beantwortet werden müssen: Wie sieht die Entlohnung der Pflegekräfte aus? Wie sind die Arbeitsbedingungen geregelt? Sollten sie im Land eingesetzt werden? Gibt es eine Garantie dafür, dass sie auch wirklich im Land verbleiben? Außerdem löst die millionenschwere Ausbildung dieser Pflegekräfte nicht das Grundproblem. Wir brauchen mehr Geld für die Pflege, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Österreicherinnen und Österreicher für einen Beruf in der Pflege zu gewinnen“, so Pieber.

„Aktuell dürften viele Pflegekräfte das Handtuch werfen, weil die schlechten Arbeitsbedingungen und die gestiegenen Treibstoffkosten für die Nutzung des PKW nicht mehr annähernd durch Kilometergeld und Diäten abgegolten werden. Das amtliche Kilometergeld wurde seit 2008 nicht mehr erhöht. Wo bleibt das Engagement des Landes für eine längst überfällige Verbesserung der grundsätzlichen Arbeitsbedingungen und die seit Monaten fällige Erhöhung des amtlichen Kilometergeldes?“, so eine der betroffenen Betriebsrätinnen aus der Gewerkschaft GPA NÖ, Doris Wietter-Benmoussa.

„Es geht aktuell nicht um die Ablehnung von ausländischen Arbeitskräften, sondern darum, dass vom Land viel zu wenig unternommen wird, um für die derzeit Beschäftigten die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung bzw. die stark gestiegenen Kosten für den Weg zur Arbeit und in der Arbeit nachhaltig zu verbessern. So wird eine Arbeit in der Pflege sicher nicht interessanter. Es ist aber völlig unklar, ob überhaupt eine positive Wirkung erzielt werden kann. Die nun vorgestellten Maßnahmen kommen eher einem Experiment mit völlig ungewissem Ausgang und einer Kapitulation gleich“ so Wietter-Benmoussa.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)