AT: Gesundes Oberösterreich setzt Präventionsschwerpunkt auf Herz-Kreislauf-Gesundheit

27. Januar 2019 | News Österreich | 0 Kommentare

Schwerpunkt „herz.gesund.leben“: Herzgesundheit steht 2019 im Mittelpunkt

Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems stellen in den westlichen Industrieländern und somit auch in (Ober-)Österreich die häufigste Todesursache dar. 2017 waren laut Statistik Austria in Österreich 39,8 Prozent der Sterbefälle darauf zurückzuführen. In Oberösterreich waren das in absoluten Zahlen 5.330 Sterbefälle, davon 2.325 Männer und 3.005 Frauen.

Die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sind Stress, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes. Durch entsprechende Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen wäre ein Großteil dieser Erkrankungen vermeidbar. Denn ein gesunder Lebensstil gehört zu den nachgewiesenen Möglichkeiten, das persönliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.

„In Oberösterreich verfügen wir über eine hervorragende Versorgungsstruktur, wenn eine Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems vorhanden ist. Dann gilt es auch, die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen kompetent im Umgang mit der Erkrankung zu machen. Noch viel wichtiger aber ist es, deren Entstehung durch geeignete Präventionsmaßnahmen zu verhindern“, betont Gesundheitsreferentin LHStv.in Mag.a Christine Haberlander.

„Um das Bewusstsein bei den Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher zu stärken, dass sie selbst sehr viel zur eigenen Gesundheit beitragen können, setzen wir schon im Kindergarten und in der Schule an, mit unseren Programmen wie Gesunder Kindergarten, Gesunde Schule oder Gesunde Küche oder mit Projekten in oö. Schulen zur Förderung des Nichtrauchens“, erklärt die Gesundheitsreferentin.

Präventionsschwerpunkt in den „Gesunde Gemeinden“

„Mit unserem Netzwerk Gesunde Gemeinde wollen wir die breite Bevölkerung dabei unterstützen, das persönliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken“, so Haberlander.

Unter dem Motto „herz.gesund.leben“ steht daher 2019 die Herz-Kreislauf-Gesundheit im Mittelpunkt. Über die kommunale Gesundheitsförderung in den 432 „Gesunden Gemeinden“ werden breite Bevölkerungsschichten erreicht.

Maßgeschneiderte Präventionspakete Konkret haben Gesunde Gemeinden die Möglichkeit, aus einem Angebotskatalog ein maßgeschneidertes Präventionspaket für ihre eigene Gemeinde zu schnüren. Die Angebote decken dabei eine breite Palette von Gesundheitsthemen ab, die für die Förderung der Herz-Kreislauf-Gesundheit grundlegend sind:

  • Medizinische Fachvorträge zu den Themen Bluthochdruck, Herz-KreislaufGesundheit, „Frauenherzen schlagen anders“, Schlaganfall in Kooperation mit ortsansässigen Ärztinnen/Ärzten bzw. Referent/innen von gespag und KUK
  • Bewegungsworkshops zum Thema Ausdauertraining/Herz-Kreislauf-Training, richtige Trainingsmethoden/Erhalt und Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit unter Anleitung von qualifizierten Bewegungsexpert/innen
  • Ernährungsworkshop „Was das Herz begehrt“ mit Impulsvortrag zur herzgesunden Ernährung und praktischem Kochworkshop durch Diätolog/innen und Ernährungswissenschafter/innen
  • Workshops und Seminare im Bereich psychosoziale Gesundheit in Kooperation mit Psychotherapeut/innen und Expert/innen des OÖ. Landesverbands für Psychotherapie (OÖLP) zu den Themen „Gesunder Stress – mit Stress richtig umgehen“ und „Selbstmotivation“
  • Erste-Hilfe-Wiederbelebungskurse mit dem OÖ Roten Kreuz
  • Kurs „Gesund leben: Wege zum Wohlbefinden“ in Kooperation mit dem OÖ Roten Kreuz
  • 5-wöchiges Raucherentwöhnungsprogramm „Rauchfrei durchs Leben“ in Kooperation mit der OÖGKK (Psycholog/innen des Arbeitsmedizinischen Dienstes)

Außerdem stellt die Abteilung Gesundheit den Gemeinden zur Sensibilisierung breiter Bevölkerungsschichten Beiträge zum Thema Herz-Kreislauf-Gesundheit zur Veröffentlichung in den Gemeindezeitungen zur Verfügung.

Insgesamt 66 Gesunde Gemeinden (Stand 21.01.2019) haben bisher als vertiefendes Gesundheitsförderungsprogramm ein Präventionspaket zur Herzgesundheit abgerufen.

Risikofaktor Bluthochdruck: Folder zur Unterstützung bei Selbstmessung will Gesundheitskompetenz fördern

Bluthochdruck ist der Risikofaktor Nr. 1 für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Hälfte der Betroffenen weiß jedoch nichts davon, denn Bluthochdruck bleibt lange Zeit symptomlos. Nur durch regelmäßige Blutdruckmessungen kann die Erkrankung entdeckt und behandelt werden. Den eigenen Blutdruck zu kennen und gegebenenfalls darauf zu reagieren ist daher eine wichtige Vorsorgemaßnahme.

Um die Gesundheitskompetenz in diesem Bereich zu fördern, hat die Abteilung Gesundheit einen Folder erstellt, der Tipps zur richtigen Blutdruckmessung sowie einen Blutdruckpass zum Eintragen der Blutdruckwerte enthält. Die Selbstmessungen liefern der Ärztin/dem Arzt wichtige Informationen für die Behandlung, denn regelmäßig gemessene Blutdruckwerte sind oft aussagekräftiger als Einzelmessungen in der ärztlichen Praxis. Der Folder wird über die Gesunden Gemeinden verteilt bzw. steht im Internet zum kostenlosen Download zur Verfügung (www.gesundesoberoesterreich.gv.at > Publikationen).

„Ein großes Anliegen ist uns auch die Umsetzung von Blutdruckmessaktionen auf lokaler Ebene – das Thema soll die Bürgerinnen und Bürger direkt im eigenen Lebensumfeld erreichen“, betont die Gesundheitslandesrätin.

Eigener Präventionstag zur Information ehrenamtlich Engagierter

Zur Vorbereitung auf den Jahresschwerpunkt fand bereits am 20. Oktober 2018 ein „Präventionstag Gesunde Gemeinde“ statt. Dabei erhielten die ehrenamtlich engagierten Mitarbeiter/innen des Netzwerks Gesunde Gemeinde interessante Einblicke in neue Erkenntnisse im Bereich der Herz-Kreislauf-Gesundheit. Insgesamt rund 140 Mitarbeiter/innen haben sich in Seminaren und Vorträgen weitergebildet und ihre Gesundheitskompetenz gestärkt. Dieses Wissen wird in die Gesunden Gemeinden weitergetragen.

Auf dem Programm standen Vorträge von Primar Dr. Kurosch Yazdi, Vorstand der Klinik für Psychiatrie am Kepler Universitätsklinikum und Mag.a Herta Wimberger-Spörker vom OÖ Landesverband für Psychotherapie. Im Deep-Space des Ars Electronica Center ermöglichte Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Fellner, Leiter des Zentralen Radiologie Instituts am Kepler Universitätsklinikum, mittels „Cinematic Rendering“ die Funktionsweise des Herzens und des menschlichen Körpers besser zu verstehen.

„Die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wesentlicher Teil des Erfolgsrezepts für wirksame Gesundheitsförderung in unseren Gesunden Gemeinden. Darum war es uns wichtig, sie mit einer eigenen Veranstaltung über den neuen Schwerpunkt zu informieren. Dadurch, dass wir im lokalen Umfeld ansetzen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort die Aktivitäten den jeweiligen Gegebenheiten anpassen, erhöhen wir die Motivation der Bevölkerung zum Mitmachen“, zeigt sich Haberlander überzeugt.

OÖ verfügt über flächendeckende kardiologische Versorgungsstruktur

Für all jene, bei denen bereits eine Herzerkrankung besteht, wird in Oberösterreich im Spitalsbereich eine ausgezeichnete und flächendeckende kardiologische Versorgung angeboten. Über die Basisversorgung hinaus, die überall möglich ist, gibt es:

  • zwei Zentren für endovaskuläre Kardiologie (=Coronarangiographie und Herzchirurgie in einer Krankenanstalt): Kepler Universitätsklinikum (Erwachsene und Kinder) sowie Klinikum Wels-Grieskirchen
  • ein Schwerpunkt für endovaskuläre Kardiologie (=Coronarangiographie in der Krankenanstalt, Anbindung an eine Herzchirurgie in einer anderen Krankenanstalt): Ordensklinikum Linz Elisabethinen

Sowohl an den Zentren als auch am Schwerpunkt gibt es Anlagen für elektrophysiologische Untersuchungen am Herzen mit der Möglichkeit der Therapie von bestimmten Herzrhythmusstörungen;

An all diesen Standorten werden natürlich auch spezielle Schrittmacher mit Zusatzfunktionen (z.B. Defibrillatoren) implantiert, dies zusätzlich an den Standorten Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, Salzkammergut Klinikum Standort Vöcklabruck, LKH Steyr, Krankenhaus Ried und Krankenhaus Braunau. „Normale“ Schrittmacher können an jeder Akut- Krankenanstalt implantiert werden.

Referenzzentrum für Herzchirurgie mit zwei Standorten

Ein standortübergreifendes Referenzzentrum für Herz- Thorax- und Gefäßchirurgie am Kepler Universitätsklinikum und am Klinikum Wels-Grieskirchen ermöglicht chirurgische Eingriffe am Herzen, angefangen von Bypässen über Herzklappenchirurgie bis hin zur Implantation von Kunstherzen. Ein modernst ausgestatteter Hybrid-OP am Kepler Universitätsklinikum erlaubt gemeinsame Eingriffe durch Herzchirurgen und Kardiologen. Die Kinderherzchirurgie genießt einen internationalen Ruf. Der universitäre Status des Zentrums am Standort des Kepler Universitätsklinikums stellt auch Lehre und Forschung im Zusammenhang mit Herzgesundheit sicher.

Pilotprojekt „Integrierte Versorgung Herzinsuffizienz“ zeigt erste Erfolge

In Oberösterreich leiden nach Schätzungen rund 18.500 Menschen an einer chronischen Herzschwäche. Um diese Patient/innen besser zu betreuen und zu beraten, haben Land OÖ und OÖGKK mit der „Integrierten Versorgung für Menschen mit Herzinsuffizienz“ ein neues Versorgungskonzept entwickelt.

Trotz laufender Behandlung müssen viele Patient/innen mit chronischer Herzschwäche wiederholt ins Spital aufgenommen werden, weil sie Medikamente unregelmäßig einnehmen oder Warnzeichen einer Verschlechterung nicht erkennen. Das neue Versorgungskonzept soll Wiederaufnahmen ins Spital und Risiken minimieren.

Ziel ist die Förderung der Vernetzung aller Partner entlang des Betreuungsprozesses – Angehörige, mobile Pflegedienste, Allgemeinmediziner/innen, Fachärzt/innen und Krankenhaus – und damit eine verstärkte Überwachung der Patient/innen. Auch Doppeluntersuchungen können vermieden werden. Die Betroffenen werden besonders geschult und auch ihre Angehörigen bestmöglich unterstützt. Damit soll auch die Lebensqualität von Menschen mit chronischer Herzschwäche gesteigert werden.

Im Rahmen eines 2017 gestarteten Pilotprojektes in den Regionen Linz, Linz-Land, Rohrbach und Urfahr-Umgebung wird derzeit das Konzept auf Praxistauglichkeit und Akzeptanz getestet. Die positiven Auswirkungen sind bereits erkennbar. Patient/innen, die am Pilotprojekt teilnehmen, kommen gegenüber früher weniger häufig ins Krankenhaus. Erste Detailergebnisse werden in Kürze vorliegen.

„Im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen kümmern wir uns um alle Stadien, von der Prävention schon im Kindesalter über die Risikogruppen bis hin zu einer optimalen Versorgung jener Menschen, die bereits mit einer Erkrankung leben müssen“, fasst Gesundheitsreferentin Haberlander zusammen.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)