AT: Gender-Medizin: Neues zur Aortenaneurysma-Therapie

(C) Alexandr Mitiuc

Müssen Frauen in der Therapie des komplexen AAA anders als Männer behandelt werden? Studie des Wilhelminenspitals Wien zeigt erhöhtes Sterbe- & Herzinfarktrisiko bei Frauen

Wien (OTS) – Eine aktuelle Studie des Wilhelminenspitals Wien zeigt, dass das Risiko für Frauen, nach einer Operation eines komplexen Aortenaneurysmas an einem Herzinfarkt zu versterben, wesentlich höher ist als bei Männern (Frauen 10 %, Männer 1,05 %). Selbst bei einfachen Aneurysmen weisen Frauen ein erhöhtes Risiko für Gefäßkomplikationen wie Probleme der Nierenfunktion sowie ein erhöhtes Sterberisiko auf. Der Krankenhausaufenthalt ist bei Frauen ebenfalls deutlich länger als bei Männern. Die Gefäßspezialisten schließen daraus, dass Frauen vor einer Behandlung des Aortenaneurysmas noch genauer als Männer auf Herzschäden untersucht werden müssen, um während oder nach der OP einen Herzinfarkt zu vermeiden. 

Link: www.gefaessforum.at 

Bei einem Aortenaneurysma handelt es sich um eine krankhafte Aussackung der Arterienwand, bei der es auf Dauer zur Gefäßruptur kommen kann. In den meisten Fällen verläuft diese tödlich. Ein erster wesentlicher Unterschied in der Behandlung ist, dass ein Bauchaortenaneurysma bei Männern in der Regel ab 5,5 cm behandelt werden sollte, bei Frauen aufgrund ihrer zarteren Gefäße bereits bei 5 cm. Es gibt zwei OP-Möglichkeiten: Die Aorta kann einerseits offen über einen Bauchschnitt durch eine Gefäßprothese „ersetzt“ werden.

Eine andere Möglichkeit ist die „Schienung“ des Gefäßes von innen mittels ummantelter Stents. Dadurch kann der Blutstrom keinen Druck mehr auf die Aortenwand ausüben und die Rupturgefahr ist minimiert. Diese „endovaskuläre Behandlung“ ist im Gegensatz zur offenen Operation mit kleinen Schnitten in den Leisten durchführbar. Bei manchen Patienten ist die Erweiterung auf mehrere Abschnitte der Hauptschlagader im Bauch- und/oder Brustraum ausgedehnt. Dann betrifft das sogenannte komplexe Aneurysma auch den Bereich, in dem die Organarterien für die inneren Organe abzweigen.

Diese Aneurysmen können von innen mittels individuell für den Patienten angefertigter Stentgrafts behandelt werden. Sie besitzen kleine Löcher/Fenster an den Abzweigungsstellen der Organarterien und werden deshalb „fenestriert“ genannt. Aktuell werden im Wilhelminenspital etwa 40 Patienten pro Jahr mit so einer FEVAR (Fenestrated Endovascular Aortic Repair) behandelt.

Eingehende Herzuntersuchung 

„Das Studienergebnis ist wichtig, um Frauen zukünftig sicherer zu behandeln“, erklären Prim. PD Dr. Afshin Assadian, Vorstand Gefäßchirurgie WSP Wien und Sprecher Gefäßforum Österreich, und Studienautorin Dr. Miriam Kliewer. Vor einer solchen Operation erhielten bisher alle Patienten – ob Mann oder Frau – die gleiche standardisierte Evaluierung der Herzfunktion. Ergibt sich ein Hinweis auf Herzkranzgefäßveränderungen, wird im Zweifelsfall auch eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt. Als Konsequenz dieser Studie, so Dr. Kliewer, müssen Frauen noch intensiver auf bestehende Herzschäden untersucht werden, um einen Herzinfarkt während oder nach der OP zu vermeiden – ein bestechendes Beispiel für den Nutzen und Wert der Gendermedizin.

Markus Golla
Über Markus Golla 4742 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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